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Gott ist da

Christian Henneckes Gedanken zur Weihnacht 2015:

Yahweh kommt…

Weihnachten 2015. Ich bin in einem Kinderheim. Wir feiern mit den Kindern, die alle schreckliche Erfahrungen in ihrer frühen Kindheit hatten. Ich feiere auch mit den Schwestern, die hier mit einem coolen Konvent voller Liebe einen Weg mit den Kindern gehen. Großartig. Und in mir singt und klingt “mein” Weihnachtslied: YAHWEH von U2.

Wir: Familie der Kinder Gottes

Am Fest der Heiligen Familie predigte ich im Mariapolizentrum in Wien:

1. “Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.” So haben wir es am heutigen Festtag mitten in der Weihnachtsoktav vernommen. Ich glaube, dass wir uns diese Worte förmlich auf der Zunge zergehen lassen müssen um wirklich glauben zu können, dass Seine uns geschenkte Liebe darin besteht, uns als Mitglieder der Familie Gottes zu wissen. Wir machen wohl beinahe täglich damit ernst ohne genauer darüber nachzuden-ken, wenn wir unseren Gott, den Schöpfer der Welt, mit dem vertraulichen Wort “Vater” anreden. Aber: darin besteht Gottes geschenkte Liebe: wir sind in Seine Familie aufgenommen, Seine Kinder, also ganz nah dran am Leben Gottes! So nah, dass die Gesetzmäßigkeiten Seines Lebens unsere sind bzw. sein sollten. Unsere Berufung, Christen und damit Kin-der Gottes zu sein, bedeutet demnach auch, Seine Liebe, die ER zu uns hat, ernst zu nehmen und im Alltag umzusetzen, also die Menschheit und erst Recht jene, die um Christus und damit die Mensch gewordene Liebe Gottes wissen, als Fa-milienmitglieder anzusehen. Es gilt demnach, so anderen zu begegnen, dass sie sich als Glieder dieser menschlich-göttlichen Familie wissen. Das Mit- und Zueinander der “Hl. Familie” – 30 Jahre seines Lebens hat unser Herr und Meis-ter zumeist verborgen und damit abseits der Öffentlichkeit in ihr verbracht – mag uns hierfür Vorbild sein.
2. “Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.” kann aber auch noch auf eine andere Art und Weise verstanden werden. Wenn wir Familienmitglieder Gottes sind, dann haben wir un-mittelbaren Zugang zu Gott, zum Schöpfer der Welt. Er ist nicht “weiß Gott” wie fern, sondern in ganz und gar familiärer Nähe. Wir dürfen uns immer und immer wieder eingeladen wissen, auf IHN zu hören – wenn wir die Heilige Schrift lesen, betrachten und leben; wenn er sich uns schenkt in den Sakramenten; wenn wir einander als Schwestern und Brüder be-gegnen. Ja: nutzen wir die vielfältigen Möglichkeiten, Gemeinschaft mit IHM, Kommunion mit IHM zu halten! Mitunter habe ich das Gefühl, das wir als Christen gerade darin noch viel zu lernen haben. Gern würden wir ja ob des in Liebe uns gegenüber entbrannten Herzens des himmlischen Vaters ihn eher weiter weg haben und erliegen mitunter daher der “Ver-suchung”, eine Zwischeninstanz zwischen mich und dem lebendigen Gott einzuschieben, indem wir den Trägern des ge-weihten Amtes eine größere Nähe zubilligen. Damit stehen sie dann gleichsam auf einem “Stockerl”, das sie nicht er-klommen haben, weil sie ja einen Dienst all jenen gegenüber auszuüben haben, die in Taufe und Firmung Kinder Gottes geworden sind.
3. Nutzen wir das heutige Fest, nutzen wir Weihnachten um uns unser aller Berufung aufs Neue bewusst zu werden: “Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.”

