Archiv der Kategorie: Allgemein

Demütig die sich offenbarende Wahrheit erwarten

Einiges hat sich ereignet in den 14 Tagen der außerordentlichen Generalversammlung der Bischossynode: in ihr und außerhalb der Synodenaula. Die Schlussbotschaft ist verlautbart worden, das Dokument, das wohl Grundlage für weitere Gespräche und Vertiefungen om kommenden Jahr sein wird,  wenn die ordentliche Generalversammlung zusammentritt, wird in den kommenden Tagen erwartet – zur Stunde wird noch darüber beraten. Christian Hennecke spricht in seinem Blog vieles am von dem, wie hierbei Kirche sich “neu” aufstellt.

Anteil haben am Dienst Christi

“Wir können nicht glaubwürdig von der dem Mann vorbehaltenen Priesterweihe  sprechen,  ohne  zugleich  deutlich  zu  machen,  dass  es  eine  gerechte  Teilhabe von Frauen und Männern an allen Aufgaben, auch den Leitungsaufgaben in der Kirche gibt. Alle haben Anteil am priesterlichen, königlichen und prophetischen Dienst Christi.” So schreibt Bischof Stefan Oster gegen Ende seines Vortrags über das Verhältnis von “gemeinsamem Priestertum aller Gläubigen” und dem “Priestertum des Dienstes” wie es uns das Zweite Vatikanische Konzil in der Kirchenkostitution “Lumen gentium” nahegebracht hat.

Er hat darauf in seinem fb-blog verwiesen. Der ganze Wortlaut seiner Gedankengänge, die er für mich “ganz interessant” angeht, ist hier zu finden. Stoff zum Nach-Denken … auch für die seelsorgliche Praxis.

Ideal und Wirklichkeit

Der “Zwischenbericht” der ao. Vollversammlung der Bischofssynode wurde heute veröffentlicht und wird von der kathpress oder auch Radio Vatikan besprochen. Interessant. Und auch hier ein Kommentar. … Nur offiziellen Text auf deutsch finde ich derzeit nirgendwo … Die Welt spricht halt nicht so viel deutsch – auch eine (wichtige!) Erkenntnis.

Ach ja: und dann wurde der Termin der ordentlichen Synode im kommenden Jahr heute von Papst Franziskus bekannt gegeben: 4. – 25. Oktober 2015.

Feste und Wein

Am heutigen Sonntag waren Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja und der Abschnitt aus dem Evangelium nach Matthäus vom Gedanken des Festes und des (Hochzeits-)Mahles bestimmt. in den Predigten bei den Messfeiern in Klöch und Halbenrain wurde mir wieder mal bewusst, wie einprägsam die Bildersprache ist, die Jesus verwendet. Zugleich aber fragte ich mich, was ich selbst beitragen kann, um für dieses ewige Fest gerüstet zu sein … Denn: nur hier und jetzt habe ich Gelegenheit für Vorbereitungen dazu.

Das “Festkleid”, das ich mir hier und heute anlegen kann ist jenes des Wortes Gottes: indem ich es lebe oder zu leben versuche. So schön und einfach das klingt: es ist herausfordernd – und es gelingt alles andere als bestens. Die Sehnsucht es zu leben aber bleibt. Denn: dann lebe ich die Aufmerksamkeit, die jene brauchen, denen die Einladung zum Hochzeitsmahl im Reich Gottes  überbracht wird.

Diese Aufmerksamkeit gilt es in den Alltäglichkeiten umzusetzen: in den Begegnungen auf der Stiege im Haus genauso wie beim Kaffee in unserer WG … – bei notwendiger Kritik wie auch beim Lob von Gelungenem. Dass dies mir bei weitem nicht gelingt steht außer Frage – und damit auch täglicher Neubeginn, was mich immer wieder Hoffnung und Auftrieb schenkt.

