Alle Beiträge von Wilhelm Krautwaschl

Bischofssynode: Schlussdokument

Die sogenannte “relatio synodi” der 3. außerordentlichen Generalversammlung der Bischofskonferenz 2014  liegt nunmehr als Arbeitsübersetzung der Deutschen Bischofskonferenz vor. Sie liefert Gesprächs- und Nachdenkstoff für die ordentliche Generalversammlung im kommenden Herbst zu Fragen von Ehe und Familie: spannend, was hier alles  an Überlegungen zu lesen ist.

Nomaden im Leben – Nomaden im Tod

Nach- und sehr bedenkenswert halte ich den Leitartikel von Chefredakteur Hubert Patterer in der “Kleinen Zeitung” vom 1. November 2014 (S. 10), der anknüpft an ein “Requiemgedicht” von Marie Luise Kaschnitz auf der Titelseite dieser Ausgabe und den ich hier  Auszügen dokumentiere:

Dein Schweigen
Meine Stimme
Dein Ruhen
Mein Gehen
Dein Allesvorüber
Mein Immernochda.

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“Wir haben der heutigen Ausgabe ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz vorangestellt. Es ist der Auszug eines lyrischen Requiems, zugedacht ihrem verstorbenen Mann. Über die getrennten Räume hinweg spricht die Trauernde den Verlorenen an. Die beiden bleiben im Gespräch, der Tod hat die Liebe nicht zum Verstummen gebracht. Im Eingedenken lebt der Verblichene, das Du, fort.

Tot ist, wer nicht erinnert wird. Erst dann erlischt die Identität: der zweite Tod. Neuerdings wird auf den Friedhöfen vermehrt doppelt gestorben. Bei einem Begräbnisbesuch in der Stadt stachen billagelbe Aufkleber auf Grabsteinen ins Auge: „Grabrecht verfallen”. Offenkundig ist niemand mehr da oder bereit, die Ruhestätte für ein Gebet oder Gespräch aufzusuchen, zu pflegen und zu zahlen. “Genug gezahlt” stand trotzig auf einem Überkleber. […] Der Tod, eine lästige Last.

Das Wie-wir-Leben korreliert mit dem Wie-wir-gehen-Wollen. Der Tod als Angebot. Im Radio pries gestern eine Bestattungsfirma die Naturbeisetzung an, die in den Wind gestreute Asche. Das Ich, romantisch und ökologisch korrekt entsorgt in der Ortlosigkeit. Das liege im Trend. Zur Auswahl steht eine Salzburger Alm oder ein Stück Grün im 15. Wiener Bezirk, gleich neben einem Baum. Den könne man, wer wolle, als Trauernder umarmen. Und das große Asset: “Keine Nachfolgekosten”.

Das ist der effiziente, optimierte Tod der Effizienz-und Optimierungsgesellschaft. Sie ist befreit von jedweder Erinnerungs-, Besuchs-, Empathie- und Bezahlpflicht. Der Mensch besorgt zu Lebzeiten als Dienstleistung an die autonome Ich-Generation seine vollkommene restlose Entsorgung.

Es gibt nichts zu beklagen. Der individualistische Tod, der kein Du, kein Immer-noch-Da erwartet, ist das schlüssige Ende dessen, was ist. Die alten Zugehörigkeiten lösen sich auf, die Großfamilien wie die Kleinfamilien, Splitter fügen sich neu oder bleiben Splitter, eine brüchige, parzellierte Gesellschaft, die auf Verpflichtungsfreiheit pocht: So nennt sie der Soziologe Manfred Prisching. Nicht Ebola, der Narzissmus sei die Epidemie der Stunde. Zwar gebe es virtuelle Communitys, aber “Fußballfreunde helfen nicht bei der Pflege der Großmutter, genau-so wenig wie die 1.000 Facebook-Freunde”. Alles zerfließt. Was bleibt, ist die vernetzte Vereinzelungsmasse. Die Asche im Wind ist ihr Abbild.”

Hubert Patterer kann hier erreicht werden.

Mondiales Miteinandergehen

Wenn wir uns wirklich aufeinander einlassen miteinander voranzugehen, also den Weg der Kirche als “Synode” verstehen, dann dürfen wir uns auch nicht wundern, dass es auf diesem so manche Irritation gibt. Papst Franziskus hat es in seiner Schlussansprache bei der außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynoge entsprechend deutlich benannt, Christian Hennecke geht in seinem blog  “Synodenversuchungen” nach.

