Archiv der Kategorie: Allgemein

“Gutes tun, fröhlich sein …”

Heute konnte ich mit der Pfarre Graz – Don Bosco ihren “Namenstag” feiern. Eine lebendige Pfarrmesse – jung und alt, Kinder, Firmlinge, Junge Erwachsene, Ältere etc. bedachten mit den “speziellen Worten” der Bibel (1. Lesung: Ez 34,11–12.15–16.23–24.30–31; 2. Lesung: Phil 4,4–9; Evangelium: Mt 18,1–6.10) das “große Lebensvorbild” dieses Heiligen, der sich v.a. zur Jugend seiner Zeit gesendet wusste. In der Vorbereitung auf dieses Fest habe ich mir folgende Gedanken zurechtgelegt …

“1. ‘Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern.’ Wem das Bild des Hirten vertraut ist, der hat seine rechte Freude mit dem, was wir am heutigen Festtag in der 1. Lesung aus Ezechiel gehört haben. Gott kümmert sich um uns, um einen jeden und eine jede von uns! Er tut es wie ein Hirte. Nein: Er selbst ist es. Er tut es, weil er Liebe ist.
2. Die Berufung all derer, die daher im übertragenen Sinn “Hirten” [in der Kirche] genannt werden – in unserer Gegend werden damit vielfach Priester und Bischöfe für ihr Amt bildlich umschrieben – ist daher zum einen auf den eigentlichen Hirten hinzuweisen und zum anderen wie der eine Hirt zu leben. Johannes Bosco, der vor 201 Jahren geboren und vor 175 Jahren zum Priester geweiht wurde – und dieses Jubiläum wurde in den letzten Jahren bekanntlich groß gefeiert – war einer, der dies wirklich gelebt hat.
3. Ja, als Priester hat er auf Gott verwiesen. In einer ganz einmaligen Weise, die durch viele Zitate deutlich wird und diesen großen Heiligen unserer Kirche lebendig werden lassen: “Betrachte die Schüler als deine Brüder. Liebenswürdigkeit, Einfühlungsvermögen, Rücksicht, das ist der Schlüssel zu ihren Herzen.” – “Vergesst niemals die Liebenswürdigkeit im Umgang mit den Jugendlichen.” – “Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.” – Und schließlich: “Steht mit den Füßen auf der Erde, wohnt aber mit dem Herzen im Himmel.” Allein diese Worte des Heiligen machen deutlich, dass es dem Hirten vor allem um junge Leute geht. Denn diese sind auf der Suche nach einer rechten Lebensgestalt und werden – zumal heute – hin- und hergerissen zwischen vielen Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten. Wo finden sie Halt? Wer gibt Orientierung? In der Art und Weise, wie don Bosco Erziehung verstanden und vorgelebt hat, wird deutlich, dass es zunächst und zuallererst darum geht, die Menschen – egal wie alt sie sind – in ihrer Einzigartigkeit und damit auch Einmaligkeit ernst zu nehmen und sie zu schätzen. Dadurch wird ihnen Gott deutlich. Dienst am Menschen und Dienst an Gott sind nicht auseinander zu dividieren wie manche meinen, für die das eine oder das andere jeweils im Vordergrund steht. Im Miteinander, v. a. mit Jugendlichen, wird die innige Verbundenheit zwischen Himmel und Erde deutlich sichtbar. Daher: machen wir uns auf, “jung” zu werden! Leben wir das, was uns zuinnerst ausmacht, mit jungen Leuten. Klar: hierzu ist es notwendig, um sich selbst zu wissen – und genau da habe ich an die Erwachsenen meine großen Fragen: wissen wir wirklich um uns selbst? Oder sind wir mitunter nicht “Fähnchen im Wind”, die sich nach allem möglichen richten und daher Jugendlichen auch keinen wirklichen Orientierungspunkt zu geben fähig sind? Im Allgemeinen und erst recht im Glauben?!
4. Deutlich wurde an Johannes Bosco aber auch, dass er im Einsatz für “seine Jugendlichen” tatsächlich den Hirten, Gott selbst, vorlebte. Darauf wissen sich wohl alle in der großen “Don-Bosco-Familie” verpflichtet. Erst recht gilt es für uns heute, die wir als vornehmsten Dienst es bezeichnen könnten, in der Gegenwart in unserer Welt Christus und damit Gott zur und in die Welt zu bringen – einer Welt, die eigentlich darauf wartet! Weil vielfach Ideale verdunstet sind, weil vielfach alles gleich gültig zu sein scheint und daher Wegweisung nötig ist, weil bei vielen Zeitgenossen Sinn-Leere zu diagnostizieren ist, weil – ja weil sich der Mensch von heute nach wie vor nach geglücktem und damit auch bleibendem, ja ewigem Leben sehnt und nicht einfach im Nichts versinken möchte. Uns ist es in die Hand gelegt, diesen unseren Gott sichtbar zu machen! Beinahe bin ich daher versucht zu sagen: “Lieben wir, was das Zeug hält!” Weil Gott Liebe ist. Und schauen wir zunächst nicht ängstlich um unseren Selbsterhalt. Fragen wir zuerst nicht immer nach uns, sondern leben wir das, was uns durch Taufe und Firmung gleichsam als DNA unseres Christ- und Menschseins mitgegeben ist: die Liebe, für die Jesus Christus das Maß vorgelebt hat. Denn dadurch wird einzigartig deutlich, wie sehr der Mensch Gott am Her-zen liegt!
5. Geringer ist Christentum nicht zu “bekommen”! Aber: ein solches Leben bedeutet Freude, die allezeit gelebt werden kann!”

