instruiert werden – XIII

13. step by step

Mit dem 7. Kapitel (42 – 61) erreiche ich nunmehr – erst! – jenen Teil der Instruktion, in dem verschiedenste Rechtsnormen in Erinnerung gerufen werden und der in so vielen Reaktionen negativ kritisiert wurde, als “Rückschritt vor das Zweite Vatikanische Konzil” bezeichnet wurde etc. Ich werde mich im Folgenden – ähnlich wie schon bislang – konsequent aus dem Blickwinkel der “pastoralen Umkehr” diesen zu nähern versuchen und ich hoffe, dass mir dies einigermaßen gelingen wird. Dieser Zugang ist genährt davon, dass ich zunächst mich “eins” machen muss um einen anderen zu verstehen – vgl. das paulinische Wort 1Kor 9,22 wie auch die Tatsache, dass unser Herr und Gott sich ganz, mit Haut und Haaren, auf uns, die ganz Anderen eingelassen hat (vgl. Phil 2,5-11). Dies geschieht nicht aus dem Grund, die Meinung der Anderen bis aufs Letzte zu teilen, aber sehr wohl folgt diese Art dem jesuitischen Grundsatz, “die Meinung des anderen auf jede Art und Weise retten zu versuchen” ehe sie beurteilt wird. Daher möchte ich noch einmal in Erinnerung rufen, dass die literarische Gattung “Instruktion” zu beachten ist[1]. Hinzu kommt, dass rechtliche Anweisungen nie den Zweck haben, den Weg aufzuzeigen, der einzig und allein richtig ist, sondern lediglich die Leitschienen festmacht, um den befestigten Weg nicht zu verlassen. Auch Statuten und Dekrete haben nicht den Zweck alles und jedes, was an Fällen zu reglementieren denkbar möglich ist zu fassen: solche Schriftstücke geben einen Rahmen ab und markieren – vor allem für Streitfälle – die Grenzen einer Institution oder Organisation. Und: Normen wollen etwas “schützen”, Werte zum Beispiel – auch auf diese Inhalte hin sind sie zu sehen und zu lesen und von daher dann auch zu “verstehen”. Schließlich – und hier erinnere ich an die bereits zu Beginn dieser Serie gemachten Vorbemerkungen: ich habe bei meinen Bemerkungen keine konkreten Diözesen im Blick, auf die diese Instruktion – angeblich – eine Antwort ist, ganz einfach deswegen, weil mir die genauen Informationen hierzu fehlen, sondern mache – für mich jedenfalls sind es solche – “prinzipielle” Gedankenerwägungen. Eigentlich sind all diese Vorbemerkungen Selbstverständlichkeiten, die aber angesichts unserer heutigen schnelllebigen Zeit, die mitunter einer großen “Empörungskultur” Vorschub leistet – die sogenannten neuen “sozialen Medien” eignen sich dafür hervorragend – nicht oft genug in Erinnerung gerufen werden können. Dass ich dabei immer wieder auch auf unseren Weg, den wir in der Diözese Graz-Seckau in den letzten Jahren gegangen sind, zurückblicke, ist der Selbstreflexion geschuldet, zu der uns dieses Dokument “von außen” anleitet.

step by step sei vorzugehen: “Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im missionarischen Sinn erfolgt daher in einem schrittweisen Prozess der Erneuerung der Strukturen und folglich in verschiedenen Weisen der Übertragung der Hirtensorge und der Beteiligung an ihrer Ausübung, die alle Glieder des Volkes Gottes einschließen.”[2] Und einige Zeilen weiter werden die vielen Bemühungen erneut gewürdigt, die gegangen werden, um die Strukturen in der Kirche vor Ort dem Heute anzupassen: es gehe ihnen “im Kern […] um die Notwendigkeit, Strukturen zu finden, die geeignet sind, in allen Teilen der christlichen Gemeinschaft die gemeinsame Berufung zur Verkündigung der Frohen Botschaft im Hinblick auf eine wirksamere Hirtensorge für das Volk Gottes, dessen „zentrales Element“ nur die Erreichbarkeit und Nähe sein können, anzufachen”[3]. Ein Moment solcher Bemühungen wird in einem Abschnitt dieses Kapitels mit “Pfarreizusammenschlüssen” getitelt[4].

Wenn ich hierbei auf die in unserer “Kirchenentwicklung” zurückgelegte Wegstrecke blicke, bin ich sehr, sehr dankbar: wie oft wir doch in irgendeiner Art und Weise mit den Gremien, die dem Bischof zur Seite gestellt sind, gearbeitet haben; wie sehr wir doch in vielen Arbeitsgruppen uns gemeinsam um die Erkenntnis des rechten Weges und der rechten Entscheidungen gemüht haben. Auch und gerade die kritischen Auseinandersetzungen – dankbar denke ich an die vielen regionalen Begegnungen zurück, die unter anderem mit den Priestern unserer Diözese jährlich durchgeführt wurden – möchte ich auf diesem Weg nicht missen! Instruktion 46 spricht davon: ich glaube behaupten zu können, dass wir uns hier auf einen guten Weg begeben haben: Prinzipielles wurde dort “gehört” – man beachte die Wortwahl (!), konkrete Schritte der Umsetzung wurden in diversen Arbeitsgruppen erarbeitet und schließlich nach der einen oder anderen notwendigen “Schleife” freigegeben.  Wenn ich den Duktus des Dekretes ernstnehme, sind die Zwischentöne zu beachten: zumeist – und leider nicht dem Charakter einer exakten Instruktion folgend – wird hier von der rechtlichen Aufhebung bestehender Pfarren gesprochen, die gemeinsam eine neue Pfarre bilden. Nur einmal (47) ist davon die Rede, dass es auch eine einfache föderative Art des Zusammenschlusses geben kann. Wir haben uns – vereinfacht gesagt – von vornherein auf diesen Weg begeben, um die Eigenheiten des Lebens nicht zu negieren, wohl wissend, dass mit der Beibehaltung der einzelnen Pfarren eine Lösung für den – von der Instruktion im übrigen negativ kritisierten(!) – bürokratischen Verwaltungsaufwand zu finden sein wird: es ist einfach nicht praktikabel und möglich, dass – um ein Beispiel zu nennen, der Pfarrer etwa des Seelsorgeraumes Voitsberg mit 16 eingeständigen Pfarren bei allen Sitzungen der synodalen Gremien dabeisein und dann auch noch den Vorsitz der Sitzung führen kann. Dass wir hier in Graz-Seckau ohnedies schon seit geraumer Zeit im Pfarrgemeinderatsstatut viele Möglichkeiten anbieten, wie dies zu vereinfachen ist, hat uns auf diesem Weg geholfen. Die Schwierigkeiten ergeben sich “lediglich” auf jenem Sektor, der aber staatskirchenrechtlich notwendig ist, dass in jeder kanonisch errichteten Pfarre ein Vermögensverwaltungsrat [bei uns: “Wirtschaftsrat”] existieren muss. Hier kreativ Lösungen zu suchen wird auch im Kapitel Xa der Instruktion aufgegriffen, wo zB. 104 die Möglichkeit eröffnet, dieselben Personen für mehrere Pfarren zu benennen usw.

