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Wahrheit und/oder Barmherzigkeit

Rund um die Bischofssynode im Herbst werden unterschiedlichste Meinungen und Stellungnahmen abgegeben. Mal ist die “Wahrheit” im Vordergrund, mal “Barmherzigkeit”. Und beide Seiten scheinen sich auszuschließen … Wie mit den Differenzen umgehen? Christian Hennecke hat weitere Überlegungen zu diesem Themenbereich hier beschrieben.

Beratung in der Kirche

Christian Hennecke ist seit kurzem Pastoralamtsleiter der Diözese Hildesheim. Erstmals war er bei einer Sitzung des Diözesanrats dabei und schildert in seinem blog, dass Beratung in der Kirche mehr sein “muss” als Überlegung von Aktivitäten u.ä.m., sondern  “Hinschauen mit den Augen des Evangeliums” auf die Wirklichkeiten ist, wie sie sich uns darbieten.

Reform

Mitunter werde ich den Verdacht nicht los, dass “Reform in der Kirche” mit bestimmten Veränderungen verbunden wird – so auch (wieder mal) in einem lesenswerten Artikel der SZ über den mittlerweile 1 Jahr amierenden Bischof von Passau Stefan Oster. Ob aber das, was Bischof Oster angeht und wie er es angeht, nicht eher Re-Form genannt werden muss?

Wenn Gott einen an-geht

Nun also ist es offiziell: Papst Franziskus hat mich zum 58. Bischof der Diözese Graz-Seckau ernannt. Das wurde heute offiziell bestätigt. Wie’s mir damit geht? – Anbei das, was ich für die heutige Pressekonferenz vorbereitet habe:

Bei der Priesterweihe ist es üblich, dass die Kandidaten sich einen sogenannten “Primizspruch” aussuchen. Meiner ist mir angesichts eines Bildes gekommen: “Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.” (Gen 32,27). Da kämpft der zurückkehrende Jakob am Fluss Jabbok mit Gott. So jedenfalls wird es rezipiert. Es wird auch davon berichtet, dass Jakob seit dieser nächtlichen Auseinandersetzung hinkt – für mich ist dies stimmiges Bild und Erfahrung:
Gott ist einer, der mich im besten Sinn des Wortes an-geht. Auf unterschiedliche Weise.
Einige Schlaglichter:

  • Geboren bin ich in eine Familie in Gleisdorf. Ich war das vierte Kind. Kurz nach meiner Geburt verstarb die Zwillingsschwester meiner älteren Schwester bei einem Verkehrsunfall. Ein Jahr später kam schließlich meine jüngere Schwester zur Welt. Leid, Trauer, Sterben gingen bei uns in der Jahngasse ein und aus: mein Vater war Bestatter. Täglich galt es im Wohnhaus unserer Nebenerwerbslandwirtschaft Menschen zu begrüßen, die einen Todesfall anzuzeigen hatten. Mir hat sich – alles spielte sich auf dem Bauernhof “mitten in der Stadt” in der Küche ab – diese Erfahrung sicher tief eingeprägt.
  • Schließlich erkrankte meine ältere Schwester an Leukämie: mehr als 10 Jahre Krankenhausaufenthalte und Fahrten zur Kontrolle mussten von meinen Eltern, vor allem meiner Mutter gemeistert werden. Dann die erlösende Nachricht: Zwei von den damals auf der Kinderklinik Behandelten wurden geheilt, darunter meine Schwester.

Von Gott angegangen werden: alles andere als immer nur “Hoch-Zeit”.