Von Schafen und deren Geruch

Der Bischof von Feldkirch, Benno Elbs, hat mich vor einigen Tagen beschäftigt. Ich habe sein Buch gelesen … “Im Stallgeruch der Schafe. Wege pastoraler Arbeit im 3. Jahrtausend” heißt es. Einfach ist es geschrieben. Wohltuend einfach. Von jemandem, dessen Menschenkenntnis durch die “Druckerschwärze” hindurch erfahrbar wird. Wohltuend einfach aber auch deswegen, weil es keine “Strategien” im üblichen Sinn als “Patentrezepte zur Rettung von Kirche in ihrer überkommenen Gestalt” bietet, sondern Wegmarkierungen benennt, die uns “weiterbringen” auf dem Weg, das Evangelium heute authentisch zu leben.
Und wieder: nicht Strukturen verändern, sie sind bestenfalls das “Skelett” – und gerade deswegen auch notwendig (vgl. meinen Eintrag vom 1. Oktober), sondern das (gemeinsame) Leben des Evangeliums im Heute unserer Tage. Das wird gesucht! Davon bin ich überzeugt, wiewohl ich selbst gerade darin immer wieder scheitere. Und ein solches Leben überzeugt.

Eine lästige Freundin

Der am 31.8.2012 verstorbene frühere Erzbischof und Kardinal von Mailand, Carlo Maria Martini nannte seine Parkinson-Erkrankung “eine lästige Freundin”. Im Buch “Wenn das Wort verstummt” werden die Jahre des Lebens mit dieser Wegbegleiterin auf berührende Art und Weise von seinem Sekretär geschildert. Mir ist bei der Lektüre ein Mensch begegnet, nicht zunächst ein “Kirchenfürst” – er will ja auch nur “padre” genannt werden. Mir ist da einer entgegengetreten, der in einer ganz speziellen Zeit seines Lebens sein persönliches “Ja zu Gott”, seinen Glauben also immer wieder erneuert hat. Und das baut auf. Sein gelebtes Christsein bis zu den letzten Atemzügen sagt mir: das ist das eigentlich Wichtige, das gilt es zu leben. Nicht Ämter und Würden bringen “mich” und “uns” auf dem Weg mit und zu Gott weiter – auch keinen Österreicher, für den diese Dinge angeblich wichtig sind -, sondern einzig und allein das Streben nach Heiligkeit. Mit seinem Abschiednehmen – wortlos – hat Kardinal Martini, den zeitlebens unter anderem “Wortgewaltigkeit” ausgezeichnet hat, Kirche erneuert und “weiter gebracht”. Danke für dieses Zeugnis!

Strukturentwicklung ist aus sich noch keine Kirchenentwicklung

Begonnen hat es mit der Lektüre von “7 fette Jahre”. Es ging weiter mit “Kirche, die über den Jordan geht” und “Glänzende Aussichten” bis hin zu “Es ist möglich”. Es gab einige Studientage mit ihm und anderen, die im Norden Deutschlands Kirchenentwicklung “von innen her” in Angriff genommen haben. Darüber hinaus habe ich mehr oder weniger die aus solchen Veranstaltungen heraus resultierenden Veröffentlichungen “lokaler Kirchenentwicklung” gelesen: ich muss sagen, mich lassen die Gedanken, die Christian Hennecke sagt und niederschreibt nicht los. Mehr noch aber das Leben, über das er berichtet und das er in seiner neuesten Veröffentlichung “Seht, ich schaffe Neues – schon sprosst es auf” in Zitation von Jes 43,19 in Interviewform eben herausgebracht hat. Auch wenn ich hin und wieder in seinen Blog schaue: Da wird aus Liebe zu unserer Kirche dieselbe “schmackhaft” dargestellt, weil sie unterwegs ist und immer mehr sie selber wird. Da ist nichts Bitteres, da ist keine Jammerei und damit auch kein lähmender Blick “zurück” zu spüren. Da wird von “Aufbruch” gesprochen, der freilich auch den Karfreitag kennt; da wird einem Freude gemacht an Kirche, weil Taufe und damit Berufung ernst genommen werden und der Priester im Volk Gottes als der erscheint, der er von Amts wegen wirklich ist, nämlich Diener am Volk. Da wird nichts ausgelassen – nicht die Frage nach der “Zugehörigkeit zur Kirche” und auch nicht Überlastungsphänomene, über die geklagt wird – weil die Sendung im Blick ist und damit die “Fleischwerdung” des Wortes Gottes in unserer Welt. Da wird davor gewarnt, einfach zu kopieren und Kirchenentwicklung “von innen” als bloße Methode des Zugewinns möglichst vieler Mitglieder zu verstehen usw. usf.
Allein die einfachen Bilder, die am Ende des Büchleins Kirchenentwicklung vor Augen führen und dem Lumko-Institut Johannesburg in Südafrika bzw. Bukal ng Tipan auf den Philippinen zu verdanken zu verdanken sind, sind “einkehrtags-tauglich” und laden ein, mich zu bekehren, denn ohne die noch deutlichere Hinwendung zum Auferstandenen, der in seiner Kirche lebt, wird’s nicht gehen!
Ich frage mich zugleich aber auch: “Wie kann all das, das mir so einleuchtend erscheint, bei uns noch mehr Platz greifen?” Und ich nehme mich sofort bei der Nase und beginne aufmerksamer auf das zuzugehen was mich umgibt, denn: “Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?” heißt es bei Jesaja. Gott ist also vor meiner Zimmertür – und hoffentlich auch mitunter innerhalb meiner eigenen 4 Wände – am Werk: hier bei mir im Augustinum, in Schwierigkeiten und Machtspielchen die mir tagaus, -ein auch in Pfarren – an Orten also, die sich Kirche nennen! – begegnen, in den Menschen, die mir über den Weg rennen – ob jung oder alt – usw. Und ich frage mich zunehmend: “Wie lange braucht diese Schule der Aufmerksamkeit, um mehr und mehr ‘nur’ das im Blick zu haben, was Gott wirkt, was ER will, wohin ER uns führt?”
Ach ja: solche “Aufbrüche in der Kirche” gibt es nicht nur in Hildesheim, dort sind manche schon “verfilmt” …