Im Weiteren dieses Kapitels behandelt die Instruktion Fragestellungen, die unbedingt zu berücksichtigen sind, wenn Pfarren kanonisch aufgehoben und neue errichtet werden. Auch wenn dies bei uns nicht zutrifft: dass in einer Art Kirche zu leben, die vom Geist der Mission geprägt ist, die lebenden Ordensgemeinschaften oder andere Situationen, die für Pfarren gewisse Rechte haben, zu berücksichtigen sind, ist eigentlich selbstverständlich. Ich hoffe, dass wir in unserem gemeinsamen Suchen hier nicht allzu viele Fehler gemacht und nicht all zu sehr Rechte verschiedener Beteiligter übersehen haben. Schon die Logik allein macht deutlich: hier kann nicht einfach alles mit einem “Aufwaschen”, will man das Leben vor Ort ernstnehmen, erfolgen – andererseits gilt aber auch: wenn in einem gemeinsamen Suchprozess entsprechende Entscheidungen wohl vorbereitet und – die Betroffenen einbindend – getroffen werden, so sind diese sicher zu begründen und durchzuführen. Inwieweit dann Rekurse nach Rom, wie es sie immer wieder gibt, hinreichend alle (!) Überlegungen einschließen und zur Findung der Wahrheit beitragen sei an dieser Stelle sehr wohl hinterfragt: gibt es mitunter nicht Eigeninteressen, die zunächst – nimmt man das Evangelium ernst, für das man ja formal eintritt – unter “4 Augen” (vgl. Mt 18,16ff.) zu besprechen sind. Und damit sind wir wieder mal beim Leben von “Umkehr”, zu der alle Glieder im Volk Gottes berufen sind: Wie bringen wir dann all (!) unsere Bedenken ein, damit die, die Entscheidungen zu treffen haben, dies auch geistvoll tun können?

In einem einzigen Punkt (51) wird auch das Thema der Profanierung von Kirchen angesprochen. In unserer Diözese ist diese Frage in den letzten Jahren noch nicht so oft aufgetaucht, wiewohl wir herausgefordert waren, manches neu zu denken. Ich kann mich an die alte Pfarrkirche in Mitterdorf erinnern, die profaniert wurde, weil eine neue, größere, in unmittelbarer Nähe gebaut wurde; ich kann mich erinnern an die Kapuzinerkirche in Knittelfeld, die zwar nicht profaniert, wohl aber an die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde übergeben wurde; ich erinnere mich an eine Kirche nahe Leoben, die mit großer Mühe und vielen Überlegungen “mehreren Zwecken”, um es vereinfacht zu sagen, zugeführt wurde, aber eben Kirche geblieben ist. Und für all diese Beispiele könnten wohl aus den letzten 20 Jahren noch weitere aus unserer Diözese benannt werden, bei denen alle Schritte beachtet wurden. Dass es im Zuge der demographischen Entwicklung – auch was die Mitgliederzahlen unserer Kirche anlangt – absehbar ist, dass wir uns in Hinkunft mehr auch den Fragen der (teilweisen) Umwidmung, der (teilweisen) Übergabe oder auch der Profanierung von Kirchen widmen werden müssen, vor allem in städtischen Regionen wie etwa Graz, liegt auf der Hand und war in der Kirchengeschichte immer an der Tagesordnung. Ich selbst war Pfarrer in Bruck an der Mur und musste feststellen, dass sich 9.000 Katholiken – mittlerweile sind es weniger – wohl auf Dauer nicht leisten werden können, 5 Kirchen zu erhalten. Gerade deswegen werden prinzipiell in der Diözesankommission für Liturgie derzeit Überlegungen angestellt, um verschiedene Varianten durchzuspielen, wie mit davon betroffenen Kirchen in Hinkunft geordnet und unter Einbeziehung der Gläubigen vor Ort umgegangen wird bzw. werden soll. Wenn der Zeitplan hält, werden die großen diözesanen Gremien diese Prinzipien im Herbst dieses Jahres beraten und beschließen, diesen Vorschlag mir zur Entscheidung vorlegen zu können.

Im jüngst – und nach der ursprünglichen Veröffentlichung dieses Beitrags am 8. August 2020 veröffentlichten –  erschienen Leitartikel der “Herder Korrespondenz” hat Lucas Wiegelmann m.E. voll recht ergänzt, sollte dies durch meine bisherigen Überlegungen noch nicht deutlich geworden sein: “Tatsächlich schränken gerade diese Kernpunkte der Instruktion bei Lichte betrachtet weniger den Handlungsspielraum irgendwelcher Laienmitarbeiter ein. Sie schmälern in erster Linie die Beinfreiheit des jeweiligen Diözesanbischofs. Die Autoren der Instruktion hatten ursprünglich nicht die Situation in Deutschland, sondern in den Vereinigten Staaten im Sinn, wo mancher Bischof speziell mit der Profanierung überzähliger Kirchengebäude äußerst schnell bei der Hand war, selbst dort, wo ehrenamtliches Engagement vor Ort längst eine Rettung des Gebäudes in greifbare Nähe gerückt hätte. Einem leichtfertigen Abschreiben von Kirchen, die im Finanzplan eines Bistums vielleicht nur als Kostenfaktor zu Buche schlagen, während sie für die Gläubigen gemeinschafts- und identitätsstiftend sind, schiebt die Instruktion einen Riegel vor. Ebenso wie einer allzu sorglosen Zusammenlegung traditionsreicher Pfarrgemeinden zu immer größer werdenden Verwaltungsverbünden. Natürlich sind Umgestaltungen von Pfarreigebieten vielfach sinnvoll, um auf den rasanten Wandel der kirchlichen Realitäten zu reagieren. Das enthebt die Bischöfe aber nicht der Verantwortung, jede einzelne Strukturentscheidung sorgfältig zu prüfen und spezifisch zu begründen. Das ist kein römischer Zentralismus, sondern das Mindeste, was zumal die Laien vor Ort erwarten können.”[5]

[1] Vgl. hierzu http://krautwaschl.info/instruiert-werden-i/

[2] Instruktion 42.

[3] ebd., 44.

[4] ebd., 46-51.

[5] Lucas Wiegelmann: Fürchtet euch nicht, in: HerKorr Nr. 9(2020), 4f.

instruiert werden XII

12. Strukturen, die dem Leben dienen (sollen)

“Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient. Die Reform der Strukturen, die für die pastorale Neuausrichtung erforderlich ist, kann nur in diesem Sinn verstanden werden: dafür zu sorgen, dass sie alle missionarischer werden, dass die gewöhnliche Seelsorge in all ihren Bereichen expansiver und offener ist, dass sie die in der Seelsorge Tätigen in eine ständige Haltung des „Aufbruchs“ versetzt und so die positive Antwort all derer begünstigt, denen Jesus seine Freundschaft anbietet. Wie Johannes Paul II. zu den Bischöfen Ozeaniens sagte, muss » jede Erneuerung in der Kirche […] auf die Mission abzielen, um nicht einer Art kirchlicher Introversion zu verfallen.«”[1] Und: das Leben ist die Sendung hinein in die Welt, ist Mission.