Die Bbelstellen:
L1: 1Sam 1,20–22.24–28
L2: 1Joh 3,1–2.21–24
Ev: Lk 2,41–52

Der Himmel steht offen

Am 26. Dezember habe ich auf dem Karmel in Bärnbach folgende Predigt gehalten:

1. Oft wird das Fest des hl. Erzmärtyrers, auch von mir, am 2. Tag der Weihnachtsoktav dazu genutzt, um die Ernsthaftigkeit des Bekenntnisses zum “heruntergekommenen Gott” in Menschengestalt zu unterstreichen, also um deutlich zu machen, dass die Idylle einer Krippe – sofern man dies überhaupt sagen kann – und eines Neugeborenen nicht alles ist, wenn wir Christus folgen. Es stimmt ja auch: Christsein ist kein Allerweltsdasein, keine Anleitung zum flauschigweichen Umgang mit allem und jedem. Doch möchte ich heute mit meinen Gedanken kurz bei der eben gehörten Bibelstelle der Schilde-rung des Martyriums des Diakons Stephanus verweilen. Er ruft bekanntlich unter den bösen Blicken der Umstehenden kurz vor seiner Steinigung: “Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen.”
2. Im Kind der Krippe ist der Himmel für uns alle offen, Schwestern und Brüder! Ich glaube, dass dieser Gedanke wohl auch heute noch so manchen, die herumstehen, zum “Zähneknirschen” bringt. Denn: üblicher Weise wird Gott in die Ferne des Himmels verbannt – bei jenen, die nicht glauben ist er sogar unendlich fern. Zu behaupten, dass der Schöpfer der Welt ei-ner von uns ist, ist dem gegenüber einem Skandal ähnlich, weil daraus folgt, dass Glaube an Gott Auswirkungen hat auf das tägliche Leben mitten in dieser Welt, die uns birgt. Und wenn es aufgrund der Offenheit des Himmels seit der Men-schwerdung nur darum geht, in jedes Menschen Antlitz Gottes Ebenbild zu sehen, bedeutet dies unendlich viel. Denn wir können dann nicht mehr bloß nebeneinander leben. Der offene Himmel durch Gottes Leben auf dieser Erde hat zur Folge, dass wir nicht aneinander vorbeigehen dürfen, weil wir sonst IHN im Nächsten übergehen. Der von uns durch Jesu Leben geglaubte offene Himmel ist für unser Menschsein alles andere als ein Ruhekissen für ein bequemes Leben. Es bedeutet nämlich, immer auf dem Sprung zu sein, um IHN zu entdecken in der Schwester, im Bruder neben mir.
3. Kein Wunder also, dass damals schon die Menschen daran Anstoß genommen haben. Kein Wunder also auch, dass Men-schen heute nach wie vor Anstoß nehmen an Christen, die nicht anders können, als die Würde des Menschen, jedes Men-schen, von Anfang an bis zum natürlichen Ende zu verteidigen. Mehr noch: wenn dem nicht so ist, würden wir wohl un-seren Auftrag in dieser Welt nicht ganz ernst nehmen oder durch die von Stephanus und vielen seit Christus offen gese-hene Pforte der Liebe und Barmherzigkeit Gottes ins ewige Leben beim Vater eingetreten sein. Da wir uns aber noch un-terwegs wissen, gilt: Leben wir die Konsequenz des “offenen Himmels”, der seit der Geburt Gottes bei uns Menschen deutlich wurde.

Die Bibelstellen:
Lesung:  Apg 6,8-10; 7,54-60
Evangelium: Mt 10,17-22

Heute im Blick

Ein “Plädoyer für eine Kirche, die mit den Menschen geht” gab heute Vormittag der frühere Abt von Einsiedeln P. Martin Werlen beim Österreichischen Ordenstag ab, Er erinnerte u.a. an die Ansprache unseres Papstes zum 50-Jahr-Jubiläum der Institution “Bischofssynode”. Spannend, wie Papst Franziskus Kirche dort neu sieht und vor-lebt.
Näheres habe ich hier gepostet.

Das Kind in der Mitte

“Jesus stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme und sagte zu ihnen:  Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.”

