Alle Beiträge von Wilhelm Krautwaschl

Ostern 2015

“Wenn es Ostern nicht gäbe: Würde sich da was am Leben, an meinem Leben ändern?” Irgendwie ist mir diese Frage in den letzten Tagen da in Mürzzuschlag gekommen – ich bin in diesen Tagen hier aus Aushilfe. Klar: dann gäbe es all die Feiern und damit auch die Feiertage nicht. Aber: sonst in meinem Leben?  Die Gedanken der Predigt am Karfreitag scheinen mir da mit eigenen Worten einen Antwortversuch zu verbergen ..

Vielfach begegne ich Menschen mit Angst vor  in verschiedenen Varianten: da gibt es die Angst vor der Krankheit, denn Gesundheit (sei ja das wichtigste Gut, Angst vor Scheitern und Ungenügen, Angst vor Zerbrechen von Beziehungen usw. usf. Und  natürlich auch Angst vor dem Tod. – Nebenbei: sind nicht alle Ängste Spielformen dieser letzten? Und ist damit nicht eigentlich  Angst vor dem Leben verbunden?. Denn das Leben bekommt erst durch Tod “Gewicht”. Würde alles gleich gültig sein, wäre es erstens gleichgültig und daher zweitens auch nichts wert. Erst die Sicherheit des Sterbens macht das Leben zu mehr als bloß einem Ablauf von gewissen Sekunden und Minuten.
Durch das, was wir in diesen Tagen weltweit feiern, wird dem “Entfliehen des Todes” eigentlich der “Kampf” angesagt: das Leben ist eines “durch den Tod hindurch”. Und daher könnten wir es uns auch leisten, heute  das Leben jenseits und mit dem Tod bewusst für uns selber zu bedenken – wenn wir nach vor treten und unser Knie beugen vor einem, der dargestellt wird als am Kreuz Gehängter. Tod und Leben gehören zusammen! Und: nehmen wir das auch in unseren Alltag mit: jeder Augenblick ist kostbar! Jeder Augenblick hat es eigentlich in sich, zu einer Begegnung mit dem Ewigen zu werden!
Lassen wir daher nichts einfach nur so vorübergehen.

Auf geht’s!

Am heutigen Nachmittag beginnt mit der sogenannten “Chrisam-Messe” im Grazer Dom die Feier der Heiligen Woche, der Karwoche. Am Gründonnerstag sind bekanntlich mehrere Inhalte zu bedenken:

  • die Feier der Eucharistie – seit dem Letzten Abendmahl ist uns ja dieses Sakrament geschenkt;
  • – damit verbunden: die Einsetzung des Amtes in der Kirche – denn: die Apostel haben mit Jesus das Letzte Abendmahl gehalten und Jesus hat ihnen den Auftrag gegeben, dies zu “seinem Gedächtnis” zu tun;
  • der Beginn des Leidensweges Jesu, der am Kreuz zunächst tödlich endet, dann aber in “neuem Leben” von Ostern erglänzt.
  • In der Frühzeit der Kirche wurden am Gründonnerstag in einer weiteren eigenen Feier auch noch die öffentlichen Büßer wieder in die Kirche aufgenommen: Ostern mitzufeiern macht deutlich, welches Geschenk jedem und jeder von uns Menschen gegeben ist!

Weil so viele Inhalte nicht in 1 Feier “Platz” haben, gab es daher früher mal 3 Messen an diesem Tag. 2 sind “übrig geblieben”, wobei die Chrisam-Messe in der Steiermark bereits am Mittwoch gefeiert wird.

Wenn ich mit vielen steirischen Diakonen und Priestern heute um 17:00 Uhr in den Dom einziehen werde, dann werden mir wohl zum ersten Mal die Firmlinge, denen ich in den kommenden Wochen begegnen werde, ganz bewusst sein. 1 berührendes Element in dieser Feier, in der die Priester ihre Versprechen bei der Weihe erneuern, ist die Weihe der hl. Öle, mit denen im kommenden Jahr landauf, landab Sakramente gespendet werden: das Öl für die Kranken, das Öl für die Taufbewerber und der Chrisam, der bei der Firmung, bei der “Tauf-Weihe”, bei den Weihen von Diakonen, Priestern und Bischöfen wie auch bei Altarweihen Verwendung findet.