 

  •  Für einen Gleisdorfer war klar – damals jedenfalls: er muss getauft werden, noch dazu, wenn er 100 Meter neben der Stadtpfarrkirche groß wird. Am 17.3.1963 war das der Fall. Meine Mutter erzählte mir vor kurzem wieder einmal: der Taufpriester, Kaplan Josef Fuchs – er wohnte eine Zeitlang während des Pfarrhofumbaus bei uns – ließ uns nicht beim Seiteneingang in die Kirche, sondern rollte vom Haupteingang aus den roten Teppich aus: “Aus diesem Bursch wird noch was Besonderes” soll er damals gesagt haben.
  • Für einen Gleisdorfer so nah neben der Kirche groß zu werden bedeutete damals auch, die Karriere eines Ministranten einzuschlagen. Sogar bei der Erstkommunion. Und dann eine Panne: Dechant Josef Fink war damals gewohnt an mir vorüberzugehen. So auch bei dieser Feier. Ich musste mir also die Erstkommunion “erkämpfen”, indem ich den Dechant am Messkleid zurückzog: “Ich darf heute auch schon!” Damit war die “kirchliche Karriere” vorgezeichnet und ich stand sogar beim Fotografen danach im Ministrantengewand.
  • Es folgten 10 Jahre Ministrantendasein und Gruppenleitung, Engagement in der Jungschar und beim Jugendchor. Die Schulen (Volksschule Jahngasse, Bundesgymnasmium und -Realgymnasium Gleisdorf) mussten fast “nebenbei” gehen.
  • Nach der Firmung 1977 dann auch Eintauchen in eine Übung, die mir nach wie vor nicht fremd ist: ein Wort der Bibel lesen und betrachten, vor allem aber auch, es leben. In einer Gruppe trafen wir uns da regelmäßig. Erst Jahre später kam dann die Erkenntnis: “Erst das Leben der Worte der Hl. Schrift bringt diese zur Vollendung”. Kirche ist ja nicht Hüter von Erinnerungen aus vergangenen Zeiten, sondern Hüter des lebendigen Feuers, das der Auferstandene auch heute dort ist, wo “zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind” (vgl. Mt 18,20). Und das Wesentliche leuchtet dann durch Erzählen des Erfahrenen und unter Umständen auch dann im noch so Kleinen auf. Und zwischendurch zwei Mal die Frage von Priestern, ob ich denn nicht Priester werden wolle. Mit Zehn antwortete ich meinem Heimatpfarrer: “Das kann ich mir nicht vorstellen, ins Knabenseminar zu gehen (heute: ein gewisses Bischöfliches Seminar), weil mich die Eltern zu Hause brauchen.” Mit Vierzehn nahm mich der Kaplan nach Horn mit ins damalige „Spätberufenenseminar“. Als klar wurde, dass die Schmutzwäsche nur zu Hause gewaschen werden konnte, war es für mich entschieden: ich bleib daheim.

Von Gott angegangen werden: Er begleitet das Leben.

 

  • Durch einen Kaplan, den ich in der Maturaklasse als Religionslehrer bekommen habe – heute ist er der Schriftleiter des Sonntagsblattes – wurde ich dann zum Begegnungstag im Priesterseminar eingeladen. Das Kind vom Land fuhr in die große Stadt mit den „Öffis“. Sonntags. Viel zu früh kam ich an, der Eingang Bürgergasse 2 ins Priesterseminar war bald gefunden. Deswegen wartete ich beim Schauspielhaus und dachte mir (bitte jetzt weghören): “Irgendwann in der Schule habe ich ja mal gelernt, dass es in Graz einen Dom geben muss. Wo der denn sein kann?”. Im Herbst danach, 1981: Eintritt ins Seminar. Wir waren damals über 70, zeitweilig über 80 – eine tolle Lebensgemeinschaft.
  • Relativ zu Beginn des Studiums an der Karl-Franzens Universität in Graz kam dann die Einladung des besagten Kaplans, dass sich alle, die Religionspädagogik oder Theologie studieren und aus unserer Pfarre kommen, sich über das, was sie dabei “lernen”, austauschen. Bei einem Einkehrtag zu Beginn wurde uns eine Berufungsstelle aus der Bibel mit auf den Weg gegeben mit der Frage: “Was hättest du begonnen, wenn du nicht diesen Weg eingeschlagen hättest?” Ich wusste keine Antwort: eine Krise begann. Und die war weitgehend. Plötzlich tauchte da auch die Frage der Ehelosigkeit auf und mir wurde klar: diese Antwort ist von mir zu geben, wenn ich den Weg weitergehen will. Eine Auseinandersetzung, die ich als sinnvoll bezeichnen möchte, begann.
  • Aktivitäten in der Katholischen Jungschar auf Diözesanebene, im Grazer Dom – zunächst in der sogenannten “Domassistenz”, beim Katholikentag und Papstbesuch 1983 sowie danach 1987 ließen in mir immer wieder die Frage hochkommen: “Engagierst du dich weil du gesehen wirst oder weil dir Gott ein Anliegen ist?” Spiritual Toni Wittwer hat mir damals über die bedrängende Frage hinweggeholfen, indem er lapidar bei Exerzitien meinte: “Wenn du das gern tust, dann wird da schon was dahinter sein!”
  • Gott sei Dank war ich für eine Priesterweihe zu jung (Mindestalter 25) und außerdem konnte mich Regens und Dompfarrer Gottfried Lafer auch gut als Zeremoniär im Dom brauchen. So wurde mir ermöglicht, unmittelbar nach dem Magisterium das Doktorat anzuschließen. Auf einem internationalen Kongress der Fokolarbewegung für Seminaristen aus Europa wurde mir deutlich: “Wenn ich Priester werden will, dann geht es nicht zunächst darum, diesen Beruf anzustreben, sondern darum, aufmerksam zu sein und nach dem Willen Gottes zu suchen.” Das ist Aufgabe zeitlebens und entlastet, wenn sich auf dem Weg Hindernisse auftun oder Ereignisse Platz greifen, die die Berufsausübung unmöglich machen. Wir begannen dies miteinander im Priesterseminar zu leben. Einige fanden aus dieser Auseinandersetzung zu einem anderen Lebensweg, einige wurden Priester.