Einfache und verständliche Worte Jesu. Alles andere als einfach zu leben. Denn tagaus, -ein erfahren wohl viele von uns die Logik eines anderen Lebensstils. Üblicherweise zählt der “Chef” mehr. – Seit nunmehr 3 Monaten bin ich ein solcher “Chef”. So jedenfalls werde ich wahrgenommen; Bischöfe zählen dazu. Man ist immer wieder in der 1. Reihe, man ist “Person des Öffentlichen Lebens” mit all den Annehmlichkeiten wie auch den damit verbundenen Schwierigkeiten, viele wollen in Kontakt treten, wollen mitunter auch, dass der Bischof zu jedem und allem was sagt etc. Ich könnte die Liste meiner Erfahrungen fortführen, etwa, dass ein Bischof in Amtskleidung leichter in den Petersdom reinkommt als andere, dass es unglaublich viele Menschen gibt, die sich freuen, dass ich Bischof geworden bin usw. Angesichts des Evangeliums muss ich mich aber genau vor alledem in Acht nehmen; es ist durchaus geeignet, eine Art “Beichtspiegel für einen Bischof” zu sei.

Gott sei Dank aber gibt es da u. a. junge Leute, mit denen man unterwegs ist, sagen wir auf einer Ministrantenwallfahrt. Denn – auch das ist im Evangelium deutlich zu hören – wenn man sich auf junge Leute um Jesu willen einlässt, auf Kinder, dann nimmt man letztlich IHN auf als den, der uns beim rechten Menschsein hilft.
Was ich mir von dort mitgenommen habe? Einige kurze Gedanken.

Da gibt es viele junge Leute, die Interesse haben an dem, was wirklich zählt – ca. 8.000 Ministranten sollen es sein in der Steiermark. Nehmen wir als Pfarren das einfach zur Kenntnis? Gehen Sie uns nur ab, wenn wieder mal keine/keiner da ist? Oder aber: lassen wir uns ein auf sie und ihre Lebenswelt, damit wir ihnen von dem mitgeben können, was uns selbst an unserem Glauben wertvoll ist, was uns selbst Gott bedeutet, wie wir mit ihm umgehen im Alltag? Liebe Erwachsene: ich glaube, da haben wir von den jungen Leuten was zu lernen und dürfen uns zugleich aufgefordert wissen, uns selbst mehr „rein zu hauen“ …

Da gibt es junge Menschen, die unbefangen mit Neuem umgehen: in Rom gab es ca. 40° im Schatten, da galt es mal den, mal den Weg zu gehen, da hieß es spontan zu sein und auf andere zuzugehen, die einem noch fremd waren. Binnen kürzester Zeit aber waren Tücher getauscht und Bekanntschaften geschlossen – ja: es gibt sogar eine whatsApp-Gruppe eines Busses, der aus diesem Dekanat mit war! – Wie schwer wir Erwachsene uns da oft tun, uns auf Neues einzulassen. In den Pfarren höre ich immer wieder, nicht nur von Pfarrern, es soll ja alles so bleiben wie es ist – von Jesus aber wissen wir, dass er so ziemlich alles anders gesehen und entsprechend geändert hat. – Angesichts der vielen, die da zu uns kommen und Hilfe brauchen, gibt es immer wieder Stimmen, die sagen, dass wir uns mal um die Einheimischen kümmern sollten [ich frage mich dann, wieso wir das nicht schon längst gemacht haben?], dass die dort bleiben sollten, wo sie sind etc. Junge Menschen aber, und das erfahre ich in den letzten Wochen auch immer wieder, fragen nach, wo und womit sie helfen können, unbürokratisch etc.; Erwachsene denken oft lange nach, stellen Fragen, weisen zurecht und argumentieren sich mitunter ganz gescheit an den Notwendigkeiten vorbei.

Zwei kleine Beispiele, wo deutlich wird, dass junge Leute sich vielleicht leichter tun, das Einfallstor Gottes zu uns Menschen in den konkreten Situationen, denen wir gegenübertreten, zu erkennen. Und das ist eigentlich unsere Sendung als Christen, auch hier! Danke also Euch Jungen, dass Ihr unseren Glauben stärkt, dass Ihr damit auch mir in diesen Rom-Tagen geholfen habt, nicht zu sehr nach oben zu schweben, sondern ganz bei Euch zu sein. Danke daher auch, dass Sie dem Bischöfl. Spendenkonto zur Flüchtlingshilfe was zur Verfügung stellen als deutliches Zeichen dafür: “Wir Katholiken im Dekanat Gleisdorf nehmen Gottes Anruf wahr und helfen – mit Geld, mit Wohnraum, mit dem und dem …” und: wir lernen uns dabei als Kirche neu kennen!