Wenn ich dann in den kommenden Wochen etwa 20 Firmungen mit jungen Leuten feiern werde, dann werde ich zur Salbung jenes Öl verwenden, über das unser emeritierter Bischof gehaucht und die anwesenden Priester in einem langen Gebet ihre Hände ausgestreckt haben. Ja: bei Gott gibt es keine Zeit – und daher sind alle Firmlinge schon “ganz drin” bei mir. Und: in wenigen Wochen werden wir uns sehen!

Neues Leben

Am Ende der “Heiligen Woche” wie die Karwoche offiziell heißt, steht das Bekenntnis zum “neuen Leben”, in das uns Jesus durch seinen Tod und seine Auferstehung hinein geführt hat. In den vergangenen Tagen ist mir – auch bei einem Besinnungsabend für Mitarbeitende in den Pfarren Gratkorn und Semriach – neu bewusst worden, wie sehr dieses “neue Leben” im Hier und Heute einen anderen Lebens- und Umgangsstil zeitigt- sofern wir all das wirklich ernst nehmen.

Dabei habe ich nichts anderes gemacht, als erneut intensiv und laut über das “älteste Lied” der Christenheit vor [und hoffentlich auch mit] den 30, die zu diesem besinnlichen Abend gekommn sind, nachzudenken. Es steht im Brief des Apostels Paulus zu den Philippern und hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt; es ist auch heute für mich immer wieder eine Art “Bußandacht” und Möglichkeit der Orientierung …
Hier einfach der Text (Phil 2,1-11):
“Wenn es also Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: ‘Jesus Christus ist der Herr.’ – zur Ehre Gottes, des Vaters.”

Und spontan ist mir dann auch noch während der Gedankengänge gekommen: wie sehr uns doch genau das Papst Franziksus vorlebt.

Autorität lässt zu

In seinem blog hat P. Bernd Hagenkord SJ vor kurzem – zum 2. Jahrestag der Wahl von Jorge Bergoglio zu Papst Franziskus – versucht dem nachzuspüren, was unseren Papst innerlich “antreibt”, was ihn diese und nicht andere Schritte setzen lässt. Zusammengefasst – und von einem Jesuitentheologen unterstützt – meint er, dass Franziskus “Autorität” als etwas versteht, das “zulässt” … Die interessanten Gedankengänge können hier nachgelesen werden …

“Neue Priester braucht das Land”

Das was Papst Franziskus in Neapel Priestern, Ordensleuten und Seminaristen mit auf den Weg gegeben hat, ist die meines Erachtens eigentliche Not wendende Perspektive für das Amt in der Kirche. Im blog von Radio Vatikan ist die Arbeits-Übersetzung rasch verfügbar gemacht worden … Hier können diese wichtigen Worte nachgelesen werden.
Erst gestern habe ich – und des Papstes Gedanken haben mich unwillkürlich daran erinnert – mit Kollegen einen kurzen Gedankengang von Bischof Klaus Hemmerle geteilt (in: Hemmerle, Klaus: Gottes Zeit – unsere Zeit. Gedanken für jeden Tag, München-Zürich-Wien: Neue Stadt 1994, 97). Schon 1969 (!) meinte er in einem Vortrag, lange vor seiner Bestellung zum Bischof von Aachen: “Persönlich habe ich erfahren, dass ich nicht in erster Linie Priester bin und dannnachher auch noch das Evangelium zu leben habe. Neun, die Sache ist genau umgekehrt: Ich bin Christ, bin zum Evangelium berufen, und nur weil ich es ganz und radikal leben will, nur weil ich als Berufung Gott selbst habe, nur deshalb kann ich ein Zeuge für diese Wahrheit, kann ich Priester sein und das Evangelium verkünden. So darf ich nicht das Priestertum erwählen, sondern Gott allein, der die Liebe ist. Deshalb muss ich auch mit einem Ja, mit einem Danke auf das Kreuz zugehen, wie es jeden Tag auf mich zukommt.”

Von Jesus gepackt sein

Am heutigen Sonntag hatte ich Gelegenheit mit Firmlingen der Pfarren Graz – St. Leonhard und Ragnitz den Sonntag in der Messe zu feiern. Eine der vorgesehenen Lesungen aus der Heiligen Schrift haben mich zu den Gedanken während der Predigt animiert.

Hier die Worte der Lesung aus dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther (Kap. 9, Verse 16-19 und 22-23:
“Wenn ich das Evangelium verkünde, kann ich mich deswegen nicht rühmen; denn ein Zwang liegt auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde! Wäre es mein freier Entschluss, so erhielte ich Lohn. Wenn es mir aber nicht freisteht, so ist es ein Auftrag, der mir anvertraut wurde. Was ist nun mein Lohn? Dass ich das Evangelium unentgeltlich verkünde und so auf mein Recht verzichte. Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben.”

