Wage zu träumen XLVIII

Corona-Impfung – ja oder nein?

Ich wurde öfter gefragt, wie ich es mit der Corona-Impfung halte. In meiner Einschätzung trägt mich Zweierlei: Mein Glauben, der mir Zuversicht gibt, dass Gott uns das schenkt, was uns hilft. Das können auch Impfungen sein – viele sehen dies an ihrem eigenen Impfpass. Deshalb verrate ich schon jetzt – ja, ich werde mich impfen lassen, wenn ich laut Impfplan dran bin. Und bis zu diesem Tag: regelmäßige Tests – wohl wöchentlich.

„Hier geht es um deine Gesundheit, dein Leben, aber auch um das Leben der Anderen.“ Dieses Zitat ist nicht von mir, sondern von Papst Franziskus. Er sagte das Anfang Jänner bei der Ankündigung, sich selbst impfen zu lassen, was am 14. Jänner passiert ist. In seiner Entscheidung stützt sich der Papst auf die Glaubenskongregation und auf die bioethischen Richtlinien „Dignitas Personae“, die 2008 vom Vatikan veröffentlich wurden. Laut der Glaubenskongregation müsse die Impfung jedenfalls freiwillig sein. Für das Gemeinwohl sei es freilich überaus wichtig, die Impfung zu nutzen. Wer das ablehne, habe die Pflicht zu verhindern, das Virus zu übertragen und andere zu gefährden.

Das Institut für Anthropologie und medizinische Bioethik der österreichischen Bischofskonferenz hat sich ebenfalls mit der Corona-Impfung beschäftigt und teilt die Einschätzung des Vatikans, was die moralische Akzeptanz der Impfstoffe und das Verhindern einer weiteren Verbreitung des tödlichen Virus betrifft.

Für Unsicherheit sorgt die neue Impftechnologie einiger Impfstoffe, die allerdings gar nicht so neu ist. Der mRNA-Impfstoff enthält einen Bauplan für ein Protein, dass der Körper herstellt und damit die Viren inaktiviert. Derartiges gibt es seit vielen Jahren in der Krebstherapie. Ein Vektorimpfstoff enthält inaktive Virusteile, die den Körper zur Bildung von Abwehrpartikeln anregen. Dieses Verfahren gibt es seit Jahrzehnten zum Bekämpfen verschiedenster Infektionskrankheiten. Beide Verfahren sind bewährt, beide Impfungen wirken. Langzeitstudien gibt es keine – so wie bei jedem neuen Pharmaprodukt.

Ich kann also aufgrund der aktuellen Faktenlage keine Nachteile bei der Corona-Impfung erkennen. Ich werde mich impfen lassen. Vielleicht hilft Ihnen das bei Ihren Überlegungen.


Zur weiteren Lektüre:

a. Meldung zum 20-Punkte-Plan des Vatikans zur COVID-Impfung: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-12/vatikan-impfplan-kommission-corona-covid-akademie-leben-note-20.html

b. Note der Glaubenskongregation, die in a. erwähnt wird: https://www.vaticannews.va/de/vatikan/news/2020-12/vatikan-glaubenskongregation-impfung-corona-moral-abtreibung.html

c. in der Kleinen Zeitung ein Kommentar (4.1. S. 10), wie das wohl vielfach in der Gesellschaft aufgefasst wird

d. Originaltexte der vatikanischen Dokumente von a. und b.: http://www.academyforlife.va/content/pav/it/eventi/vaccines-vaccini-accademia-e-ihd.html

e. IMABE: https://www.imabe.org/bioethikaktuell/einzelansicht/covid-19-impfstoffe-vatikan-haelt-einsatz-fuer-moralisch-akzeptabel

Wage zu träumen XLI

Zusammenhalt ist gefragt

Die Impfstoff-Entwicklung der letzten Monate machte deutlich, wozu doch die Menschheit, wenn sie wirklich sich geeint weiß und dem entsprechend vorgeht, fähig ist! Grandios, was da an Wissen zusammengetragen wurde und wird, um möglichst rasch Impfungen und Medikamente gegen COVID19 zu erhalten.