In der Organisationsentwicklung heißt’s “form follows function” – als ich diese Zeilen aus der apostolischen “Ermahnung” “Evangelii gaudium” gelesen habe, auf die das missionarische “Grundmuster” der Instruktion immer wieder verweist, habe ich es wohl doppelt und dreifach unterstrichen. Dass wir im Leben von Pfarre und Kirche – und damit auch die Instruktion – Gefahr laufen, etwas nachgereiht Großartiges unserer Kirche, sie nämlich als “Institution” zu verstehen und dieser Struktur alles andere unterzuordnen, ist aber auch eine Erfahrung. Ob dann nicht auch die Strukturmomente, die in der Instruktion erinnert werden, unter diesem Aspekt gesehen, unter diesem Blickwinkel – und damit eben zur Umkehr aufgerufen – werden müssten, möchte ich zumindest zur Diskussion stellen. Mitunter hege ich den Verdacht, dass wir uns halt – auch (!) ob unserer Tradition und der langen Geschichte von Kirche – in unseren Breiten lieber bei den Strukturen und den damit sich stellenden Fragen der inneren Struktur aufhalten statt diese im Dienst der gemeinsamen Sendung zu sehen. Unter dem Motto: “Wenn das Organigramm einmal gut ist, dann können wir uns auch der Sendung zuwenden …” – Wenn ich das so schreibe, gibt’s gleich mal eine mir selbst verordnete Gewissenserforschung – auch unter dem Aspekt, dass man Inhalt und Form ja gerade in unserer katholischen Kirche nicht auseinanderdividieren kann. Aber auch unter dem Aspekt, ja nicht der Gefahr zu unterliegen, weil dem so ist, nichts anzupacken …

Da Kirche in der Steiermark sicher vor der Errichtung der Diözese 1218, die im übrigen in der Geschichte so manche Veränderungen in ihrer Ausdehnung erfahren hat, gelebt wurde und auch unter anderen Umständen als in der Geordnetheit mit 388 Pfarren muss hier auch erwähnt werden. – Wenn es stimmt, was ich leider nach wie vor nicht nachgeprüft habe, dann sind die Jahre von 1950 – 2000 jene 50 Jahre, in denen in der Steiermark am meisten Pfarren neu gegründet wurden, unterteilt man die 800 Jahre in “50iger-Pakete”. Was ich damit sagen will? So sehr Pfarren “keine hinfällige Struktur” sind[2] so sehr muss klar sein, dass nicht “Pfarre” der einzige Erfahrungsraum von Kirche ist, sondern Leben “fasst”, so wie ein Glas eben ein Getränk einfasst. Strukturen zu “dogmatisieren” ist ebenso falsch wie sie zu negieren. In eine dieser Fallen an den Wegrändern tappen wir immer wieder … Die Frage zu stellen: “Was macht [kirchliches] Leben aus? Wo wird die Sendung des Evangeliums gelebt?” ist keine nebensächliche, genauso schwierig ist es aber, jene “heiligen Kühe auszumachen, die keine Milch mehr geben und daher geschlachtet werden müssen”, zumal in unserer professionalisierten Situation.[3]

Der wahrgenommene “Mangel” an zum sakramentalen Dienst Geweihten – zumindest im Vergleich von vor einigen Jahrzehnten –[4] hat manches ans Tageslicht gebracht, das “Kirchen-Entwicklung” im positivsten Sinn angestoßen hat. Die Lebens-Erfahrung lehrt ja auch, dass nicht bloß die Theorie jemanden davon überzeugt neue Wege zu gehen, sondern mitunter auch Not. Die jüngste COVID-Krise hat dies ja auch deutlich gemacht: wie sehr doch Solidarität geübt wurde während des lockdowns – und wie viel davon unmittelbar danach sofort wieder eingebrochen scheint. Was also führt dazu, dass man sich wirklich bekehrt – und das zur Lebenseinstellung wird? Sind wir wirklich jetzt schon (?!), erst (?!) 60 Jahre nach dem Konzilsbeginn soweit, das Zusammenspiel im Volk Gottes zwischen denen, die einen geweihten Dienst in ihm ausüben und jenen, die aufgrund von Taufe und Firmung den Sendungsauftrag mit ihren Charismen leben, gut und neu austariert zu leben? Die Reaktionen auf die Instruktion im Blick der ganzen Welt machen “nur” deutlich, wie unterschiedlich wir doch unterwegs sind und welch unterschiedliche Geschwindigkeiten wir dabei entwickelt haben.

Daher: “Folglich liegt es auf der Hand, wie notwendig es ist, sowohl eine Konzeption der Pfarrei, die auf sich selbstbezogen ist, als auch eine „Klerikalisierung der Pastoral“ zu überwinden. Die Tatsache ernst zu nehmen, dass dem Volk Gottes «die Würde und die Freiheit der Kinder Gottes eignet, in deren Herzen der Heilige Geist wie in einem Tempel wohnt», drängt dazu, Vorgehensweisen und Modelle zu fördern, durch die alle Getauften kraft der Gabe des Heiligen Geistes und der empfangenen Charismen sich aktiv, dem Stil und der Weise einer organischen Gemeinschaft entsprechend, in die Evangelisierung mit den anderen Pfarrgemeinden unter Berücksichtigung der Pastoral der Diözese einbringen. Da die Kirche nicht nur Hierarchie, sondern Volk Gottes ist, ist die gesamte Gemeinschaft für ihre Sendung verantwortlich. Es wird die Aufgabe der Hirten sein, diese Dynamik zu erhalten, damit alle Getauften entdecken, dass sie aktive Protagonisten der Evangelisierung sind.”[5] Auch wenn – und so manche Kritik an der Instruktion macht dies deutlich – in den darauffolgenden Normen so manches davon nicht deutlich zum Vorschein kommt: hier wird für meine Begriffe “klassisch” der Dienst der Hirten sowie aller in der Seelsorge Stehenden am und im Leben der christlichen Gemeinschaft beschrieben, die wir im Zukunftsbild unserer Diözese in die Worte gefasst haben: “Die Kirche verändert sich und damit ändern sich die Anforderungen an unsere Berufungen. Das führt auch zu veränderten Rollenbildern und Aufgaben der Hauptamtlichen in der Pastoral. Alle hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geben Verantwortung und Entscheidungsspielraum frei und unterstützen die Menschen bei der Gestaltung von Kirche vor Ort. Sie sind geistliche Menschen und theologisch kompetent. Sie geben Raum für pastorale Initiativen, ermöglichen und unterstützen sie. Im Einzelfall werden diese von ihnen initiiert. Sie halten die Kirche vor Ort in der Spur des Evangeliums und der Weltkirche. In der Vielzahl der Berufungen und in der Vielfalt seiner seelsorglichen Tätigkeiten ist es die Aufgabe des Priesters, sakramental wirksam im Namen Jesu zu handeln. Im Dienst des Diakons wird sichtbar und greifbar, dass Jesus nicht gekommen ist, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Darüber hinaus üben die unterschiedlichen Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger (Priester, Diakone, Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten) spezifische Rollen aus, um Prozesse in Gang zu setzen und zu begleiten, zum Beispiel als Seelsorgerinnen und Seelsorger, geistliche Begleiterinnen und Begleiter, theologische Fachberaterinnen und berater, Projektentwicklerinnen und entwickler, Pionierinnen und Pioniere, Konfliktmoderatorinnen und -moderatoren, Ehrenamtsbegleiterinnen und begleiter, Gründerinnen und Gründer. Eine spezifische Unterstützungsrolle ist die Aufgabe der formellen Leitung, zum Beispiel eines Seelsorgeraumes.”[6]

[1] Franziskus, Evangelii gaudium 27.

[2] ebd., 28.

[3] Wie schwer dies uns fällt wird u.a. dort deutlich, wo das Zukunftsbild und die “strategischen Ziele”, die als Leitplanken uns in das 9. Jahrhundert unserer Diözese begleiten, eben auch diesen Aspekt konsequenter Weise betont: wenn ich diesen und nicht jenen Weg gehe, heißt dies automatisch auch so manches zurück zu lassen. Sind wir uns dessen bewusst? Und: treffen wir dann entsprechende Entscheidungen, die noch dazu dann ja nicht bedeuten, dass das Vorhergehende “schlecht” war, sondern lediglich, dass es heute – vereinfacht und spirituell gesagt – einen “anderen Willen Gottes” gibt.