Streiten im Angesicht Jesu

Schon vor einigen Jahrzehnten hat uns Seminaristen der damalige Bischof von Graz-Seckau Johann Weber bei einer Beauftragung im Priesterseminar gebeten, doch “mehr und öfter im Angesicht Jesu” zu streiten. Unwillkürlich wurde ich an diese Aussage erinnert, als ich heute gelesen habe, dass Papst Franziskus die Streitkultur auf der zu Ende gegangenen Bischofssynode gewürdigt habe. Hier ist ihr Wortlaut auf deutscher Sprache zu lesen.

Diese “Feststellung” des Papstes passt vielen wohl nicht in ihr Weltbild, in dem es nur “für” und “wider” gibt. “Hier” die Progressiven – “da” die Konservativen, “hier” die Papsttreuen – “da” jene, die einen Weg gehen, der nicht mehr dem Evangelium entsprechen würde. Dem ensprechend wurde in den jeweiligen Medien auch zwischen “links” und “rechts” in der Kirche ausgeteilt, wurden Etiketten vergeben, wurden Sieger und Verlierer gekürt.

Gott aber ist nicht so “zweidimensional”, er ist dreifaltig. Demnach  gibt nicht nur das “entweder” – “oder” in der Kirche. Es gibt die dem Evangelium verpflichtete Lehre von der Ehe und es gibt die unverbrüchliche Treue Gottes zu den Menschen, auch wenn sie gescheitert sind. Beide Sichtweisen “dürfen”, nein “müssen” zählen, denn Gottes Sohn hat sich – ganz Gott (!) – auf die Menschheit eingelassen – ganz Mensch (!). Gerade deswegen ist es eigentlich auch zutiefst christlich, und erst Recht katholisch, wenn alle Seiten und Meinungen auf den Tisch gelegt werden. Eine Berichterstattung in bloßen Alternativen oder eine, die von “Siegern und/oder Verlierern” spricht greift letztlich zu kurz, genauso wie eine, die davon spricht, “dass die katholische Kirche die Öffnung verpasst habe” oder jene, die von einer “Revolucion Francisco” schreibt. “Weltliche” Medien und solche, die sich “kirchlich” nennen, sind davon betroffen. Und tun dies mitunter in einem Stil, der alles andere ist als dem entsprechend worüber berichtet wird: immerhin haben da in den vergangene 14 Tagen nach einer weltweiten Befragung die Verantwortungsträger in der Kirche beraten und werden sich nach intensiven Diskussionen und hoffentlich auch “Streitereien im Angesicht Jesu” im kommenden Herbst wieder zusammenfinden, um das “Evangelium im Heute” jenen Menschen zu verkünden, die den “Schatz des Glaubens in zerbrechlichen Gefäßen” (vgl. 2Kor 4,7) tragen. Diese Achtung gegenüber der Lehre und (!) den Menschen sollten allen, die synodale Wege vermitteln, Maß sein.

Demütig die sich offenbarende Wahrheit erwarten

Einiges hat sich ereignet in den 14 Tagen der außerordentlichen Generalversammlung der Bischossynode: in ihr und außerhalb der Synodenaula. Die Schlussbotschaft ist verlautbart worden, das Dokument, das wohl Grundlage für weitere Gespräche und Vertiefungen om kommenden Jahr sein wird,  wenn die ordentliche Generalversammlung zusammentritt, wird in den kommenden Tagen erwartet – zur Stunde wird noch darüber beraten. Christian Hennecke spricht in seinem Blog vieles am von dem, wie hierbei Kirche sich “neu” aufstellt.

Anteil haben am Dienst Christi

“Wir können nicht glaubwürdig von der dem Mann vorbehaltenen Priesterweihe  sprechen,  ohne  zugleich  deutlich  zu  machen,  dass  es  eine  gerechte  Teilhabe von Frauen und Männern an allen Aufgaben, auch den Leitungsaufgaben in der Kirche gibt. Alle haben Anteil am priesterlichen, königlichen und prophetischen Dienst Christi.” So schreibt Bischof Stefan Oster gegen Ende seines Vortrags über das Verhältnis von “gemeinsamem Priestertum aller Gläubigen” und dem “Priestertum des Dienstes” wie es uns das Zweite Vatikanische Konzil in der Kirchenkostitution “Lumen gentium” nahegebracht hat.

Er hat darauf in seinem fb-blog verwiesen. Der ganze Wortlaut seiner Gedankengänge, die er für mich “ganz interessant” angeht, ist hier zu finden. Stoff zum Nach-Denken … auch für die seelsorgliche Praxis.