Für die Anderen da sein

Bei der schon über 300 Jahre bestehenden “Sebastianiprozession” in der Pfarre Lind-Maßweg habe ich heute am 2. Sonntag im Jahreskreis folgende Worte für die Predigt vorbereitet.
“‘Jedem [..] wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.’ (vgl. 2. Lesung V7). Das was wir in der Lesung des heutigen Sonntags gehört haben, ist Realität: Jede und jeder hier in dieser Kirche ist reich beschenkt. Denn: wir alle sind “Einzelstücke”, unendlich kostbar, unvergleichlich. Und: Gott liebt jede/n von uns einmalig, unendlich. Das ist die eine Realität, die zu verkündigen ist, und die wir – mitunter auch schmerzlich – wahrnehmen. Denn auch wir erliegen manchmal der irrigen Meinung, dass die Welt viel schöner und einfacher zu gestalten wäre, wenn alle gleich wären. Dem ist aber nicht so. Denn: nur durch die Unterschiedlichkeit, die uns auszeichnet, werden wir liebesfähig; wären wir alle gleich, wäre ein liebendes Miteinander eigentlich unsinnig. Nur weil wir anders sind, können wir einander lieben.

2. Gerade deswegen erinnert Paulus seine Korinther daran, dass dies ergänzend zur Einzigartigkeit des Menschen mit seinen ganz besonderen Begabungen und Charismen wesentlich dazu gehört. Ja: die Individualität darf nicht verkommen zur Egozentrik. Das, was uns geschenkt ist, hat allen zu dienen. Denn wir sind als Menschen zur Liebe berufen. Jede und jeder. Liebe aber heißt das den Anderen zur Verfügung stellen, was einen selbst ausmacht, sich selbst – und damit das Eigene – also hinein begeben in das Miteinander. Wie fremd doch eine solche zutiefst unserem Herrn Jesus Christus entsprechende Lebensart uns in unseren Breiten oft ist. So jedenfalls erscheint es mir mitunter. – Wenn ich etwa an die unseligen Streitereien unter uns Katholiken denken, wer denn nun rechtgläubiger sei, wo dann auch von der einen zur anderen Seite schwere Geschütze aufgefahren werden. Doch eigentlich wäre angesagt, uns gegenseitig zu ergänzen, denn du könntest ja was haben, was mir fehlt! – Oder ich denke an die “Privatfehden”, die zwischen einzelnen Gemeinden oder auch/und Pfarren ausgetragen werden, wer denn nun “mehr” und “bedeutsamer” ist etc. Dabei geht es darum, den Nächsten ebenso zu lieben wie mich, und wenn es die Nachbarpfarre ist. – Ich denke aber auch an gesellschaftliche Herausforderungen: wie oft ich doch den Eindruck gewinnen muss, dass Menschen meinen, sie seien der Nabel der Welt und alles habe sich um sie herum zu drehen. Und wenn dann mir etwas gegen den Strich geht, werde ich unrund und die halbe Welt um mich herum wird angeklagt. Dabei bin ich doch als Einzelne/r dazu aufgerufen, das was mich auszeichnet, in Liebe den Anderen zur Verfügung zu stellen, damit alle genug haben, damit die Menschheit eine Familie ist. In Ehen und Familien ist genau dies meines Erachtens ja das tägliche Brot – und wie viele doch gerade daran scheitern oder zu scheitern drohen! – Am heutigen „Welttag des Migranten und Flüchtlings“ sei bewusst an diesen Aspekt des Inhalts des eben Gesagte erinnert und daran,  was unser Papst in seiner Botschaft dazu sagt und wohin et unsere Blickte lenken will. Auch muss an die Situation unserer Schwestern und Brüder in den vielen Gebieten der Verfolgung von Christen in unserer Welt erinnert und dies uns als Auftrag und einzubringen betrachtet werden.  – Auch im Großen und Ganzen der Welt spielen sich immer wieder ähnliche Mechanismen ab, die uns dann auch, dem Gesetz der Medien gehorchend, schwarz-weiß präsentiert werden, als ob es meist nur die Guten und die Schlechten gäbe. Dabei sind wir, und ich erinnere an die letzte Enzyklika von Papst Franziskus, alle miteinander Bewohner des einen Hauses, das sich Erde nennt und unsere Aufgabe wäre es, diese Realität in die kleinsten Lebensbereiche hinein zu buchstabieren.