[4] “Mangel” – und darauf muss einfach hingewiesen werden – ist ein relativer Begriff, der sich auf eine Maßzahl bezieht. Vom “Priestermangel” zu sprechen bedeutet also, von einer gewissen Zahl an Amtsträgern ausgeht, die – vorgeblich (?) – “notwendig” sind für kirchliches Leben. Sprechen wir über die Kriterien, die uns einen “Mangel” feststellen lassen? Und: stimmen diese Kriterien – heute? Ganz abgesehen davon, dass viel zu wenig oft Rechenschaft darüber gegeben wird, wieso vom “Mangel” in dieser oder jenen Beziehung gesprochen wird und auch die Gefahr nahe liegt, in ein- und derselben Debatte zunächst von der Kirche zu sprechen, die in den Seelen erwacht, um R. Guardini in Erinnerung zu rufen, dann aber nur auf Amtsträger fixiert ist, die wir zum Leben der Kirche bräuchten …

[5] Instruktion 38f.

[6] Zukunftsbild der Diözese Graz-Seckau, II/7 [https://www.katholische-kirche-steiermark.at/dl/rKMtJmoJKnMJqx4KJKJmMJOKk/Zukunftsbild_2019_Ansicht.pdf, 5.8.2020] – die dort auffindbare Fassung ist nicht jene Letztfassung, die im Gesamtgefüge des Prozesses unserer Kirchenentwicklung wohl erst veröffentlicht wird.

instruiert werden XI

11. schrittweises Vorangehen

Strukturen zu erneuern, sie zu verändern bedeutet auch, für so manchen “Liebgewordenes” neu zu betrachten – wenn ich nur an mich selbst denke, wie schwer es mir mitunter fällt, Verhaltensweisen zu erneuern. Das Evangelium ernstnehmend muss freilich auch gesagt werden: es ist eine Grundhaltung derer, die sich in der Nachfolge Jesu wissen, “auf dem Sprung” zu sein. So wichtig, richtig und gut es ist, dass eben das “Geistliche” auch “auf den Boden gebracht” wird und werden muss, will es ganzheitlich und damit letztlich auch menschlich sein, so sehr gilt auch, dass Strukturen und lebendige Systeme es so an sich haben, eher zu bewahren. Dass diese dem Ganzen innewohnende Tatsache was Gutes an sich hat ist meines Erachtens unbestritten, verhindert es doch sich einfach nach dem Wind zu drehen und jede Mode mitzumachen, auch wird dadurch die Geschichtlichkeit des Menschen oder eben einer Institution ernst genommen. Andererseits – und diese Wirklichkeit “lähmt”: Gerade weil und wenn wir uns als Christen wissen ist ständig der Gefahr zu wehren, die “Werke Gottes” mit Gott zu verwechseln[1]; auch die Kirche ist “Instrument” und nicht Ziel, Zeichen und nicht Vollendung.

Wenn daher in der Instruktion ein “schrittweises Vorangehen” eingemahnt wird in strukturverändernden Prozessen, dann ist diese Spannung im Hintergrund zu halten. Aus dem Blickwinkel der Umkehr, die uns das Dokument vorgibt, ergibt sich die Notwendigkeit, dies auch in gewisse, dem Heute entsprechende Normen zu gießen; andererseits gilt, dass Strukturen eben gemeinsam mit den Menschen gegangen und “erobert” werden müssen – auch die Pfarrstrukturen haben sich erst mit der Zeit entwickelt und waren bzw. sind eine nach wie vor angemessene Form kirchliches Leben tatsächlich “bis an die Grenzen der Erde” (vgl. Mt 28,20) zu bringen, also unsere Sendung zu allen – auch als Gewissenserforschung – im Blick zu haben. Aus dieser und in dieser Spannung der [persönlichen] Umkehr-Notwendigkeit und der, die kirchlichen Lebensformen immer und immer wieder dem Heute anzupassen, einerseits und der Beharrungskräfte andererseits, die sich mitunter vom “Es war schon immer so” treiben lassen[2] wie auch der Notwendigkeit, gemeinsam – und damit als Kirche – voranzugehen, erwächst Leben: Stachel im Fleisch einer saturierten gut aufgestellten und organisierten Kirche wie in unseren Breiten einerseits und zugleich Herausforderung, nicht aus einer gewissen Planungssicherheit und -notwendigkeit heraus am “grünen Tisch” mit einem Federstrich[3] gleichsam alles neu aufzustellen.

Ob wir auf diesem Weg der “Kirchenentwicklung” in unserer Diözese immer das rechte Maß gefunden haben, wage ich zu bezweifeln, andererseits haben wir uns in mehreren Etappen bemüht – und dieses Bemühen dauert wohl die nächsten Jahrzehnte (!) auch noch an, uns von der “Sendungsperspektive” antreiben zu lassen, Kirche in unserer Heimat aufs Neue Kraft zu geben. Die Frage nach dem Willen Gottes für die Kirche von Graz-Seckau stand am Anfang der Maßnahmen, die wir eingeleitet haben und die in den nächsten Jahren schrittweise umgesetzt werden. Dass der Rahmen abgesteckt werden muss, innerhalb dessen der Bewegungsraum umschrieben wird, und dass dies rasch zu geschehen hat, damit man sich nicht in endlosen “Geschäftsordnungsdebatten” ergeht, war mir aber auch klar:

*    Die Struktur der Pfarren als “Netz”, das wir auswerfen, bleibt erhalten – auch um den Menschen Identität zu geben und “niemanden zu vergessen”.
Dies kann und darf andererseits nicht bedeuten, dass die Selbstbezogenheit, in der mitunter pfarrliches Leben sich abspielt “einbetoniert” wird: das “Kirche ist mehr” muss gelebt und auch erfahren werden, etwa dadurch, dass sich Kirche und damit auch pfarrliches Leben, nicht nur in den sicheren Mauern einer Pfarrkirche oder des Pfarrheimes abspielen, sondern eben auch in Familien, an der Arbeitsstelle, in Bildungseinrichtungen, in Kranken- und Pflegeheimen, in den caritativen Einrichtungen usw. Klar ist: Kirche “spielt” sich in unterschiedlichen Lebenskontexten ab, eben wo “zwei oder drei” … Dieser “inneren Struktur-Erweiterung” [Stichwort: Kirchorte bzw. kirchliche Erfahrungsräume] wird die zweite an die Seite gegeben: es gibt nicht nur uns, es gibt auch die Nächsten – und diese sind bekanntlich gleich zu lieben wie wir uns selbst lieben (vgl. Mt 22,39):