Welche Videos, nein: welche Erfahrungen könnte und müsste ich hier aufführen? Und: sind für mich “72h ohne Kompromiss” oder CarLa-Läden oder der run4unity oder … oder … oder … wirkliche und authentische Erfahrungen von “Kirche”? Und was ändert sich dann für mich und mein Priestersein? Was für das “herkömmliche” Verständnis von “Kirche als Gemeinde”?

Spannendes Leben

Es gäbe “Kodifizieren des Glaubens in Regeln und Anweisungen, wie es die Schriftgelehrten, die Pharisäer und die Gesetzeshüter taten. Alles ist dann klar und ordentlich, aber das gläubige und suchende Volk wird weiter Hunger und Durst nach Gott haben.” So sprach Papst Franziskus vor den Teilnehmern eines internationalen Kongresses über sein Lehrschreiben “Evangelii gaudium” am 19. September 2014. Der Wortlaut seiner Ansprache liegt  – zumindest derzeit – nur italienisch vor; Radio Vatikan veröffentlichte Auszüge daraus auch auf deutsch.
Allein dieser Satz macht deutlich, wie positiv spannend das Leben ist: es gilt, das Evangelium – also die Treue zu Gott – im Heute unserer Tage – also Treue zur Welt und den Menschen – zu leben. Jede/r ist daher herausgefordert, Evangelium in die Tat umzusetzen und damit in jene oft komplexen Wirklichkeiten, die uns tagaus, -ein begegnen. Einfache Antworten sind meist plakativ und alles andere als geeignet die volle Wirklichkeit des Menschseins einzufangen. Andererseits: ohne die klaren und deutlichen Wegmarkierungen und Orientierungshilfen sind wir als Menschen oft und oft überfordert, wüssten wir wohl nur allzuoft weder aus noch ein.
Es kann also nicht darum gehen, bloß das Gesetz zu verteidigen, es gilt, sich mit den Menschen und daher auch mit unserem eigenen Dasein auf die Suche nach Gott zu machen und beständig das Fragen einzuüben: “Was bedeutet diese Orientierung, diese Wegmarkierung jetzt, heute und hier?”
So zu leben ist meines Erachtens alles andere als Beliebigkeit. Es ist eine Herausforderung, die sich täglich unter das “Kreuz” begibt.

Zentralafrika

Ich bin neben ihm gesessen, als don Justin Nary aus der Zentralafrikanischen Republik beim Treffen “networking 2014”  seine Erfahrung erzählt hat. Die ging unter die Haut: ein römisch-katholischer Priester, der sich schützend vor Muslime gestellt hat, die sich zu ihm geflüchtet hatten. Ich dachte mir, als ich ihm zuhörte: “Wie klein doch unsere Fragen und Probleme sind.” don Justin: ein wirklicher Mann Gottes!
“Ob ich auch fähig wäre bzw. bin meinen Glauben so wie er zu leben?”