‘Jedem [..] wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.’ Das, was logisch und klar klingt, weil so Liebe gelebt wird und wir als Menschen, als Christen so zu einem Leib zusammenwachsen, ist im Alltag uns immer wieder in Erinnerung zu rufen und je neu anzupacken. Wir haben diese Wirklichkeit am heutigen Sonntag wieder vernommen, damit wir sie in unserem Alltag leben. Also: “Herr, erneuere die Kirche – und fange bei mir an!'”

Bibel und (mein) Leben

Bei der Festveranstaltung zu “75 Jahre Theologische Kurse” war ich eingeladen einen Impuls zur Bibel zu geben …
Hier dokumentiere ich was ich vorbereitet hatte …
“Lange war mir Leben aus dem Glauben etwas, das einfach dazugehört. Ich habe mich nie wirklich gefragt, wie denn und was denn: am Sonntag hieß es zur Kirche zu gehen. Für einen, der 150 m neben der Stadtpfarrkirche aufwuchs, war das ohnedies (fast) kein Problem. Wir bereiteten uns auf dem elterlichen Bauernhof schon am Samstag auf diesen besonderen Wochentag vor: alles wurde geputzt – auch wir wurden gebadet und einmal so richtig gewaschen. – Gott wurde mir eigentlich nie zur Frage. Er gehörte zum Leben dazu wie das Atmen, das Trinken und das Essen.

Ich war, wenn ich mich recht entsinne, knapp 14 Jahre alt. In unserer Pfarre Gleisdorf begann ein neuer Kaplan zu wirken. Er kam aus Sizilien und tat sich mit der deutschen Sprache noch schwer. Als eifriger Ministrant unterstützte ich ihn bei seinem Ankommen wo es nur ging. Darüber war er sichtlich froh. Er lud mich alsbald einmal ein zu einem besonderen Kreis: wir setzten uns 14-tägig in einer kleinen Gruppe zusammen und lasen aus der Bibel. Interessant war: die Erwachsenen – ich war stolz, dass ich als Heranwachsender dabei sein durfte – tauschten sich darüber aus, wie sie die Bibel in ihrem Alltag zu leben versuchten – anzufangen wusste ich damals nicht viel damit.

Jahre später, ich studierte bereits in Graz und wohnte im Priesterseminar, begegnete mir diese Übung erneut. Durch das Studium wurde in mir Interesse an der Bibel geweckt, an einer bestimmten Art damit umzugehen. Reflexion war angesagt – und allein diese tat es mir an. Nach einer internationalen Tagung mit anderen Seminaristen hat mich ein Kollege eingeladen, uns zusammen zu tun und gemeinsam zu überlegen, was denn “Leben aus dem Glauben” und damit “Leben mit der Bibel” im Priesterseminar bedeuten könnte. Wir trafen einander immer wieder, nahmen ein Wort aus der Heiligen Schrift und versuchten, dieses in den kommenden Tagen zu leben. Dabei machte ich die Entdeckung: die Bibel ist nicht nur etwas, das meditiert und betrachtet werden kann. Vielmehr, die Bibel ist Wort Gottes, also Gespräch des Schöpfers der Welt mit mir ganz persönlich. ER spricht mich an und lädt mich ein, Seinem Wort in meinem Leben Raum zu geben. Wir machten dann aber die Entdeckung: das ist in einem Umfeld wie dem des Priesterseminars alles andere als leicht. “Das Wort Gottes leben?” hörten wir – ausgesprochen oder nicht: “Was soll das?” Eine Zeitlang versuchten wirklich alle, der Weisung Jesu entsprechend zu lieben und uns gegenseitig ernst zu nehmen. Dabei luden wir uns alsbald den Spott mancher Kollegen auf, die lapidar meinten: “Ihr wollt ja nur dem Regens gefallen und euch einschmeicheln.”