Könnte dieses Miteinander nicht auch auf anderen Gebieten zu einem neuen Verständnis von Menschheit führen, einem, das zukunftsfähig ist? Doch: neben dieser Realität gibt es eben auch noch andere:

  • Kriege wurden auch 2020 geführt – und ebenso werden weiterhin Waffen produziert und in der ganzen Welt damit „Geschäft“ gemacht
  • Terror hat sich auch 2020 nicht abgemeldet – und ereignete sich praktisch vor unserer Haustür
  • -zig Millionen Menschen sind auf der Flucht, vielfach im eigenen Land, vielfach in alles andere als reichen Ländern, aber eben auch in Richtung Europa
  • gegen die drohende Klimakatastrophe wird es keine Impfung geben
  • Zunahme (?) an Gleichgültigkeit – Papst Franziskus wird nicht müde diese da und dort anzuprangern

Ich glaube, jede und jeder, der/die das liest, könnte viele weitere Fragestellungen hinzufügen ohne wohl lange nachdenken zu müssen. Einfache Antworten wird es wohl nicht geben – gemeinsames Voranschreiten aber wäre mit einer ähnlichen Anstrengung sicherlich hilfreich. Das Vertrauen, dies selbst zu leben und dies Verantwortungsträgern in unserer Welt in Erinnerung zu rufen, habe ich allemal …

Wage zu träumen – XL

Abstand halten

Immer wenn ich meine Stopp-Corona-App am Morgen wieder in Betrieb nehme und meinen bislang immer möglichen Eintrag „keine Symptome“ anklicke erscheint das Wort vom „Abstand halten“. Es wurde zu Beginn der Pandemie dann mit einem englischen Begriff eigentlich falsch interpretierend in unsere Sprachwelt übertragen: „social distancing“ meint nicht so sehr physisch Abstand zu halten, sondern sich von größeren Menschenansammlungen real fernzuhalten.

Die Beziehung darf und kann nicht in den „Lockdown“ gehen, sie müssen – anders zwar und daher auch mit anderen Mitteln – gelebt werden. Weil der Mensch eben ein soziales Wesen ist. Gerade deswegen schmerzen die Beschränkungen auf diesem Gebiet sehr – ich denke an die Kunst und alles, was mit Kultur zusammenhängt; ich denke an die gemeinsamen Feiern – ob im Familienkreis oder auch in gottesdienstlichen Zusammenkünften; ich denke an die sehr eingeschränkten [aber diese gibt es wenigstens!] Besuchsmöglichkeiten in Krankenhäusern und Pflegeheimen etc. Ich denke auch an die vielen Ideen, die in den letzten Monaten umgesetzt wurden, um die räumliche Nähe zu überwinden: eine Videokonferenz oder ein Videotelefonat könnten eine persönliche Begegnung mit der Möglichkeit den ganzen Menschen in seiner „Sprachwelt“ wahrzunehmen nicht ersetzen, ermöglichen aber dennoch so manches an gemeinsamem Beraten und auch Entscheiden. Ich denke auch an meine Mutter – mittlerweile 90 Jahre alt lebt sie im Pflegeheim in Gleisdorf: als nach dem ersten Lockdown Besuche im Freien ermöglicht wurden, teilte sie uns Kindern mit, ja nicht auf die Idee zu kommen, sie zu besuchen, denn im Freien und auf die Entfernung können sie uns nicht hören bzw. verstehen. Wir sollten sie lieber anrufen – unsere Gesichter kenne sie ohnedies … Auch die Stimme zu vernehmen kann so manche Distanz überwinden (helfen).

Ja: es wäre fatal, wenn es einen Beziehungs-Lockdown gäbe! Gerade deswegen ist es notwendig und damit Not wendend, kreativ zu werden, um Nähe zum Ausdruck zu bringen, die zum (Über)Leben gebraucht wird!