Alle Beiträge von Wilhelm Krautwaschl

Bekehrung und Hinkehr zu Gott

Für meine Predigt am 3. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B) gestern in der “Anima” in Rom hatte ich folgendes vorbereitet:

  1. Das erste Wort Jesu, das bei Mk überliefert ist, lautet: “Kehrt um und glaubt an das Evangelium!” – Dieses Wort trifft so auf uns und macht damit deutlich: Leben in der Nachfolge ist ein anderer Lebensweg als der übliche, da er nicht einfach nur sagt oder weismacht: Ich bin in allem und jedem immer auf alle Fälle in Ordnung. Er ist ein herausfordernder Lebensweg, der im Evangelium als ein Weg der Nachfolge geschildert wird, der stets neu Orientierung am Meister braucht. “Mir nach!” heißt es und nicht bloß das freundliche “Komm!” – Nein, in Jesu Worten ist auch Bestimmtheit und Klarheit spürbar. Es geht um was! Mit Ihm zu sein bedeutet nicht, eine fromme Kuschelecke aufsuchen, sondern Ernstnehmen des Reiches Gottes hat einen Lebensstil zur Folge, der bemerkt wird, der anders ist – nicht nur damals, sondern auch heute.
  2. Freilich: das heißt auch Änderung des Lebensstils, bedeutet Hinwendung zu Ihm, heißt in Seine Fußstapfen treten und ernst machen damit, dass Er und niemand sonst das Sagen hat in meinem Leben. Das ist “Frohe Botschaft”, Evangelium im wahren Sinn des Wortes, eben nicht eine, die den etwa den trüben Alltag kittet, Seelenbalsam und oberflächliche Freude stiftet: Sich da hinein zu begeben, ist Gewinn für das eigene Leben! Nebenbei: Wie sonst hätten sich wohl “g’standene” Fischer so schnell und einfach dazu überreden lassen? Und: sie wurden mitten “aus ihrem G’schäft heraus” berufen, denn da drin geschieht’s!
  3. Am heutigen Sonntag dürfen wir uns eingeladen wissen – als Christinnen und Christen, als Dienstjubilare unserer Diözese, die wir einige Tage hier in der Ewigen Stadt unterwegs sind – die persönliche Berufung zu bedenken: “Du hast mich angeredet, Herr. Ich stehe in deiner Nachfolge, in deinem Dienst: Was willst du, dass ich tue?” – Und wenn ich glaube, das erkannt zu haben: “Stärke mich in der Umsetzung und in der Überzeugung, dass dies der Weg ist, der zu erfülltem Leben führt.” – Ja: Ihm zu folgen hat Konsequenzen (ich kann eigentlich nicht mehr so weiter tun wie ich es bislang gewohnt war – er lädt mich ein, “neues” zu fischen.) und ruft zu Veränderungen, ruft zur Hinkehr zu IHM mit allem, was mir möglich ist. Dies nicht um der Veränderung willen, sondern weil wir im ehrlichen Umgehen mit dieser Welt heute andere Antworten auf die erwähnte Frage finden als noch vor 20, 30 Jahren.
  4. “Was willst du, Herr, dass ich tue?” – “Folge mir nach mit deinem Willen, deinem Wollen, deinem Denken, deinem Reden, deinem Handeln” – und das in einer konkreten Gemeinschaft (jeder zwar für sich und ganz persönlich, aber eben nicht allein), die wir Kirche nennen. – Pfarre, Kirche kann somit als Gemeinschaft derer verstanden werden die sich von Ihm berufen wissen: Geben wir ihm Antwort mit dem, was uns möglich ist.