*             Im Seelsorgeraum, einer zunächst territorialen Umschreibung mehrerer Pfarren, die gemeinsam mit den Verantwortungsträgern vor Ort in den Pfarren und früheren Dekanaten erarbeitet wurde und die mit 1.9.2020 vorläufig mal rechtlich eingeführt wird[4], sollen die Grunderfahrungen kirchlichen Lebens an den unterschiedlichen Orten netzwerkartig zusammengesehen und auch erfahren werden. Denn nicht jede der unterschiedlich großen Pfarren kann alles und kann für alles zuständig sein: das Teilen unserer Lebens- und Glaubenserfahrungen ist etwas, das uns neu zuwachsen muss und auch dabei hilft.
Die Umsetzung und damit auch inhaltliche Ausgestaltung des Miteinanders im Seelsorgeraum wird mit den Gläubigen vor Ort erarbeitet und hat daher auch unterschiedliche Geschwindigkeiten[5]: so etwa gibt es in der Stadt Graz einen “Kooperationsraum” (dort wird intensiv zusammengearbeitet, aber auch ernstgenommen, dass die meisten Pfarrer dort kurz vor der Emeritierung stehen) sowie eine ganz besondere Situation im Seelsorgeraum “Graz-Mitte”, der besondere Herausforderungen hat für die ganze Stadt, die Beichtkirchen beherbergt etc. Auch ist das Mit- und Zueinander verschiedener Pfarren ob der Topographie zu berücksichtigen etc. – Mit dieser schrittweisen Annäherung trotz und gerade ob der klaren Zielvorgabe – so hoffe ich – ist die Spannung gut gelebt, die sich auch darin ausdrückt, dass akzeptiert wird, wenn Pfarrer (zunächst) Pfarrer in ihrer angestammten Pfarre bleiben[6]. Das, wozu sie alle “verpflichtet” werden ist eigentlich “nur”, dass jede/r in der Seelsorge angestellte Person/Priester sich auf das Gesamt des Raumes hin gesendet weiß.

[1] Diese Differenzierung ist wichtig und wertvoll. Der verstorbene vietnamesische Kardinal François Xavier Nguyên Van Thuân hat in seinen Exerzitien mit der Kurie des Vaters zu Beginn dieses Jahrtausends diese Unterscheidung als ein Kriterium benannt, das es ihm ermöglichte, die Jahre in Einzelhaft zu überstehen. Seine damaligen Gedanken sind meines Erachtens nach wie vor wertvolles Brot auf dem Glaubensweg: François Xavier Nguyên Van Thuân, Hoffnung, die uns trägt: Die Exerzitien des Papstes, Freiburg: Herder 2012 (nach 6 Auflagen als Taschenbuch)

[2] Beide Seiten werden in der Instruktion benannt, meines Erachtens aber zu wenig wirklich in der Spannung gelebt, die es eben auch ermöglichen muss, in unterschiedlichen Herausforderungen diese auf unterschiedliche Art und Weise zu leben.

[3] Wäre nicht für eine solche Art und Weise “Kirchenstrukturen” zu erneuern der Begriff “klerikal” angebracht?

[4] “vorläufig” deshalb, weil dieses Miteinander ein lebendiges ist: schon in der Phase seit der Benennung der Seelsorgeräume hat sich die eine oder andere Veränderung ergeben. Auch in Hinkunft soll diese Lebendigkeit erhalten bleiben – mit ein Grund, wieso der Seelsorgeraum nicht als “juristische Person” – weder kirchlich noch staatlich – errichtet wird.

[5] Mitunter gab es schon lebendiges Miteinander zwischen Pfarren – ich denke da etwa an den Seelsorgeraum “Oberes Feistritztal”, mitunter müssen in Eigenständigkeit nebeneinander lebende Pfarren erst zusammengeführt werden; in anderen Gegenden wiederum ist das Verbindende zwischen kirchlichen Realitäten bislang nur der Pfarrer [von dort her auch “Pfarrverband”], usw.

[6] Selbst dort, wo eine Pfarre von einem “Team” betreut wird (vgl. can. 517§1) haben wir der Klarheit wegen die Priester gebeten, zunächst auf das Amt des Pfarrers zu verzichten um dann als “Pfarrer nach can. 517§1” aufs Neue mit einem Kollegen eingesetzt zu werden. – Die kirchenrechtlichen Unklarheiten in der Begrifflichkeit (in can. 517§1 wird z.B. nur von “Leitung” der Pfarre gesprochen, der Titel der Leitenden aber nicht benannt) wurden auf diese Art und Weise “kreativ” gehandhabt. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Priester, die sich auf den Prozess wirklich eingelassen haben, hier bereit sind, die einzelnen Schritte auch rechtlicher Natur mitzugehen, die ja dem Leben dienen sollen.

instruiert werden – X

10. Erneuerung

Im 6. Kapitel der Instruktion (34-41) wird deutlich, dass jede Erneuerung, jede Umkehr sich nur dort wirklich dauerhaft erweist, wo es “neue Menschen” gibt. Meine eigene Erfahrung lehrt mich zum einen die Richtigkeit dieser Behauptung, zum anderen aber auch, dass sich wohl viele gerade damit nicht leicht tun: “Sollen sich doch die anderen ändern …!” Oder auch: “Bei uns ist eh alles in Ordnung.” Oder – wenn ich auf mich selbst schaue: bis eine Erkenntnis, die ich als wichtig erachte, vom Hirn bis in die letzten Fingerspitzen gelangt ist und sich in dauerhaft neuem Lebensstil erweist, scheint es mitunter schier unüberwindbare Hindernisse in mir zu geben. Bekehrung tut not. Und gerade deswegen betont die Instruktion in diesem Abschnitt erneut die Notwendigkeit der pastoralen Umkehr. Diese ist freilich alles andere als einfach, da nicht nur durch die Professionalisierung kirchlichen Betriebes, zumal in unseren Breiten, mit dieser auch eine gewisse Bürokratisierung einhergeht. Und da spreche ich noch nicht davon, dass wir in unserer Arbeit “vor Ort” auch herausgerufen sind, staatliche Vorgaben einzuhalten, wenn wir Kirche “organisieren”. Ich denke da zunächst an so manche innerkirchliche “Behäbigkeit”, (missionarische) Impulse einfach mal zu leben – auch ohne dass am berühmten “grünen Tisch” vorab alle Für’s und Wider’s abgewogen und eine kritische Reflexionsschleife – vielleicht sogar mehrmals durchlaufen wird, um es überspitzt zu formulieren. In den letzten Wochen und Monaten der COVID-Krise in der Welt und damit auch unserer Kirche erinnere mich an einige Ereignisse, vor allem zu Beginn, durch die mir das blitzlichtartig durch den Kopf gegangen ist. Ein Beispiel hierfür mögen genügen: “Hat Dein Ordinariat schon auf Krisenmodus umgeschaltet und damit das in den Blick genommen, was jetzt notwendig, richtig und wichtig ist?” hat mich ein bischöflicher Brüder einige Tage nach dem lockdown wohl Ende März 2020 gefragt. Und tatsächlich: in manchen Bereichen wurde so weitergearbeitet, als ob es den “Normalbetrieb” zu gewährleisten gelten würde – und damit wurde teilweise den Mitarbeitenden in der Seelsorge, die ohnedies sich mit wahnsinnig viel Neuem umherschlagen mussten, mitunter Zusätzliches aufgebürdet. Ich musste mir dann in einer persönlichen Reflexion dann zwar eingestehen, dass es durchaus möglich ist, sich aufgrund von krisenhaften Phänomen in Mehr-Arbeit zu stürzen, um den Fragen der Krise und den damit notwendigen Veränderungen auszuweichen, doch sich die “Ruhe zu gönnen”, um nach dem “Willen Gottes dieses Augenblicks” zu fragen will auch gelernt sein. – Ein zweites Beispiel, das mir schon vor Jahren begegnet ist: ein priesterlicher Freund von mir war mehr als 10 Jahre Spiritual. Als dann vom Ordinariat auf der damaligen Homepage der Diözese eine Liste von Personen veröffentlicht werden sollte, die geistliche Begleitung anbieten, wurde es ihm zunächst verweigert, da er die Ausbildung dafür nicht hätte … Wir stehen uns – bei allen berechtigen Fragen, die aufgeworfen werden – mitunter selbst im Weg: innere Abläufe etc. gewinnen gegenüber dem, “was der Geist den Gemeinden sagt”. Die evangelisierende Strahlkraft und damit die Sendungsperspektive von Kirche läuft da schon Gefahr, auf der Strecke zu bleiben. Mitunter beschleicht mich der Verdacht, dass wir uns auch aufgrund unserer “Über-Organisation” schwertun, Veränderungsnotwendigkeiten zu akzeptieren, die eine “Systemveränderung” mit sich bringen.

