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Zeit aufzu(er)stehen

Eben habe ich nach einigen Monaten, in denen es auf meinem Nachtkästchen lag, das große Interview des Alt-Erzbischofs von Poitiers, Albert Rouet, fertig gelesen. 2012 erschien das ursprünglich 2009 veröffentlichte Interview unter dem Titel “Aufbruch zum Miteinander. Wie Kirche wieder dialogfähig wird” auf deutsch (ISBN 978-3-451-34156-4 ). Es ist alles andere als ein “normales” Interviewbuch, denn: es zeichnet große Linien nach und “verbindet”, ist also katholisch.
Wer Zeit hat und Lust hat Ostern, also Auferstehung ernst zu nehmen, soll sich die 200 Seiten gönnen, die den Blick weiten helfen auf eine Kirche im und für das Heute und Morgen, weil es das Miteinander und das Zu- bzw. Füreinander ins Spiel bringt wider die allseits oft aufkeimende Versuchung Macht und damit Einheitlichkeit auszuüben … Eigentlich alles selbstverständlich, was er da antwortet, aber auch Papst Franziskus hat mit “Evangelii gaudium” das Übliche neu benannt – und auf vielen Seiten kann man da Anklänge nicht leugnen.

Ostern 2015

“Wenn es Ostern nicht gäbe: Würde sich da was am Leben, an meinem Leben ändern?” Irgendwie ist mir diese Frage in den letzten Tagen da in Mürzzuschlag gekommen – ich bin in diesen Tagen hier aus Aushilfe. Klar: dann gäbe es all die Feiern und damit auch die Feiertage nicht. Aber: sonst in meinem Leben?  Die Gedanken der Predigt am Karfreitag scheinen mir da mit eigenen Worten einen Antwortversuch zu verbergen ..

Vielfach begegne ich Menschen mit Angst vor  in verschiedenen Varianten: da gibt es die Angst vor der Krankheit, denn Gesundheit (sei ja das wichtigste Gut, Angst vor Scheitern und Ungenügen, Angst vor Zerbrechen von Beziehungen usw. usf. Und  natürlich auch Angst vor dem Tod. – Nebenbei: sind nicht alle Ängste Spielformen dieser letzten? Und ist damit nicht eigentlich  Angst vor dem Leben verbunden?. Denn das Leben bekommt erst durch Tod “Gewicht”. Würde alles gleich gültig sein, wäre es erstens gleichgültig und daher zweitens auch nichts wert. Erst die Sicherheit des Sterbens macht das Leben zu mehr als bloß einem Ablauf von gewissen Sekunden und Minuten.
Durch das, was wir in diesen Tagen weltweit feiern, wird dem “Entfliehen des Todes” eigentlich der “Kampf” angesagt: das Leben ist eines “durch den Tod hindurch”. Und daher könnten wir es uns auch leisten, heute  das Leben jenseits und mit dem Tod bewusst für uns selber zu bedenken – wenn wir nach vor treten und unser Knie beugen vor einem, der dargestellt wird als am Kreuz Gehängter. Tod und Leben gehören zusammen! Und: nehmen wir das auch in unseren Alltag mit: jeder Augenblick ist kostbar! Jeder Augenblick hat es eigentlich in sich, zu einer Begegnung mit dem Ewigen zu werden!
Lassen wir daher nichts einfach nur so vorübergehen.

Neues Leben

Am Ende der “Heiligen Woche” wie die Karwoche offiziell heißt, steht das Bekenntnis zum “neuen Leben”, in das uns Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung hinein geführt hat. In den vergangenen Tagen ist mir – auch bei einem Besinnungsabend für Mitarbeitende in den Pfarren Gratkorn und Semriach – neu bewusst worden, wie sehr dieses “neue Leben” im Hier und Heute einen anderen Lebens- und Umgangsstil zeitigt- sofern wir all das wirklich ernst nehmen.

Dabei habe ich nichts anderes gemacht, als erneut intensiv und laut über das “älteste Lied” der Christenheit vor [und hoffentlich auch mit] den 30, die zu diesem besinnlichen Abend gekommn sind, nachzudenken. Es steht im Brief des Apostels Paulus zu den Philippern und hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt; es ist auch heute für mich immer wieder eine Art “Bußandacht” und Möglichkeit der Orientierung …
Hier einfach der Text (Phil 2,1-11):
“Wenn es also Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ‘Jesus Christus ist der Herr.’ – zur Ehre Gottes, des Vaters.”

Und spontan ist mir dann auch noch während der Gedankengänge gekommen: wie sehr uns doch genau das Papst Franziksus vorlebt.

Autorität lässt zu

In seinem blog hat P. Bernd Hagenkord SJ vor kurzem – zum 2. Jahrestag der Wahl von Jorge Bergoglio zu Papst Franziskus – versucht dem nachzuspüren, was unseren Papst innerlich “antreibt”, was ihn diese und nicht andere Schritte setzen lässt. Zusammengefasst – und von einem Jesuitentheologen unterstützt – meint er, dass Franziskus “Autorität” als etwas versteht, das “zulässt” … Die interessanten Gedankengänge können hier nachgelesen werden …

“Neue Priester braucht das Land”

Das was Papst Franziskus in Neapel Priestern, Ordensleuten und Seminaristen mit auf den Weg gegeben hat, ist die meines Erachtens eigentliche Not wendende Perspektive für das Amt in der Kirche. Im blog von Radio Vatikan ist die Arbeits-Übersetzung rasch verfügbar gemacht worden … Hier können diese wichtigen Worte nachgelesen werden.
Erst gestern habe ich – und des Papstes Gedanken haben mich unwillkürlich daran erinnert – mit Kollegen einen kurzen Gedankengang von Bischof Klaus Hemmerle geteilt (in: Hemmerle, Klaus: Gottes Zeit – unsere Zeit. Gedanken für jeden Tag, München-Zürich-Wien: Neue Stadt 1994, 97). Schon 1969 (!) meinte er in einem Vortrag, lange vor seiner Bestellung zum Bischof von Aachen: “Persönlich habe ich erfahren, dass ich nicht in erster Linie Priester bin und dannnachher auch noch das Evangelium zu leben habe. Neun, die Sache ist genau umgekehrt: Ich bin Christ, bin zum Evangelium berufen, und nur weil ich es ganz und radikal leben will, nur weil ich als Berufung Gott selbst habe, nur deshalb kann ich ein Zeuge für diese Wahrheit, kann ich Priester sein und das Evangelium verkünden. So darf ich nicht das Priestertum erwählen, sondern Gott allein, der die Liebe ist. Deshalb muss ich auch mit einem Ja, mit einem Danke auf das Kreuz zugehen, wie es jeden Tag auf mich zukommt.”