Ideal und Wirklichkeit

Der “Zwischenbericht” der ao. Vollversammlung der Bischofssynode wurde heute veröffentlicht und wird von der kathpress oder auch Radio Vatikan besprochen. Interessant. Und auch hier ein Kommentar. … Nur offiziellen Text auf deutsch finde ich derzeit nirgendwo … Die Welt spricht halt nicht so viel deutsch – auch eine (wichtige!) Erkenntnis.

Ach ja: und dann wurde der Termin der ordentlichen Synode im kommenden Jahr heute von Papst Franziskus bekannt gegeben: 4. – 25. Oktober 2015.

Feste und Wein

Am heutigen Sonntag waren Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja und der Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus vom Gedanken des Festes und des (Hochzeits-)Mahles bestimmt. in den Predigten bei den Messfeiern in Klöch und Halbenrain wurde mir wieder mal bewusst, wie einprägsam die Bildersprache ist, die Jesus verwendet. Zugleich aber fragte ich mich, was ich selbst beitragen kann, um für dieses ewige Fest gerüstet zu sein … Denn: nur hier und jetzt habe ich Gelegenheit für Vorbereitungen dazu.

Das “Festkleid”, das ich mir hier und heute anlegen kann ist jenes des Wortes Gottes: indem ich es lebe oder zu leben versuche. So schön und einfach das klingt: es ist herausfordernd – und es gelingt alles andere als bestens. Die Sehnsucht es zu leben aber bleibt. Denn: dann lebe ich die Aufmerksamkeit, die jene brauchen, denen die Einladung zum Hochzeitsmahl im Reich Gottes  überbracht wird.

Diese Aufmerksamkeit gilt es in den Alltäglichkeiten umzusetzen: in den Begegnungen auf der Stiege im Haus genauso wie beim Kaffee in unserer WG … – bei notwendiger Kritik wie auch beim Lob von Gelungenem. Dass dies mir bei weitem nicht gelingt steht außer Frage – und damit auch täglicher Neubeginn, was mich immer wieder Hoffnung und Auftrieb schenkt.

Von Reue und anderem Interessanten

Am vergangenen Freitag war ich bei einer Jugendgruppe eingeladen. In Pischelsdorf. 25 kamen zusammen – die Idee war nach der Firmung im Mai entstanden. Die Begegnung – fast 2 Stunden – hat mir einiges zum Nachdenken aufgegeben. Worüber da so gesprochen wurde, ist auf der Homepage der Pfarre nachzulesen.

Da gab es zwischendurch mal einen langen Part, in dem die jungen Frauen und Männer einander darüber erzählten, was ihnen denn Kraft gibt im Leben. Eine Erfahrung habe auch ich beigetragen – und dann eine kurze Schlussbemerkung dazu abgegeben: In Freundschaften und Begegnungen – in der Runde vorher oftmals genannt – habe wohl auch Gott seine Hand im Spiel, denn: “Wie sonst als über solche mitmenschlichen und sinnenhaften Erfahrungen ‘spricht’ ER üblicher Weise zu uns …” – Im Nachdenken bedeutet das dann eine Art “Gewissenserforschung”. Denn: dies ernst zu nehmen heißt, Begegnungen nicht auszuweichen, heißt, sich dem jeweiligen Menschen widmen (und nicht etwa, was mir immer wieder misslängt, beim Telefonieren Emails schreiben – und da gibt es noch andere Möglichkeiten, dem Anderen bzw. der Anderen nicht gerecht zu werden) und ganz da sein für ihn, für sie – nicht an den nächsten Termin, nicht an die letzte Begegnung denken usw. Gott ernst zu nehmen ist demnach durchaus was alltäglich Herausforderndes …

Ein zweiter Gedanke begleitet mich seit Freitag: Es geht ja manchmal recht kontroversiell zu bei Lebensfragen. Auch die Bischofssynode, die heute begonnen hat, ist so ein Beispiel. Die Frage, die ich mir unter anderem stelle: Wird  bei negativen kritischen Äußerungen gegenüber Meinungen anderer durch die Art und Weise meiner Argumentation deutlich, dass ich die der anderen beteigten Person/en ernst nehme? Wie leicht es doch passieren kann, dass jemand, dessen Meinung man nicht teilt, gleich auch als Person, als Mensch “verunglimpft” wird …

Gerade weil ich mit diesen beiden Gedanken nach Hause gefahren bin und damit wieder auf Wesentliches meines Christseins, Wesentliches in der Nachfolge Jesu gestoßen wurde – Danke den Jugendlichen! – erfahre ich mich auf dem Weg in meinem Priestersein. Und unterwegs zu sein bedeutet noch nicht am Ende, noch nicht fertig sein … Und das ist durch und durch toll …