Gottes Wort zu leben und damit ernst zu machen, dass Er mit uns, den Menschen in Kontakt treten will, ist auch heute noch alles andere als selbstverständlich. Wiewohl wir immer und immer wieder merken, wie genau dies der Welt nottun würde. Wir brauchen nur einmal bewusst Nachrichten lesen oder diese hören bzw. sehen, dann werden wir ohne nachzudenken sagen können, ja sagen müssen: Leben nach dem Wort Gottes würde da so manches verändern. – Ich spreche nach wie vor die Einladung Gottes an jede und jeden von uns aus, sich ernsthaft mit seinem Wort auseinander zu setzen. Leider ist aber Christsein und damit Kirche – die Jahrhunderte herauf unbemerkt, weil gesellschaftlich abgestützt – eher zu einem System verkommen, das Lehren, mitunter auch ungeordnet, aneinanderreiht. Im Heute sich radikal wandelnder gesellschaftlicher Verhältnisse, im Heute ganz neuer Herausforderungen durch demographische Entwicklungen, die nicht aufzuhalten sind, im Heute eines Pluralismus für den mitunter alles gleich gültig und damit letztlich alles auch gleichgültig wird, im Heute unserer Tage ist mit der lebendigen Beziehung zu Gott und der lebendigen Begegnung mit seinem Wort eine Alternative uns in die Hand gegeben, die so manches auf neue und wirklich tragfähige Fundamente stellen könnte. Nur: nutzen wir diese Auseinandersetzung? Nutzen wir das persönliche wie gemeinschaftliche Betrachten der Bibel, das persönliche wie gemeinschaftliche Leben des Wortes Gottes inmitten unseres Alltags? Damit käme ja Sein Wort erst zur Geltung, aber auch zur Vollendung: “Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe”  lesen wir bekanntlich beim Propheten Jesaja.

In den letzten Jahren ist mir überdies eine andere Übung bekannt geworden: Das “Bibelteilen”. Diese ist zwar von einem aus Deutschland stammenden Bischof verbreitet worden, hat bei uns aber erst über den Umweg von Afrika und Asien langsam Heimat gefunden. Wir tun uns manchmal sehr schwer damit, das Wort Gottes wirklich mitzunehmen in den Alltag. Wir schieben da mitunter vor, dass wir als Nichtwissende, nicht Gelehrte etc. eben nicht recht umgehen könnten mit dem in einer gewissen Zeit und in einem ganz anderen Kontext vom Geist eingegebenen niedergeschriebenen Gotteswort in Menschenwort. Erst jüngst hat etwa unser Pastoralamt eine Initiative in diese Richtung gestartet. Bei einem Kennenlernabend des “Bibelteilens” bekam die Referentin des Pastoralamtes zu hören, dass dies “bei uns sicher nicht geht”. – Wir haben noch viel zu lernen im Umgehen mit dem, was unser Leben grundlegt.

Genau darin sehe ich den Auftrag der theologischen Kurse, die heuer ihr 75-jähriges Bestandsjubiläum feiern: Werden Sie nicht müde, in dieser unserer Welt, die mehr und mehr auch ohne Gott gut auszukommen meint, das Fundament schlechthin unseres Glaubens und damit auch unseres Lebens “unter die Leut'” zu bringen. Sein Wort ist Leben – und in Jesus Christus ist es uns allen deutlich vor Augen gestellt!”

Gott die Wege bahnen

Bei der Predigt in der kleinen Pfarre Großsölk habe ich mir am Fest der “Taufe des Herrn” heute einige Gedanken darüber gemacht, was es denn heißen kann, in meinem Leben Gott die Wege zu ebnen …

