Alle Beiträge von Wilhelm Krautwaschl

Inter-Nationalfeiertag

Wieder einmal habe ich die Gelegenheit, den Österreichischen Nationalfeiertag im Ausland zu begehen. Aus der Ferne betrachtet erscheint das Eigene anders – nicht fremd, aber unter einem anderen Blickwinkel betrachtet. Mit einer Gruppe von etwa 250 Steirerinnen und Steirern begehe ich diesen Feiertag in Fatima. Bei der abendlichen Lichterprozession kommen tausende zusammen – der Rosenkranz wird in verschiedenen Sprachen gebetet. Deutsch muss gar nicht darunter sein … 

Ich entdecke das Eigene inmitten von allen: mal bete ich deutsch, mal lateinisch, dann wieder Sätze auf italienisch. Nicht im Abgrenzen bin ich, sondern im Miteinander der Hoffnungen und Freuden, der Sorgen und Leiden der vielen und meist einfachen Leuten aus unterschiedlichen Weltgegenden: Vietnam und China, Slowakei und Italien, Deutschland und Frankreich – die Liste der angemeldeten Gruppen ist lang. Und alle verbindet mehr als uns trennt: im Beten wissen wir uns vereint.  Ich bin mir inmitten der Menge aber nicht ganz sicher ob alle hier überhaupt Christen sind. So gilt: Maria, Mensch wir jeder von uns, vereint die Menschheit. Und ich als Österreicher finde darin auch meinen speziellen, meinen einmaligen Platz.  – Damit aber entsteht auch ein Bild für Österreich in mir: “… liegst dem Erdkreis du inmitten …” singen wir heute. “Ob uns das immer so bewusst ist?” Wenn ich mir da so Debatten, Gespräche, postings, … der letzten Zeit in Erinnerung rufe kommt mir manchmal eben was anderes in den Sinn als das Eingebettetsein: da stehen eher das Ich oder das Ich einer Gruppe und damit Einzel- oder Partikularinteressen im Fokus. Und dann dürfen wir uns eigentlich auch nicht wundern, dass das Leben langsam erlischt: denn Leben entsteht üblicher Weise aus Begegnung, nicht aus Abschottung. Und mitten in der Menge dann die Bitte, dass dies auch unseren Verantwortungsträgern in der Gesellschaft bewusst ist bzw. wird: es geht um alle, nicht um einzelne, es geht um Österreich und nicht um Parteien oder Parteiungen – “pars” heißt bekanntlich “Teil” … Daher ist weder bei Gewinnern Hochmut oder Schadenfreude angebracht, noch bei Verlierern ein sich verkriechen in den Schmollwinkel.

Und noch was: “… einem starken Herzen gleich …” heißt es weiter in dieser Strophe der Bundeshymne. Das Herz ist dann in Ordnung, wenn es seinen Dienst ausübt, Blut in alle Gegenden des Körpers zu pumpen. Es muss schlagen, es hat eine dienende Aufgabe im Gefüge des Leibes. – Wir haben im Rosenkranzgebet uns mehrfach daran erinnert, was denn das Leben Jesu im Innersten aufgemacht hat: er lässt uns am Leben teilhaben, indem er sich schenkt, indem er dient, indem er liebt und sein Leben hingibt. – Wir in Österreich leben (eigentlich nur dann), wenn und weil wir “leben für andere”, uns in Dienst stellen bzw. nehmen lassen für das je größere Ganze, ob es Europa oder Menschheit heißt. Wir können uns nicht raushalten oder meinen das Leben ist nur für uns bestimmt.  Wie sind berufen, gerade weil es uns – jedenfalls den Meisten – sehr gut geht, zu teilen mit jenen, die auf Hilfe angewiesen sind.  Als Brüder und Schwestern, damit alle leben können. Und wieder ein Gebet darum, dass wir unsere Verantwortung für die Not weit weg und jene ganz nah wahrhaben und wahrnehmen.  Weil es unser aller Planet ist, unser gemeinsames Haus, “oikos” eben. Nicht einfach “aus dem Auge, aus dem Sinn”, sondern ins Bewusstsein rufen, dass wir unseren Wohlstand mitunter auch auf Kosten anderer und anderer Weltgegenden leben und daher helfen, weil lieben unsere Berufung ist 

Perspektivenwechsel

Mir ist dieser Begriff immer wieder in den Mund gelegt worden angesichts der ins Haus stehenden Veränderungen in Gesellschaft un Kirche. Mit diesem könnten wir auf neue Art und Weise unseren Auftrag, in dieser Gesellschaft Kirche zu sein, verstehen und leben. Auch der Bischof von Aachen, Helmut Dieser, hat bei seinem ersten Empfang für Medienschaffende von einem notwendigen Perspektivwechsel gesprochen, freilich im Zusammenhang mit seiner Diözese …

Priestersein in Umbruchszeiten

Die Veränderungen, die nach der Synode in Trier begonnen wurden, veranlassten Bischof Stefan dazu seinen Priestern einen ausführlichen Brief zu schreiben, in dem er über die Erwartungen an den priesterlichen Dienst in einer Zeit rasanter Veränderungen und  damit verbundene Herausforderungen schreibt. Ziel ist eine Vergewisserung, was es heute bedeutet, Priester zu sein.