Die Lesungen des Sonntags:
L1: Jona 3,1–5.10; L2: 1Kor 7,29–31; Ev: Mk 1,14–20

Auf Jesus hören und dem entsprechend leben

Am 2. Sonntag im Jahreskreis, 14.1.2018, war ich im Bischöflichen Gymnasium. Wir haben Messe gefeiert. Wir hörten dort die Lesungen: 1. Buch Samuel 3,3b-10.19; Evangelium: Joh 1,35-42 [auf dem bibleserver nachzulesen].
Und folgende Stichworte hatte ich für die Predigt vorbereitet:

  1. Die Situation, die da in 1Sam geschildert ist, gleicht in gewisser Art und Weise der Schule. Denn: hier helfen “Ältere” den Jüngeren zu entdecken, was wirklich im Leben zählt und wichtig ist. Das ist – ähnlich wie in der Lesung – manchmal alles andere als einfach. Das kann dauern. Und jede/r, der unterrichtet, jede/r der eine Schule besucht und hier Ausbildung erlebt, kann ein Lied davon singen.
  2. Ich möchte auf einen Aspekt hinweisen, der mir, weil dieser Text eben einer aus der Bibel ist, notwendiger Weise hinzukommt, wenn ich diese schöne einfache und dennoch tiefgehende Verkündigung ernst nehme. Ausbildung hat zum Ziel, zu entdecken, was Gott wirklich will von mir: “Rede Herr, dein Diener hört!” Und das ist ein Anspruch, dem sich dieses Haus seit 1830 in verschiedensten Formen stellt. Wir sind ja als Christen der Überzeugung, dass wir erst dann (!) wirklich unser Leben erfüllt leben, wenn wir dem Willen Gottes in unserem Leben entsprechen. Es nicht nur einfach dahinleben, Tag für Tag gleichsam “abspulen” und dann halt das Dasein hier auf Erden auch irgendwann einmal beenden. Nein: wir sagen, weil wir uns als Abbilder Gottes verstehen, dass unser Leben dann gelingt, wenn wir Seinem Willen entsprechend unsere Welt gestalten. Das ist die Botschaft, die von Anfang an die Bibel durchzieht. Da der Mensch immer und immer wieder auf andere, neue Ideen kommt, ist die Bibel mehr und mehr mit solchen Erzählungen über Begegnungen mit Gott “voll geworden”, um diese zu bewahren und uns je neu in Erinnerung zu rufen. Letztlich und unüberbietbar war es dann Jesus, der deutlich gemacht hat, was das Leben eines Menschen wirklich ausmacht.
  3. Wenn wir also “gebildet” sein wollen, dann heißt es, auf Jesus zu schauen, auf Ihn zu hören und daher wie ER zu leben, Seine Worte ernst zu nehmen und dem entsprechend zu leben. Was auch immer Euch hier im B. Gymnasium zu lernen angeboten wird: genau das steckt dahinter. Also: hören wir auf Jesus, nehmen wir seine Worte ernst und leben sie – und erzählen davon!

 

Frieden für alle

Der Neujahrstag ist seit 51 Jahren in der Katholischen Kirche auch der “Weltfriedenstag”. Anlass genug für mich, in meiner Predigt im Karmel am Heiligen Berg in Bärnbach Ausschnitte daraus zu verkünden:

  1. Der weihnachtliche Friede ist eine Sehnsucht, die sich gerade heute (!) in unserer Welt auf verschiedenartigste Weise Bahn bricht. Wir können nicht anders als am heutigen Fest die “Königin des Friedens” darum zu bitten; wir können nicht anders als dies am heurigen Weltfriedenstag gerade angesichts all derer rund um den Erdball zu betonen, denen “Friede” fehlt. Schon der hl. Johannes Paul hat gemeint: “Wenn viele den „Traum“ von einer Welt des Friedens teilen und der wertvolle Beitrag von Migranten und Flüchtlingen geschätzt wird, dann kann die Menschheit mehr und mehr zur Familie aller und unsere Welt zum wahren „gemeinsamen Haus“ werden.” Ich möchte daher auch heuer diesen Ort und diese Predigt nutzen, um Ausschnitte aus der Botschaft zum Weltfriedenstag unserer Papstes Franziskus mir selbst und jeder und jedem hier mitzugeben, die ganz dem Thema der etwa 250 Millionen Migranten und mehr als 22,5 Millionen unter ihnen auf der Flucht gewidmet ist.
  2. “Die bewaffneten Konflikte und die anderen Formen organisierter Gewalt verursachen [nach wie vor] Bevölkerungswanderungen innerhalb der nationalen Grenzen und über sie hinaus. Aber die Menschen wandern auch aus anderen Gründen aus. Dazu gehört zunächst einmal der »Wunsch nach einem besseren Leben […]. Man bricht auf, um sich wieder mit seiner Familie zu vereinen, um Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten zu finden. Wer diese Rechte nicht besitzt, lebt nicht in Frieden. »Tragisch ist« darüber hinaus, wie ich bereits in der Enzyklika Laudato si’ betont habe, »die Zunahme der Migranten, die vor dem Elend flüchten, das durch die Umweltzerstörung immer schlimmer wird«. Die Mehrheit wandert auf regulärem Weg aus, während manche andere Wege verfolgen, vor allem aus Verzweiflung, wenn das Heimatland ihnen weder Sicherheit noch Zukunftsaussichten bietet und jeder legale Weg unbegehbar, versperrt oder zu langsam erscheint. – In vielen Zielländern hat sich eine Rhetorik weit verbreitet, die mit Nachdruck die Risiken für die nationale Sicherheit oder die Belastung durch die Aufnahme der neu Ankommenden betont. Dabei wird jedoch die menschliche Würde missachtet, die jedem zuerkannt werden muss, weil alle Menschen Kinder Gottes sind. Alle, die – vielleicht zu politischen Zwecken – Angst gegenüber Migranten schüren, säen Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, anstatt den Frieden aufzubauen. Dies gibt allen, denen der Schutz eines jeden Menschen am Herzen liegt, Anlass zu großer Sorge. Alle Erkenntnisse, über die die internationale Gemeinschaft verfügt, weisen darauf hin, dass die globalen Migrationsbewegungen weiterhin unsere Zukunft bestimmen werden. Einige sehen sie als Bedrohung an. Ich jedoch bitte Sie, auf sie mit einem Blick des Vertrauens zu schauen, als eine Gelegenheit, eine friedvolle Zukunft aufzubauen.” Nach einer Betrachtung darüber, dass auch die endgültige Zukunft, die uns in der biblischen Offenbarung begegnet, von einer Stadt redet, deren Tore offen sind, und in die die Völker pilgern – nicht mit leeren Händen (!) – und so zu einem Zeichen des Friedens werden, fährt der Papst fort:
  3. “Um Asylsuchenden, Flüchtlingen, Migranten und Opfern von Menschenhandel eine Möglichkeit geben zu können, den Frieden, den sie suchen, zu finden, braucht es eine Strategie, die vier Handlungen miteinander verbindet: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren. – „Aufnehmen“ ruft die Notwendigkeit ins Gedächtnis, die Möglichkeiten zur legalen Einreise auszuweiten, Flüchtlinge und Migranten nicht an Orte zurückzuweisen, wo ihnen Verfolgung und Gewalt drohen, und die Sorge um die nationale Sicherheit mit der Wahrung der grundlegenden Menschenrechte ins Gleichgewicht zu bringen. […] – „Schützen“ erinnert an die Pflicht, die unantastbare Würde all jener, die vor einer realen Gefahr fliehen und Asyl und Sicherheit suchen, anzuerkennen und zu wahren und ihre Ausbeutung zu verhindern. Ich denke dabei besonders an die Frauen und Kinder, die sich in Situationen befinden, in denen sie Gefahren und Missbrauch bis hin zur Sklaverei ausgesetzt sind. Gott diskriminiert nicht […]. – „Fördern“ verweist auf die Unterstützung bei der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung von Migranten und Flüchtlingen. Unter den vielen Mitteln, die dabei helfen können, möchte ich hervorheben, wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu allen Stufen der Bildung zu garantieren. Auf diese Weise können sie nicht nur ihre eigenen Fähigkeiten weiterentwickeln und entfalten, sondern sind auch eher in der Lage, auf die Anderen im Geist des Dialogs – nicht der Abschottung und Konfrontation – zuzugehen. […] – „Integrieren“ bedeutet schließlich, es den Flüchtlingen und Migranten zu ermöglichen, voll und ganz am Leben der Gesellschaft, die sie aufnimmt, teilzunehmen – in einer Dynamik gegenseitiger Bereicherung und fruchtbarer Zusammenarbeit bei der Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen in den lokalen Gemeinschaften.”

Die ganze Botschaft kann hier eingesehen werden.