(schriftliche Auszüge aus der Predigt bei der Dekanatswallfahrt des Dekanates Gleisdorf 19.9.2015)

Kirche ist wirklich mehr!

Nun denn: heute Abend kann ich wirklich nicht anders als schreiben, dass Kirche mehr ist. Die Tage, die mir geschenkt sind (siehe Beitrag von gestern) sind schon viel, dennoch sind sie nur eine Seite. Dir zweite Seite wird von jenen ge- und beschrieben, denen ich in den vergangenen Tagen hier in Rom auch noch begegnet bin ….
* Da treffe ich einen Steirer, der bei den Johannesbrüdern lebt: ich bemerke offensichtlich, wie sehr das Evangelium einen packen kann und nicht mehr loslässt …
* Da esse ich mit Admonter Benediktinern zu Abend: wie reich doch Kirche ist, weil sie so viele Wege ermöglicht, Nachfolge zu gestalten …
* Da wird mir die Gelegenheit geboten, einigen die auf der Behinderten-Wallfahrt nach Rom sind, die vom Malteser-Hilfsdienst gerade jetzt durchgeführt wird, in die Augen zu schauen und “Grüß Gott!” zu sagen und entdecke dabei viele glückliche Menschen …
* Da bin ich beim österreichischen Botschafter zu Gast und nehme wahr, wie sehr das Leben aus dem Glauben Bedeutung hat für das alltägliche Dasein von Menschen …
* Da tauche ich bei einem Abendessen in Santa Maria dell’Anima tief in die Geschichte ein und stelle fest – zum wiederholten Mal: das Evangelium prägt Menschen und hat die Kraft auch heute Europa zu prägen …
* Da esse ich mit einem Verantwortlichen aus der Fokolarbewgung zu Mittag und mache zum wiederholten Mal die Erfahrung, wie geteiltes Leben auf dem eigenen Weg weiter hilft …
* Da gehe ich nach Santa Maria in Trastevere und feiere – so wie heute Abend – das tägliche Gebet mit; da es dieses Mal besonders für die Kranken ist, habe ich einige Personen deren Leben ich Gott hinlegen darf. In der Einfachheit des Singend und Betens einer vollen Kirche laufe ich förmlich dem armenisch-katholischen Bischof von Aleppo über den Weg, der seit Jahren praktisch unter Bomben lebt und höre ihn vom Heil predigen, das uns das Kreuz Jesu Christ erwirkt. – Im Gespräch danach mit einem Mitglied der Bewegung Sant’Egidio, die sich täglich hier um 20:30 zum Gebet trifft, wird mir wieder einmal deutlich: es geht um das Leben der Nachfolge. Und ich frage mich, wieso das mitunter so schwer “rüberkommt” und Kirche oft “nur” als Struktur wahrgenommen wird …
* Da berichtet eine Ministrantin in der WhatsApp-Gruppe der Ministrantenwallfahrt, an der ich im August teilgenommen habe, von der beglückenden Erfahrung, am heutigen ersten Schultag jungen Flüchtlingen beim Deutschlernen geholfen zu haben und denke mir, wie einfach es doch ist, das Evangelium zu leben und wie schwer wir uns das oft miteinander machen …

Ja: Kirche ist wirklich mehr: das sind wir Menschen, die wir uns wirklich begegnen und so die Erfahrung machen, dass der Auferstandene unter uns lebt!
Gott sei Dank also gab es dieses Treffen hier, wurden mir 10 Tage “Wallfahrt zum Grab des hl. Petrus”, Tage der Reflexion und Besinnung zum bischöflichen Dienst, geschenkt, denn damit wurden auch diese lebendigen Begegnungen ermöglicht, wurde Kirche gebaut.