Von Gott angegangen werden: immer wieder sich einlassen auf das, was “dran” ist.

 

  • Verschiedene Wirklichkeiten von Kirche begleiteten mich nach der Weihe zum Diakon (17.12.1989) und zum Priester (1.7.1990). Zunächst im Grazer Dom, kam ich mit 1.9.1999 nach Hartberg, eine oststeirische Pfarre, nicht unähnlich meiner Heimat. Im Zentrum eine kleine Stadt und rundherum -zig Dörfer. Und hier geschah das Kennenlernen und Vertiefen von Kirche, die im Volk fest verankert ist, und die sich – Pfarrer war übrigens der jetzige Zisterzienser August Janisch – den Herausforderungen einer sich rapid ändernden Gesellschaft stellt: Flüchtlingsarbeit nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs. Fragen kamen hoch: “Wenn sich das Rundherum ändert, muss sich dann nicht auch die Kirche ändern in ihrer Art das Leben zu äußern?”
  • Im Pfarrverband Knittelfeld – Lind-Maßweg – Schönberg ob Knittelfeld erlebte ich eine andere Situation: ich ersetzte zwei Kapläne, der benachbarte pensionierte Pfarrer starb im November 1993. Binnen zwei Monaten waren es zwei Priester weniger. Zwei Jahre später: die Erweiterung des Pfarrverbandes um St. Margarethen/Knittelfeld und Rachau. Eine kleine und eine große Pfarre, eine Kirche im Umfeld der Industrie mit den damit verbundenen Herausforderungen etwa des täglichen Umgehens mit Ausgetretenen stellt die Frage: “Sind wir uns als Kirche schon hinreichend bewusst, dass wir mit den Menschen und ihren Suchbewegungen umzugehen haben?”
  • Bruck: Ab 1998 ein Jahr als Kaplan und dann als Pfarrer im Pfarrverband Bruck/Mur – St. Dionysen-Oberaich und ab 2005 auch von Pernegg. Die Obersteiermark hat wiederum andere Erfahrungsräume von Kirche und es stellt sich die Frage: Dienen unsere Strukturen dem Leben? Wie ist das mit dem ‘neuen Wein in neuen Schläuchen’?
  • Bischof Egon Kapellari – an dieser Stelle einfach ein großes “Vergelt’s Gott!” – bat mich 2006 das immer bedeutsamer werdende Feld der “Berufungspastoral” zu beackern, also das Grundthema jeden kirchlichen Lebens wachzuhalten, was es denn heißt „mit Gott zu leben“. Schwerpunkt dieser Arbeit sollte das Bischöfliche (Knaben-)Seminar sein und das in ersten Planungsschritten angedachte “Bischöfliche Zentrum für Bildung und Berufung”, heute “Augustinum”, das 2008 bis 2009 im Gebäudekomplex Ecke Lange Gasse – Grabenstraße saniert wurde. “Wie lernen wir heute ‘wie Glauben geht’“ (vgl. Bischof Klaus Hemmerle). In der Begegnung mit den jungen Menschen und über meine anderen Aktivitäten darüber hinaus machte ich die wache Entdeckung: “Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran neu die Botschaft lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.”