Wenn ich an den Beginn meiner Tätigkeit als Bischof zurückdenke: einiges an Veränderungsnotwendigkeit stand an – davon war einiges “in der Luft”. Mir war eigentlich von Anfang an klar, dass – will ich Kirche in ihrem Wesen ernstnehmen – es nicht nur um “Kosmetik” in manchen Organisationsabläufen etc. gehen kann. Beim ersten großen Referat vor den Pfarrern unserer Diözese im Herbst 2015 habe ich von manchen Punkten gesprochen, die dann in den Begriff “Perspektivenwechsel” gefasst wurden[1], also Bekehrung um ein geistliches Wort zu gebrauchen. Was nutzt es, wenn zwar Reglements verändert werden würden, deren Sinn und Stoßrichtung, vor allem aber jene die dem entsprechend leben sollen nicht im Blick sind? Andererseits: nur “Geistliches” zu betonen würde Gefahr laufen, die Realität aus dem Blick zu nehmen. Kirche ist eben eine Wirklichkeit, die beides in sich vereint: Geistiges und “Handfestes” sozusagen. Und wir wagten uns dann ab 2016 verstärkt daran, Veränderungsschritte anzupacken. – Es ist daraus nicht nur ein schneller Prozess mit vielen damit verbundenen Risiken geworden, auch deswegen, weil uns dabei deutlich wurde, wie viel an Inhalten zu bedenken sind, sondern auch einer, der wohl noch Jahre brauchen wird, um wirklich unser Verständnis von Kirchesein von innen heraus umwandelt und erneuert. – Da wir eine sehr gut strukturierte Kirche sind, wählten wir den Weg über die Entfernung einer Struktur – die des Dekanats als einer Ebene, die im Leben der Christgläubigen unserer Diözese ohnedies nicht “besonders verankert” war – um dadurch gegebenenfalls die Frage – neu – aufstehen zu lassen, von der wir uns in der Seelsorge ohnedies leiten lassen müssten: “Was willst du, Gott, von der Kirche von Graz-Seckau am Beginn des 21. Jahrhunderts. Dass ohnedies in der Vorbereitung auf unser Diözesanjubiläum 2018 noch unter meinem Vorgänger bekanntgegeben wurde, dass es an dessen Schluss einen “Kompass” geben werde, wie wir uns als Kirche verstehen, “erleichterte” den Start. Freilich muss ich sofort ergänzen: die Dynamik, mit der manches losging, konnte ich nicht erahnen, auch weil wir für die einzelnen Schritte versuchten möglichst viele einzubinden.

Klar war von Anfang an und auch kommuniziert, dass wir diese Wege in Übereinstimmung mit der Weltkirche gehen – es ist ja leichter, einzufordern, dass “die anderen” sich ändern müssen ehe ich Bereitschaft hierzu zeige. Die Referate vor den Pfarrern und anderen in der Seelsorge und im Ordinariat Angestellten jeweils zu Beginn des Arbeitsjahres in den kommenden Jahren machen diesen Suchprozess deutlich[2]. Deutlich wurde dabei auch, dass wir in unserem Leben von Kirche Gefahr laufen, von Bildern angeleitet zu sein und zu werden, die wir nicht abgleichen – in der Umsetzung so mancher Überlegung unserer diversen Prozesse, die gestartet wurden, kam dies mitunter deutlich zum Vorschein. –

An diesem Punkt komme ich wieder auf die vorliegende Instruktion zurück: Könnten diese grundsätzlichen Fragen nicht auch auf die Rezeption derselben in unseren Breiten Auswirkung haben? Dass wir etwa – um es vereinfacht zu sagen – konkretes kirchliches Leben vor Augen haben und ein solches gewohnt sind, daher aber auch meinen, dass “ohnedies alles in Ordnung” sei, sich die Welt halt immer weiter weg vom Christsein entwickle etc. – Die Frage, ob denn wir innerhalb einer sich rasant verändernden Gesellschaft das eine oder andere an uns ändern sollten, stellt sich in einer solchen Sichtweise eigentlich nicht unbedingt im Vordergrund: Bekehrung fällt eben schwer, ist aber notwendig, weil dies Grundhaltung jedes getauften Menschen sein soll.

[1] https://www.katholische-kirche-steiermark.at/portal/dioezese/dioezesanleitung/bischofwilhelmkrautwaschl/bischofspredigten/article/2717.html

[2] vgl. u.a. 2018: https://www.katholische-kirche-steiermark.at/portal/dioezese/dioezesanleitung/bischofwilhelmkrautwaschl/bischofspredigten/article/2499.html

instruiert werden – IX

9. Leib Christi

Eines der wohl bekanntesten biblischen Bilder für “Kirche” ist das vom “Leib Christi”, das der Völkerapostel Paulus in manchen seiner Schreiben und in unterschiedlicher Akzentuierung eingebracht hat (vgl. Röm 12; 1Kor 12-13; Eph 5). Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Glieder am Leib ist in allen “Versionen” von Bedeutung: jedes hat spezifische Aufgaben zum Gelingen und Leben des Ganzen. Und gerade deswegen ist nicht eines “besser” als ein anderes – vor allem in 1Kor wird darauf Wert gelegt; auch die Instruktion weist darauf hin, etwa in 28: nur so erstrahlen die unterschiedlichen Berufungen etwa der geweihten Amtsträger oder auch der verschiedenartigen Charismen im rechten Licht.[1]

Unterschiedliche Begabungen – ein Leib. Unterschiedliche Aufgaben – ein Leib. In Kapitel V. – der Abschnitt über die Heiligtümer darin ist für mich eher ein Fremdkörper auch im Gedankengang und (!) nicht im eigentlichen Fokus der Instruktion stehend, die ja von der – missionarischen – Sendung der Pfarre handelt. Im Zusammenhang wird hier freilich ausgesagt, dass die unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungsräume von Kirche in einer Pfarre – um im Bild zu bleiben – als “Leib” füreinander berufen sind und daraus (!) die missionarische Dimension der Kirche erwächst. Welch anderes Bild wir doch als “Leib Christi” mitunter auf den verschiedenen Ebenen von Kirche abgeben![2] Gerade deswegen scheint das Wort von der “pastoralen Umkehr”, das programmatisch über der Instruktion steht, ins Leben umzusetzen zu sein, indem sich die Pfarren verstehen als Gemeinschaften von Gemeinschaften – Christen sind eben davon geprägt, füreinander zu leben: Inklusion als Stichwort wie auch die Zuwendung zu jenen, die ihre Nähe besonders brauchen, werden von der Instruktion als Beispiele angeführt.