“”Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!” Zu wissen darum, dass die Worte aus dem Buch des Propheten Jesaja hinein gesprochen sind in eine Zeit der – Hoffnung auf – Errettung nach der Erfahrung des Exils, lässt diese auf eine ganz besondere Art und Weise uns hören. “Wenn ihr, die nach Babylon Verbannten wieder heimkehren könnt in die Stadt des Friedens, nach Jerusalem, und dort im Tempel wirklich aufs Neue Gottesdienst feiern könnt, dann erfahrt ihr ja am eigenen Leib, dass ihr euer Leben nicht aus euch selbst gestalten könnt, sondern nur weil es im Herrn und Gott des Daseins geborgen ist!” Also: “Lebt daraus! Macht alles, was sich Euch in eurem Dasein in den Weg stellt zu Möglichkeiten, Gott zu Diensten zu sein, Ihm zu begegnen!”
Ja: Mein Leben, mein Alltag kann zur Bahn werden, auf der durch mich Gott selbst in dieser Welt erfahrbar wird! All das, was mich freut: ist es für mich Erfahrung Seiner Nähe und durch mich anderen eine Gelegenheit auf Ihn hin durchscheinend zu sein? Mir selbst ist genau das vor allem in den letzten Monaten meines neuen Dienstes in der Kirche aufs Neue bewusst geworden: mein Leben ist dann recht und entsprechend, wenn ich transparent auf Gott hin bin. – Genauso kann aber auch alles, was mir widerfährt, sozusagen gegen den Strich geht, als Wüsten-Erfahrung etwas werden, das mir “hilft”, Gott den Weg zu bahnen: da weiß ich etwa in der einen oder anderen zu entscheidenden Sache nicht aus noch ein – vertraue ich alles (!) wirklich Gott an oder meine ich, dass ich schnell und sofort eine Lösung herbeizuführen habe, wiewohl ich doch darum weiß, dass wir alle er-löst sind?! – Da ist die Erfahrung bitter, dass immer wieder Menschen der Gemeinschaft unserer Kirche den Rücken kehren und den Austritt aus ihr erklären: kann ich darin auch eine Möglichkeit vernehmen, IHM zu begegnen? Denn: auch durch Leid, durch Erfahrung von Wüste und Leere will ER mir dazu verhelfen, mein Vertrauen immer mehr IHM zu schenken, nicht mir selbst andauernd auf die Schultern zu klopfen etc. Und: kann ich diese Personen dann auch IHM anvertrauen? – Da gibt es an mir Kritik ob meiner Amtsführung oder der einen oder anderen Aussage: schlage ich das gleich in den Wind oder versuche ich darin auch evtl. blinde Flecken in meinen Überzeugungen zu entdecken, damit ich noch mehr durchscheinend werde für den, der allen Gott ist?!
Ja: jede und jeder kann selbst durch den Alltag, durch jeden Augenblick des persönlichen Daseins Weg, Straße sein über die der Herr, unser Gott in der Welt erfahrbar werden will: “Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen.” Das ist eigentlich wunderschöne Umschreibung dessen, was die Berufung derer ist, die sich als Christen in diese Welt gesendet wissen, weil sie in der Taufe als Söhne und Töchter Gottes von ihm angesprochen wurden.

