Alle Beiträge von Wilhelm Krautwaschl

Die Bischofssynode naht

Die außerordentliche Synode der Bischöfe naht. Immer wieder begegne ich auch in der virtuellen Welt dieser Tatsache. Nicht nur, dass das “instrumentum laboris”, also das Arbeitspapier, das Grundlage für die Beratungen sein wird und Zusammenfassung der weltweiten Umfrage Papst Franziskus’ ist, seit geraumer Zeit online steht. Nein: in den letzten Tagen bin ich auch über ausführlichere Stellungnahmen zweier Bischöfe gestolpert, die diese zu Themen der Synode “veröffentlicht” haben: Stefan Oster aus Passau und der Antwerpener Bischof Johann Bony. Die erstere ist über die Bistumswebsite zugänglich, auf die zweite machte die FAZ  aufmerksam – einige fehlherhaften Übersetzungen finden sich in der Denkschrift, die über die Seite der Belgischen Bischofskonferenz online gestellt wurde.
Deutlich wird nach einer ersten kurzen Lektüre für mich: Für diese Synode, die ja in 2 Teilen (2014 bzw. 2015) angelegt ist, heißt es, den Heiligen Geist zu erbitten. Denn es geht ja darum, dass der Auferstandene seine Kirche im Heute begleitet und vorantreibt – auch und gerade in den vielen Fragen rund um Ehe und Familie. Und dazu ist es nötig, dass unsere Verantwortungsträger ihre Meinung und Sicht nicht beschönigen, sie voll und ganz “in die Mitte” legen. Die beiden Bischöfe tun es im Vorfeld, es gibt wohl auch weitere, denke ich. Auf der Synode ist man dann ja in “Seinem Namen” versammelt, sprich: jeder mit seinem Blickwinkel bringt sich voll und ganz ein. Da scheint aufs erste vielleicht das eine oder andere nicht sehr kompatibel zu sein mit der Meinung anderer auf der Synode. Aber: Wenn dies in Seinem Namen geschieht, dann ist ER, der Auferstandene, der Herr, inmitten der Seinen, weil dann ER Antworten finden lässt. Die Anlage der Synode soll meines Erachtens diesem gemeinsamen Suchen nach Seiner Antwort dienen … Allein das lässt hoffen.

Kirchen-Entwicklung

In diesen Tagen bin ich wieder über einen Artikel und damit bedenkenswerte Sätze von Hans-Joachim Sander gestolpert, die ich mir ins Stammbuch für mein Priestersein und damit auch die Entwicklungen, die Kirche zu gehen hat, schreiben muss:

“Entscheidend sind nicht die Entscheidungen der Kirche über ihre pastorale Administrierung, sondern was das für die Weitergabe des Glaubens bedeutet. Die Pfarrverbände, also das Teilen des Pfarrers, sind rechtfertigungspflichtig gegenüber der Fähigkeit der Kirche, den Glauben zu teilen im Sinne von partager. Welche missionarischen Effekte lassen sich dadurch erzielen, oder welche Mission wird dadurch unmöglich? Pfarrverbände sind auch Seelsorgeräume. Entscheidend ist dabei die Identifizierung mit den Räumen. Denn Räume sind stets von mehr belebt und bewohnt als von denen, die man dabei im Blick hat. Diese Räume sind von Diskursen durchzogen und von Orten geprägt, die prekär sind, weil sie keine Utopias sind, sondern „andere Räume“ darstellen. „Andere Räume“ sind Orte, die es tatsächlich gibt und denen man nicht ausweichen kann, obwohl sie Anfragen darstellen, die selbstverständliche Ordnungsmechanismen aufbrechen und konterkarieren. Michel Foucault nennt sie Heterotopien. Es gibt sie im großen Maßstab dort, wo Menschen um die Anerkennung ihrer Würde ringen müssen. Und es gibt sie im kleinen Maßstab dort, wo Menschen in ihrem Leben von etwas durchkreuzt werden, das sie in radikal veränderte Lebensperspektiven stellt. Diese Heterotopien sind bedeutsame Orte in den Seelsorgeräumen. Wenn die Aufteilungsart der Pfarrer in einem Pfarrverband das Entdecken, Aufsuchen und Sich-Aussetzen dieser Andersorte befördert, dann passt es in die komplexe Wirklichkeit Kirche. Wenn aber das Gegenteil geschieht, dann wird diese Teilungstaktik der societas perfecta die Kirchenkrise verstärken und ihren gesellschaftlichen Abstieg beschleunigen. Den christlichen Gott glauben, setzt mit der anderen Teilungsart an, dem Teilen von Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, insbesondere der Armen und Bedrängten aller Art. Diese Teilungsart hat unseren Glauben über die Jahrhunderte hin begleitet und gestärkt. Sie wird sich auch jetzt wieder durchsetzen, aber es kann sein, dass es auf Kosten der Kirche als societas perfecta geht. Aber darauf kommt es nicht wirklich an, wenn gilt: “Versammelt im Namen des Herrn”.
In: Sander Hans-Joachim: Pfarrverbände – den Pfarrer oder den Glauben teilen?, in: Österreichisches Liturgisches Institut (Hg.): Heiliger Dienst 67(2013) Nr. 1, 43-49, hier: 49.