Noch einmal wird in diesem Kontext deutlich: es geht der Instruktion in diesem Abschnitt ganz sicher nicht darum, die innere Aufbauorganisation der Einheit “Pfarre” zu beschreiben, sondern ihre Berufung aus verschiedenen Blickwinkeln zu benennen. Und daher auch: könnte dann nicht auch ein solcher Blick angebracht sein als Verstehensschlüssel für die rechtlichen Normierungen, die im Anschluss aneinandergereiht werden? Um es etwas konkreter zu fragen: wenn also von “pastoraler Umkehr” gesprochen wird, dann gilt es, diese auch von jenen zu leben, die einen Dienst in der Kirche, einen Dienst in der Pfarre auszuüben haben, der eben ganz und gar davon geprägt ist, die Umkehr zu Christus als dem einzigen Herrn der Kirche durch die Person der Handelnden wie auch durch die einzelnen Lebensvollzüge von Kirche durchschimmern zu lassen. Unter diesen Vorzeichen den Dienst des Pfarrers, des Diakons etc. zu leben mit eben diesen Rahmenbedingungen des (Kirchen-)Rechts wie auch der “pastoralen Umkehr”: dies zu buchstabieren, mehr noch zu leben und in die Tat umzusetzen und damit einen Weg jenseits der üblichen Fragestellungen danach, wer denn nun “der Mehrere” ist – wäre das nicht allemal lohnend, anzudenken oder als Möglichkeit in Betracht zu ziehen? Dort, wo ich in den letzten Jahren solche Gedanken in meinem Auftrag als Bischof zu äußern versucht habe, ist eigentlich deutlich geworden, wie schwer ein solcher “Perspektivenwechsel” fällt, sind wir doch alle zutiefst – auch in der Kirche – geprägt vom einfachen schwarweißmalerischen “0ben” und “unten”, “links” und “rechts” und bleiben vielfach bei der lähmenden Frage stecken – um es an einem Beispiel deutlich zu machen: “Wer darf wem was anschaffen?”[3]

[1] Wie sehr doch in diversen Debatten vor allem im deutschen Sprachraum dem nicht entsprochen wird, mitunter sogar der Eindruck erweckt wird, dass “Laien” den geweihten Amtsträgern nur gegenüberstehen und daher sich auch zwischen diesen Gruppierungen ein “Machtkampf” abspielt. Ganz abgesehen von der bei uns noch mehr zugespitzten Erfahrung, dass wohl vielfach dieser zwischen den hauptamtlich in der Kirche angestellten Laien und den hauptamtlich tätigen geweihten Diensten ausgetragen wird, bleibt zu ergänzen, dass dies wohl auch Ausfluss einer Art Kirche zu leben darstellt, die nicht dem entspricht, was das Bild vom “Leib” andeutet und vorgibt – die Erfahrung von Machtausleben [geistig, geistlich, physisch, …] zeugt leidvoll davon. Die Erfahrung in anderen Kontexten ist aber auch zu nennen – in den Tagen, in denen ich diese Zeilen niederschreibe, lese ich gerade ein Interviewbuch (Andrea Riccardi: Alles kann sich ändern. Gespräche mit Massimo Nori, Würzburg 2018) und finde dort eine Passage, die den Gründer der internationalen Bewegung Sant’Egidio sagen lässt (47f.): “Wir dürfen den Klerikalismus aber [..] nicht durch eine Art Syndikalismus der Laien ersetzen. […] Ich bin davon überzeugt, dass die Welt so groß ist, dass ein Laie, wenn er Verantwortung übernehmen will, dies auch tun kann; zwar kann er die Pfarrei, die schließlich allen gehört, nicht für sich allein in Anspruch nehmen, aber er kann sehr viel tun. Das Problem sind nicht die Ämter; es ist keine juristisch-administrative Frage. Die eigentliche Frage ist das Evangelium: dass es wächst, verkündet wird, lebendig und wirksam wird. Ein Laientum, das vom Geist des Evangeliums durchströmt ist, lässt die Kirche wachsen. In einem so weiten und lebendigen Panorama erhalten auch die Ämter eine neue Gestalt. Vielleicht entstehen sogar neue. Aber auch das Amt des Bischofs verändert sich.”

[2] Wenn ich das hier so niederschreibe, dann soll damit keineswegs Fehlverhalten von wem auch immer toleriert werden, aber eben auch deutlich gesagt werden, dass wir im “Normalfall” davon ausgehen dürfen und sollen, dass die Jüngerinnen und Jünger Christi sich allesamt redlich darum mühen, in den Fußspuren Jesu zu leben, um so ihren persönlichen Weg, ihre persönliche Berufung im Christsein zu entdecken.

[3] Dass diese Frage alles andere als nebensächlich ist, ist doch diese in einem Dienstverhältnis eine nicht zu unterschätzende, sei nicht außer Acht gelassen. Die Art und Weise ehrlichen Umgangs miteinander und eben nicht bloß das eines dienstlichen Gegenübers kann dennoch auf der Strecke bleiben …
Deutlich wird eine solche tiefsitzende Einstellung unter anderem auch in den COVID-Lockerungen, die derzeit in Österreich gelebt werden: auf der einen Seite wird auf die persönliche Verantwortung füreinander Wert gelegt, auf der anderen Seite entsteht mitunter der Eindruck: alles, was nicht verboten ist, ist erlaubt – die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich in einem solchen Denken dann gar nicht oder nur schwer, ganz abgesehen von der Farce, deren Zeugen wir sind, dass dann sofort Rechtsfragen gestellt werden, die Verordnungen und deren Rechtmäßigkeit anzweifeln. – In der ersten Phase der Regelungen für Gottesdienste hatte auch ich ein ähnliches Erlebnis: die Priester verlangten nach den ersten Maßnahmen vor dem großen lockdown am 16. März klare und genaue Vorgaben. Diese wurden erfüllt – noch am Abend der Aussendung hat schon der erste Pfarrer nachgefragt, ob denn das mit der Verschiebung der Firmung wirklich Geltung habe …

instruiert werden – VIII

8. und noch einmal was zu “Pfarren”

Diese Zeilen schreibe ich am Gedenktag des hl. Ignatius von Loyola, der die Kunst der “Unterscheidung” lebte und “lehrte”. Vereinfacht gesagt gilt bei ihm unter anderem: “Versuche auf alle mögliche Art und Weise die Meinung des anderen zu retten.” Denn: es gilt zunächst im Dialog wirklich, den anderen verstehen zu lernen – wie oft redet man eigentlich aneinander vorbei wiewohl man dieselben Begriffe verwendet und es kommt da und dort auch vor, dass man sich trefflich streitet und schließlich entdecken muss, dass man mit unterschiedlichen Begriffen hantiert, aber weitestgehend dasselbe meint … Viele Stellungnahmen zur vatikanischen Instruktion – in den letzten Tagen wurde ich erneut auf weitere aufmerksam gemacht[1] – sind nicht frei von diesen Fragestellungen, die m.E. mal auf der Meta-Ebene so manche Begrifflichkeit klären müsste.