Von Gott angegangen werden: in unterschiedlichsten Herausforderungen und Gestalten wird dies bewusst.

  •  Vor einigen Tagen berichtet die Presse von einer “geheimen Liste”. Ich erfahre dies in der Pfarre Graz-Graben und höre, dass dies auch im Radio schon gesagt wurde.
  • April 2015: Ich lese, da ich diesmal nur eine Messe feierte, das Interviewbuch des Alterzbischofs von Poitiers zu Ende: “Aufbruch zum Miteinander”. Es steigt mir innerlich hoch, wie Kirche gesehen und erlebt werden kann. Es geht mich an.
    Für den Abend hatten wir Priester in der Fokolarbewegung schon seit längerem jene Frauen eingeladen, die in einer Wohngemeinschaft, “Fokolar” genannt, hier in Graz miteinander leben, um einen gemütlichen Abend zu verbringen. Beim Einräumen des Geschirrspülers überhöre ich das Vibrieren meines Telefons. Ich sehe: Telefonnummer aus Wien, auf die Mailbox wurde gesprochen. Ich höre in meinem Zimmer die Mailbox ab: “Grüß Gott, lieber Monsignore Krautwaschl, hier ist der Apostolische Nuntius”. Vor Schreck drücke ich aufs Handy und lösche die Nachricht. Einige Anrufe – welche Nebenstelle? – fruchten nichts. Endlich gegen 20:30 Uhr dann noch einmal das Telefonat und die Bitte diesen Dienst zu übernehmen. Nach einer kurzen Information an den Diözesanadministrator – auch ihm ein großes “Vergelt’s Gott!” für seinen umsichtigen Dienst in diesem Amt – eine Nacht ohne Schlaf.
  • Am Morgen ging ich in den Dom zur Messe, frühstückte bei Heinrich Schnuderl und informierte meine beiden Amtsvorgänger, ehe ich nach Wien aufbrach, um in wirklich brüderlicher Atmosphäre den Grund für mein heutiges Hiersein zu besprechen. Unterwegs schaute ich bei meiner Mutter vorbei, um es ihr zu sagen. Unter anderem hat sie in diesem Zusammenhang mir gestanden: “Ich habe bei deiner Primiz damals kein neues Kleid gekauft, wieso sollte ich das jetzt tun?”

Von Gott angegangen werden: er spart nicht damit, das – bildlich gesprochen – “Hinken” zu erleichtern.

 

Junge Leute begegnen den Fragen des Glaubens heute anders. Vertrauen wir dem auch: Gott ist mit ihnen?

Menschen in geglückten, schwierigen oder gescheiterten Beziehungen: was heißt das für die Verkündigung und vor allem das Leben miteinander?

Menschen, die hier Heimat haben oder suchen mit ihren unterschiedlichsten Lebens- und Glaubensgeschichten und -gestalten: ist Gott nicht längst schon mit und bei ihnen, noch ehe wir mit dem, was Kirche heißt, bei ihm ankommen und welche Auswirkungen hat das?