Im Voraus erwählt

Am 2. Sonntag nach Weihnachten wurde eine meiner Lieblingsstellen aus dem Neuen Testament in einer der Lesungen der Messfeier verkündet: “Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen” (Eph 1,5). Für die Messfeiern in Krakauebene und St. Marein am Neumarkt an diesem Sonntag sind mir in der Vorbereitung folgende Predigtworte eingefallen:
1. “Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen” wurde uns u.a. in der 2. Lesung des heutigen Sonntags mit auf den Weg unseres Lebens gegeben. Lassen wir uns den Inhalt dieses Satzes förmlich auf der “Zunge zergehen”, so tiefen Inhalt hat er. Er, der Schöpfer der Welt (!), sieht uns als seine Kinder an, weil es Weihnachten gegeben hat, weil Er selbst ein Mensch wie wir geworden ist. Im Antlitz des zu Betlehem Geborenen erkennt Gott nicht nur Seinen Sohn, sondern auf’s Neue – in Seinem Sohn den Menschen als Sein Ebenbild. Wir alle sind demnach ganz in Gottes Nähe geborgen. Und dies gilt es anzunehmen und zu leben. So schön dieses Wissen ist, so wenig glaube ich mitunter entdecken zu müssen, dass wir wirklich daraus leben, dass wir in Christus Gottes Kinder sind. Woran ich dies festmache? Einige Hinweise:
2. Leben wir wirklich die Leichtigkeit die die Kinder auszeichnet und daher erst Recht Kennzeichen der Kinder des himmli-schen Vaters sein sollte? Leben wir wirklich abgrundtiefes Vertrauen darauf, dass wir in Ihm uns geborgen wissen dürfen, der uns in Christus als seine Töchter und Söhne angenommen hat? – Wie sehr sich doch manche von uns Christen mühen und abrackern, um ja Gott zu gefallen: Schwestern und Brüder! Wir sind längst schon Kinder Gottes! Werfen wir daher unser Leben in die Waagschale des Vertrauens und damit des Glaubens an Seine Liebe! Dies ist recht, dies sei falsch, nur so und nicht anders etc. – das mögen zwar Erziehungsmethoden sein, die uns bekannt sind. Sie aber laufen auch Gefahr, dass wir meinen: wir können und müssen uns den Himmel verdienen, Gottes Zuwendung und Liebe uns erarbeiten usw. – Das ist alles andere als ein “laissez faire”-Stil, alles andere als ein Nichternstnehmen des Anspruchs unseres Glaubens. So zu leben bedeutet ganz und gar sich in das Vertrauen hinein zu verlieren, dass Er da ist, eben nichts, wirklich nichts, auf seine eigenen Fahnen heften und der Gefahr zu erliegen zu meinen, dass ich Gott was vorweisen müsste. Ein solcher Lebensstil ist Glauben bis ins Letzte und erscheint genau deswegen vielen von uns Menschen alles andere als üblich, weil wir zutiefst einer Welt verhaftet sind, in der eben Leistung zählt und dem entsprechend Mensch-sein mehr oder weniger geachtet wird.
3. Leben wir wirklich so wie es Kinder üblicher Weise machen und ahmen wir unsere Eltern, unseren Vater, unser Mutter nach? – Wenn wir als Kinder Gottes uns in Jesus Christus wissen, dann ist unser Dasein eigentlich von nichts Anderem bestimmt als der Nachahmung und damit dem Versuch wie Gott zu leben. Sein Leben aber ist das der Liebe, der Liebe bis ins Letzte. In Christus ist dies offenkundig, mitten unter uns Menschen erfahrbar geworden. – Wie oft mir doch verbissen lebende Christen begegnen, denen alles andere als die sich verschenkende Liebe als erfüllende Lebensform anzusehen ist, die teilweise gepeinigt sich geben, um ja alles recht zu machen und damit eben selbstgerecht sind statt liebend. Liebe nämlich hat das Heil des/der Anderen im Blick: mit dir, mit dir, mit dir weiß ich mich unterwegs, will ich Seine Liebe sichtbar leben und damit Kirche sein. Diese Botschaft ist alles andere als eine beängstigende. Sie ist wahre Freiheit und damit auch wirkliche Freude. Wo wird diese Liebe, diese Barmherzigkeit Gottes durch unser Leben und Agieren als Kin-der Gottes, als Laien und Priester wirklich sicht- und erfahrbar? Viele erlebe ich, die in rechter Absicht meinen, sich ei-nen “gnädigen Gott” förmlich “erarbeiten” müssen und dabei ganz vergessen, den Nächsten zu lieben, weil mir in ihm/ihr Er selbst gegenübertritt. – Auch hier: dies ist alles andere als “Christsein light”, ich muss da nämlich nur auf mich schauen und mich selbst immer wieder an der Nase nehmen: “Lebe ich Liebe, die befreit und mich wirklich erfüllt Mensch sein lässt?”
4. “Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen”: machen wir uns auf, wirklich Christen zu sein!

Lesungsstellen des 2. Sonntags nach Weihnachten, Lesejahr C:
1. Lesung: Sir 24,1–2.8–12
2. Lesung: Eph 1,3–6.15–18
Evangelium: Joh 1,1–18

Jesus: ein besonderer Freund

Am 8. Februar 2016 sollte es soweit sein: Mein 1. Buch erscheint. Es ist ein etwas anderes Buch, ein Kinderbuch, genauer gesagt: ein Freundebuch – zur Erstkommunion!51VZW+pNtXL

Friederike Hofer, eine gut befreundete Volksschul-Religionslehrerin und deren Freundin Kerstin Zechner [Bilder] sowie Christoph Kainradl aus unserem Pastoralamt haben tatkräftigst mit Hand angelegt, dass das Buch bei Styria erscheinen wird.

Ich freue mich schon auf viele reale Freundschaftsanfragen von Erstkommunionkindern!

Hier die Daten:
Wilhelm Krautwaschl (Hg.): Weil es dich gibt. Mein besonderes Freundebuch, Graz: Styria 2016,
ISBN: 978-3222135286
€ 17,90