Nun denn: ich möchte noch einmal – kurz wenigstens – bei dem verweilen, was wir als “Pfarre” bezeichnen. Die Ausdifferenzierungen und unterschiedlichen Herausforderungen verschiedener Gegenden wie auch der Menschen, die sie bilden, habe ich im 7. Beitrag schon kurz geschildert. Hier möchte ich daher einige Konsequenzen beleuchten, die sich daraus – auch für ein rechtes Verstehen und Anwenden der Instruktion ergeben.

a, Es werden inhaltliche Kriterien dessen benannt, was Pfarre meint – unter dem besonderen Blickwinkel des missionarischen Auftrags und der Sendung der Kirche insgesamt.
Wenn ich dies wirklich ernst nehmen und mit diesem Blickwinkel die Instruktion lese, dann sind rechtliche Normen, die vielfach in den späteren Abschnitten in Erinnerung gerufen werden, unter diesem inhaltlichen Aspekt zu lesen. Als ich das Dokument erstmalig gelesen habe, musste ich mir diesen Blick angewöhnen, um dies nicht mit den Augen, mit denen ich üblicher Weise in unserer Breite “Pfarre” verstehe und interpretiere zu hören und zu verstehen. Bei uns sind ja oftmals eher Größe, juristische Abläufe, Organisation usw. und damit andere Kriterien im Vordergrund als das Leben und dessen Ausrichtung – Strukturen dienen aber dem Leben [“form follows function”]. Daher mein “Verdacht”, den ich nicht loswerde: redet die Instruktion inhaltlich wirklich vom selben, was wir üblicher Weise mit “Pfarre” verbinden? Und: sind wir bereit, “Pfarre” nicht nur unter dem rechtlichen Aspekt, sondern auch von der Lebendigkeit der Sendung her zu “definieren” und zu denken, wo wir ja (s.o. 7.) auch eingestehen müssen, dass “Pfarre” eben nicht gleich “Pfarre” ist?!

b. Ein inhaltliches Kriterium für das, was Pfarre ausmacht ist die Feier der Eucharistie – schon zu Beginn der Instruktion wird damit die Entwicklung begründet; auch in 22 wird davon gesprochen. Daraus wiederum eine Ordnungsstruktur abzuleiten ist nicht entsprechend, da zum einen auch heute schon Pfarren existieren, in denen an mehreren Orten Eucharistie regelmäßig an Sonntagen gefeiert wird – geschichtlich Gewordenes kann eben auch nicht einfach ignoriert werden [und Pfarren sind eben – rechtlich betrachtet – eine Institution, die entstehen und daher auch wieder vergehen kann]. Zum anderen ist dies auch deswegen nicht angebracht, weil damit auch gesagt werden könnte, dass eben Pfarrterritorien-Umschreibungen sich lediglich an der Priesterzahl orientieren sollten – gibt es keine Priester, so kann nicht Eucharistie gefeiert werden: eine solche Sicht von Kirche scheint mir in der Instruktion keineswegs intendiert.
Wenn also solche inhaltliche Kriterien nicht ausreichen, um eine Institution zu begründen, dann kann und darf man sich auch nicht wundern, wenn dann Normen, die sich auf die institutionelle Ebene beziehen, nicht in allem entsprechen können.

c. Schließlich: wenn Kirche immer “mehr” ist als die konkrete Gemeinde “vor Ort”, ist doch die Orts- bzw. Teilkirche “Kirche” im Vollsinn – und dies wiederum “nur” in Beziehung mit der ganzen Welt, ist wohl ein Kriterium für “Pfarre” jenes, nicht sich allein zu genügen. So wie wir Christen nicht aus uns selbst leben, sondern von IHM her und auf IHN hin, so lebt Pfarre auch nicht aus sich selbst, sondern aus der lebendigen Beziehung zu Gott und untereinander (vgl. LG 1). Durch zu starr angewendete Normierungen läuft die Lebendigkeit des Gemeinwesens “Pfarre” Gefahr, zu erstarren in einer Art “Beamtenmentalität”, die aber der Bekehrung bedarf, soll die Instruktion ernst genommen werden. Freilich: das Bild, das wohl viele mit “Pfarre” in Verbindung bringen ist, dass vor Ort alle “religiösen Grundbedürfnisse” gestillt werden können und sollen – und schon deswegen ist es leider oft der Fall, mitunter sogar in räumlicher Nähe ob der in städtischen Milieus üblicher Weise auftretenden größeren Anonymität, dass ein “darüber hinaus” denken und leben verschiedener Pfarren vielfach nicht einfach gelebt werden kann: “Liebe die Pfarre deines Nächsten wie deine eigene” ist eine leider (!) nach wie vor viel zu wenig erfahrene Realität[2], da mit der “Institution” “Pfarre” – berechtigter Weise – auch viele Erwartungen einhergehen und eingefordert werden.
Mit anderen Worten: wie das Leben vor Ort “organisiert” wird und damit das Leben in den unterschiedlichst ausgestalteten Pfarren, kann höchstens durch einen Rahmen gewährleistet werden. Die Instruktion kann nur diesen abgeben, da sie sonst die Lebendigkeit und Formbarkeit dessen, was Pfarre ist und heißt, zu wenig ernst nehmen würde.

[1] Felix Gmür (Basel): http://www.bistum-basel.ch/Organisationsentwicklung-Pastoralraume/Besonnen-weitergehen.html
Reinhold Nann (Caraveli, Peru): https://www.katholisch.de/artikel/26367-bischof-nann-instruktion-trifft-nicht-fuer-alle-ortskirchen-gleich-zu
Beniamino Kardinal Stella (Kleruskongregation): https://www.katholisch.de/artikel/26355-kardinal-stella-vatikan-instruktion-soll-fokus-auf-eucharistie-lenken
Paul Josef Kardinal Cordes: https://www.katholisch.de/artikel/26354-kardinal-cordes-verteidigt-vatikan-instruktion-und-kritisiert-bischoefe
Wolfgang Ipolt (Görlitz): https://www.katholisch.de/artikel/26352-ipolt-instruktion-zielt-nicht-auf-alleinherrschaft-des-priesters-ab
Thomas Sternberg (ZdK): https://www.katholisch.de/artikel/26348-sternberg-haelt-vatikan-instruktion-fuer-realitaetsfern
Albrecht von Croy: https://www.katholisch.de/artikel/26371-laien-sollten-sich-vertrauen-nicht-erst-erarbeiten-muessen
Thomas Schüller: https://www.katholisch.de/artikel/26374-schueller-zu-vatikan-dokument-papst-sendet-staendig-doppelbotschaften
Stefan Oster (Passau): https://youtu.be/AFmONvf5AFU
Burkhard Jürgens: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/wie-es-zur-neuen-vatikan-instruktion-gekommen-ist
Martin Zumbült: https://www.kirche-und-leben.de/artikel/neuer-wein-in-alten-schlaeuchen

Darüber hinaus etwa: Otto Friedrich: Die unheilige Herrschaft, in: Die Furche Nr. 30(2020), 1; und dazu die Leserbriefe in Nr. 31, u.a. von Bernhard Körner: Ungerecht. Polarisierend, in: Die Furche Nr. 31(2020), 16.
Was um Jesu willen zu verändern wäre, Gespräch zwischen Otto Friedrich und Julia Knop, in: Die Furche Nr. 31(2020), 3f.

Mittlerweile (1.8.2020) ist auch die deutsche Übersetzung der Präsentation und damit Zusammenfassung der Instruktion [http://www.clerus.va/content/dam/clerus/Dox/Istruzione2020/Instruktion_Pr%c3%a4sentation_DE.pdf] durch die Kongregation wie auch das Dokument selbst [http://www.clerus.va/content/dam/clerus/Dox/Istruzione2020/Instruktion_DE.pdf] als pdf-file erhältlich.

[2] vgl. den für mich erhellenden Artikel von Sander Hans-Joachim: Pfarrverbände – den Pfarrer oder den Glauben teilen? in: Österreichisches Liturgisches Institut (Hg.): Heiliger Dienst 67(2013) Nr. 1, 43-49, in dem er deutlich macht, dass es eben nicht darum gehen kann, um beim Beispiel zu bleiben, den “Pfarrer zu teilen”, sondern “den Glauben”.