Einige von vielen Fragen – ich bin und bleibe bei alledem auch ein Suchender: mit dem Kompass des Evangeliums und der kirchlichen Tradition als Richtschnur und Wegmarken. Denn: ein Bischof ist Hirte und nicht Alleswisser, erst recht nicht der Beste in Leben. Das können auch meine Zeugnisse aus der Schule bestätigen: Deutsch und Turnen waren zeitlebens die schlechtesten Noten.
Er ist aber auch nicht der Beste im Glauben, zumindest nicht von vornherein :-). Aber ich darf mit den Vielen, die in der Steiermark auf dem Weg des Glaubens in unserer Kirche unterwegs sind, die Freude am Glauben teilen und erneuern; wir werden in einer so verstandenen Kirche vielfältig sein und die Seelsorge neu ausrichten und als Kirche die Gesellschaft mitgestalten. Auf unserem “Weg2018” hin zum Diözesanjubiläum nehme ich vieles an Fragen mit, da bin ich alles andere als fertig, da hab ich kein Patentrezept und bin kein Wunderwuzzi. Aber ich möchte im Vertrauen beginnen:

Ich bin von Gott angegangen worden und ich will nicht von ihm lassen: Denn „Gott ist die Liebe (1Joh 4,16)“

Zeit aufzu(er)stehen

Eben habe ich nach einigen Monaten, in denen es auf meinem Nachtkästchen lag, das große Interview des Alt-Erzbischofs von Poitiers, Albert Rouet, fertig gelesen. 2012 erschien das ursprünglich 2009 veröffentlichte Interview unter dem Titel “Aufbruch zum Miteinander. Wie Kirche wieder dialogfähig wird” auf deutsch (ISBN 978-3-451-34156-4 ). Es ist alles andere als ein “normales” Interviewbuch, denn: es zeichnet große Linien nach und “verbindet”, ist also katholisch.
Wer Zeit hat und Lust hat Ostern, also Auferstehung ernst zu nehmen, soll sich die 200 Seiten gönnen, die den Blick weiten helfen auf eine Kirche im und für das Heute und Morgen, weil es das Miteinander und das Zu- bzw. Füreinander ins Spiel bringt wider die allseits oft aufkeimende Versuchung Macht und damit Einheitlichkeit auszuüben … Eigentlich alles selbstverständlich, was er da antwortet, aber auch Papst Franziskus hat mit “Evangelii gaudium” das Übliche neu benannt – und auf vielen Seiten kann man da Anklänge nicht leugnen.

Ostern 2015

“Wenn es Ostern nicht gäbe: Würde sich da was am Leben, an meinem Leben ändern?” Irgendwie ist mir diese Frage in den letzten Tagen da in Mürzzuschlag gekommen – ich bin in diesen Tagen hier aus Aushilfe. Klar: dann gäbe es all die Feiern und damit auch die Feiertage nicht. Aber: sonst in meinem Leben?  Die Gedanken der Predigt am Karfreitag scheinen mir da mit eigenen Worten einen Antwortversuch zu verbergen ..

Vielfach begegne ich Menschen mit Angst vor  in verschiedenen Varianten: da gibt es die Angst vor der Krankheit, denn Gesundheit (sei ja das wichtigste Gut, Angst vor Scheitern und Ungenügen, Angst vor Zerbrechen von Beziehungen usw. usf. Und  natürlich auch Angst vor dem Tod. – Nebenbei: sind nicht alle Ängste Spielformen dieser letzten? Und ist damit nicht eigentlich  Angst vor dem Leben verbunden?. Denn das Leben bekommt erst durch Tod “Gewicht”. Würde alles gleich gültig sein, wäre es erstens gleichgültig und daher zweitens auch nichts wert. Erst die Sicherheit des Sterbens macht das Leben zu mehr als bloß einem Ablauf von gewissen Sekunden und Minuten.
Durch das, was wir in diesen Tagen weltweit feiern, wird dem “Entfliehen des Todes” eigentlich der “Kampf” angesagt: das Leben ist eines “durch den Tod hindurch”. Und daher könnten wir es uns auch leisten, heute  das Leben jenseits und mit dem Tod bewusst für uns selber zu bedenken – wenn wir nach vor treten und unser Knie beugen vor einem, der dargestellt wird als am Kreuz Gehängter. Tod und Leben gehören zusammen! Und: nehmen wir das auch in unseren Alltag mit: jeder Augenblick ist kostbar! Jeder Augenblick hat es eigentlich in sich, zu einer Begegnung mit dem Ewigen zu werden!
Lassen wir daher nichts einfach nur so vorübergehen.