Priester verstehen zu feiern

Immer wieder begegne ich Menschen, die vom (ganzen) Leben der Priester nicht viel Ahnung haben. In den “Tagen geistlicher Vertiefung” mit rund 60 Kollegen aus ganz Europa in Križevci (Kroatien), nordöstlich von Zagreb, erfahre ich- wie es eigentlich immer  bei solchen Tagen der Fokolar-Bewegung der Fall ist – ist diese Art ganzheitlich gelebten Glaubens wiederum der Fall. Nicht nur Meditation und Gebet stehen am Programm, Austausch und die Feier von Liturgien, sondern auch Feste.

Am 27. August bedankten sich die hier versammelten Diakone und Priester bei don Tonino Gandolfo, der 6 Jahre lang die Gesamtverantwortung für die sog. “freiwilligen Priester” in der Fokolar-Bewegung in Rom lebte. Reisen und Besuche vor Ort  und damit die Stärkung in der eigenen Berufung für die Brüder weltweit standen genauso am Programm wie das gemeinsame Leben aus dem Evangelium mit einigen Kollegen. Das Bier kam aus Bayern, die Schweizer stellten sich mit besonderen Leckerbissen ein … Schön, zu einer solchen Gemeinschaft zu gehören!

Miteinander leben

Wirklich miteinander leben. Nicht nebeneinander. Das, was Jesus vorgelebt hat, hat er in Sein Neues Gebot gefasst: “Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe” (vgl. Joh 15,12). Und von diesem Gebot lassen sich die leiten, die in der Fokolar-Bewegung ihr Leben nach dem Evangelium ausrichten. Dies führte früh dazu, dass viele gemeinsam Urlaub machten – in den ersten Zeiten in den Dolomiten, einige hundert Menschen. Mittlerweile sind diese “Mariapoli” genannten Veranstaltungen in vielen Ländern zu Hause. Nach einem Besuch in Einsiedeln wuchs in Chiara Lubich, der Gründerin der Bewegung der Wunsch, dass es auch Städte geben möge, die auf Dauer vom Evangelium geprägt lebende Menschen in sich vereint (hier gibt es dazu genauere Informationen). Loppiano südlich von Florenz wurde die erste von bislang mehr als 30 solcher kleiner Siedlungen. In diesen Tagen bin ich mit etwa 60 Priestern und Diakonene auf Tagen geistlicher Vertiefung in Kroatien. In Križevci, “Stadt des Kreuzes” nordöstlich von Zagreb gibt des die Mariaploi “Faro” – “Leuchtturm”. In ihr leben etwa 60 Personen auf Dauer; einige kleine Betriebe (Friseur, Autowerkstätte, Pflanzen, Socken-Herstellung u.a.m.) der “Wirtschaft in Gemeinschaft” werden dort betrieben. Eine über die Grenzen bekannte Einrichtung ist der Kindergarten (“Raggio di sole”), den nach Kriterien einer auf Beziehung aufgebauten Pädagogik über 100 Kinder besuchen.

Am 27. August wurden uns die Einrichtungen der Modellsiedlung in einem Rundgang gezeigt. Nach der Mitfeier der Liturgie im östichen Ritus wurde uns am Abend noch ein Konzert geboten, in dem Gesänge der Liturgie zum Besten gegeben wurden.