Und hier das, was ich mir für die Homilie vorbereitet hatte – in der Situation vor Ort waren die Formulierungen freilich andere, der Inhalt aber ähnlich:
“Paulus muss eine imponierende Gestalt gewesen sein. Er kann nicht anders als das Evangelium verkünden. Und was der nicht alles auf sich genommen hat. In der damaligen Zeit! Unvorstellbar – mit den damals möglichen Hilfsmitteln etc. etc. – Ich kann nicht anders als sagen: der muss wirklich total von dieser Botschaft Jesu getroffen worden sein, dass er sich das (!) alles angetan hat. –    
Auch in unserem Leben: wenn uns etwas bis ins Innerste trifft, dann lassen wir alles liegen und stehen und widmen uns ganz und gar dem. Stimmt?! Egal, ob diese Sache für den/die Andere/n ähnlich bedeutsam ist. Ausgehen, facebooken, Schule, chillen, … – was auch immer es sein mag. Stimmt’s? Da werden Entbehrungen auf sich genommen, nur um genau das eine, was einem/einer wichtig ist, machen zu können. Da wird dann auch nicht so genau auf das Geld geschaut – bei mir ist das leider immer wieder bei technischen Geräten so.
Selten bis gar nicht ist unter uns die Erfahrung anzutreffen: so gepackt wie Paulus zu sein, dass ich alles liegen und stehen lasse und die Verkündigung des Evangeliums von Jesus gleichsam als “Zwang”, als “innere Notwendigkeit” empfinde. – Doch Halt! Bei mir zumindest sollte es so sein, zumindest so ähnlich. Ich bin ja Priester. Und das stimmt. Mein “Job” ist es, das Evangelium zu verkünden – das war zumindest die erste Frage, die mir der damalige Diözesanbischof Johann Weber vor der Weihe gestellt hat. Daher: Ich muss mir immer wieder die Frage stellen, ob mich das Evangelium von Jesus so in den Bann zieht, dass ich alles liegen und stehen lasse … – 1 Moment ist dabei: ich versuche, Monat für Monat 1 Satz aus der Bibel mit anderen rund um die Welt zu leben. Das ist spannend. Und ich entdecke: mein Leben bekommt damit Tiefgang.
So sehr es also stimmt, dass Priester davon betroffen sein “müssen”, so sehr ist es auch wahr, dass dieser “Zwang” eigentlich jeden betreffen sollte, der getauft ist. Denn: Jesus will uns ja ein tolles, ein erfülltes Leben schenken. Jedenfalls hat er das seinen Jüngern versprochen (vgl. Joh 10). Also auch uns, die wir jünger oder älter sind, aber eines zumindest gemeinsam haben, nämlich die Taufe. Also das Hineingenommen werden in die Gemeinschaft der Kirche, derer also, die heute, 2015, Jesus nachfolgen. Und dieser Begriff “Nachfolge” heißt ja: ich versuche mit allem was mir möglich ist, in den Fußspuren Jesu zu gehen, also eigentlich: ich versuche heute und hier so zu leben wie Jesus gelebt hat. Bumm.
Und genau das gilt es umzusetzen – wo du, du, du, wo ich, wo Sie, Sie, … leben. Zu Hause: Was heißt es da, dort wie Jesus zu leben? – In der Schule: Was heißt es da, … – Unter Freunden: Was heißt es da, … – Ich kann mir vorstellen, dass einige (mehrere?) da sagen müssen, wenn sie ehrlich sind: Eigentlich mach ich mir da nichts draus. Ich leb halt vor mich hin, und der Tag vergeht ohnedies irgendwie. Außerdem: ist das nicht fad, wie Jesus zu leben? Da muss man dann ja dauernd fromm sein … – Ich kann dem nur entgegenhalten, dass ich um einige Menschen weiß, an die noch Jahrhunderte später ganz intensiv gedacht wird, weil sie Jesus ernst genommen haben, die Heiligen. Ich kenne aber auch Menschen, die heute deutlich machen, dass es alles andere als fad ist zu glauben. Denn: ihr könnt Euch vorstellen, dass es aufregend sein muss, “immer auf dem Sprung” zu leben, also immer, eigentlich jeden Augenblick sich die eine Frage zu stellen: “Was würdest du, Jesus, jetzt tun?” …”