Kanjirapally und seine Entwicklung

‘s ist schon interessant: Schon bei der Gründung der syro-malabarischen und mit Rom unierten Diözese Kanjirapalli (https://kanjirapallydiocese.com/) in den 70igern des vergangenen Jahrhunderts war dem Bischof klar, dass einer der wichtigsten Aufträge in der Evangelisierung Joh 10,10 ist. Und gerade deswegen hat er sogleich begonnen, auf nicht Profit hin ausgerichtete Organisationen zu gründen, die hier im Staat Kerala möglich sind: vom Gewinn sind an die 85% für gemeinnützige Zwecke zu “re-investieren”, der Rest kann für die Verwaltung aufgehen. Mittlerweile haben sich MDS (Malanadu development society) und PDS (Peermade development society) zu ganz schönen Firmen herausgemausert, die mit -zig tausend Familien und da wiederum vor allem Kleinbauern zusammenarbeiten. Während es der ersten Gründung um Honig und Milchprodukte geht – mittlerweile mit wohl mehr als 500 Mitarbeitern, werden in den 18 Departments der PDS mit knapp 450 Mitarbeitenden und weiteren rd. 200 in der von PDS geführten medium school, die vom heutigen Bischof Mathew Arackal gegründet wurde, als er Pfarrer in den “high ranges” gewesen ist und sich, zeitweilig mit den tribles auf Bäumen wohnend, Gedanken über mögliche Entwicklungsschritte gemacht hat für seine Gegend in den hoch aufragenden und durch viele Täler gekennzeichneten Teil Keralas.

Wenn es stimmt, was wir umgerechnet haben – in Indien wird ja teilweise anders in den großen Zahlen gezählt als bei uns – setzen die MDS und die PDS organic spices factory beinahe unser Diözesanbudget um. Wir haben in den vergangenen Tagen die MDS-Zentrale und die PDS-Zentrale besucht: beeindruckend, was da gewachsen ist, auch an Nachhaltigkeit in der Art wie gewirtschaftet wird: so etwa arbeiten die PDS spices und tea-factory auf rein biologischer Basis, erstere gilt als die “beste” diesbezügliche Herstellerin in ganz Indien und exportiert 70% ihrer Produkte nach USA, während 80% des “orthodoxen” Bio-Tees nach USA gehen; PDS ist auch “fairtrade”-Partner. Einige tausend Familien werden hier über die Anlieferung unterstützt, ihnen wird – aus den Gewinnen – einiges an Weiterbildung ermöglicht, Wege sind verkürzt worden weil vieles “in der Gegend” erfolgt, es wird technischer support geleistet und und und … Schön, dass auf diese Art und Weise Wirtschaft zur Nachhaltigkeit beiträgt (so etwa wird in der spices-factory das gesamte Regenwasser in riesigen Pools gesammelt, gibt es Solar-Trockenanlagen etc. etc.) und viele davon auch leben können. In beiden von uns besuchten PDS-Fabriken arbeiten großteils Frauen … und und und. Natürlich: hier ist einiges gewagt worden, aber Bischof Mathew würde mit seinem bestimmten Lächeln einfach sagen: “Das haben wir so nicht geplant, das ist so geworden – und was ist Evangelisierung anderes?”

Gerade weil die PDS – im Übrigen sind wir hier 3 Tage in der “Ayurveda-Klinik” von PDS, die “Ich will, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben” sogar zum Wahlspruch gegeben hat, untergebracht. Ein, wenn auch kleines Projekt der PDS ist das vor 28 Jahren ins Leben gerufene “family care project”, das in aller Stille mittlerweile knapp 1.200 Familien zu selbstbestimmten Leben verholfen hat, und in der Steiermark vor allem rund um Knittelfeld und Graz – St.Leonhard “beheimatet” ist, Pfarren die von Pfarrer Hans Schrei begleitet werden. Bei einem Treffen mit etwa 200 derzeit betreuten Familien dieser Initiative erzählte etwa ein dankbarer Hindu, dass er mit dem Geld sich eine motorisierte Riksha kaufen konnte, mit denen er seine drei behinderten Kinder zur Schule bringen – und nebenbei als “Taxi” einem Gewerbe nachgehen kann.

Klar – und damit wird auch wieder ein Paradox dieses Landes angesprochen: hier geschieht viel Gutes an Fort- und Aus- und Weiterbildung, hier ist einiges über die Ebene der Wirtschaft an Evangelisierung ermöglicht worden, aber kaum fährt man tiefer ins Land hinein wird deutlich: die Armut ist nach wie vor vorhanden und Indien ist eben unterwegs …