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Wie gesagt: gemeinsam unterwegs – und daher gibt es hier nicht “gescheite” Gedanken von mir sondern auch das eine oder andere, das ich teile – mit anderen teile.

Zukunft eröffnen

Mit ungeheuren Bildern der Hoffnung und Zuversicht konfrontiert uns das letzte Buch der Bibel, die sogenannte "Geheime Offenbarung". Sie zu verstehen ist alles andere als leicht. Mir aber geben solche Bilder Halt, etwa wenn der Seher auf der Insel Patmos heute in der Lesung (Offb 1,1–4; 2,1–5a) die Christen in Ephesus mahnt, doch bei ihrer ersten Liebe zu bleiben.

Ja: auch in "harten" Zeiten, in Augenblicken, in denen ich von außen bedrängt oder beschränkt werde, kann ich meinen Blick erheben und voranschreiten. Es gilt, zu leben zu versuchen, was ER mir gesagt hat. Nichts anderes haben viele die Jahrhunderte herauf getan. Ich denke bei solchen Erfahrungen immer wieder an den früheren Kardinal van Thuan aus Vietnam, der auch in den Jahren der Einzel- und Dunkelhaft versucht hat, allen, die ihn bewachen, in evangeliumsgemäßer Liebe zu begegnen.

Ja: Seine Liebe in die Tat umzusetzen - wie es eben den Umständen entsprechend möglich ist. Das stärkt und eröffnet Zukunft.


Martin heute

Martin ist ein Heiliger, der weit über den innersten Zirkel der katholischen Christinnen und Christen hinaus bekannt ist. Mit seinem Fest verbinden sich auch andere Traditionen in unserer Welt, die mit dem Phänomen von "Licht" und "Dunkelheit" "spielen" oder aber die Tatsache ernstnehmen, dass wir 40 Tage vor dem Geburtsfest Jesu Christi stehen. - Ich möchte nur über einen Aspekt kurz nachdenken, der sich angesichts dieses großen Heiligen des 4. Jahrhunderts mir als Stachel im Fleisch meiner Berufung in die und in der Nachfolge erweist, und die sich an die Erzählung der Mantelteilung anschließt, die sich bekanntlich vor seiner Taufe ereignet hat. Aufgrund der ihm danach zuteil gewordenen Schau Christi ließ sich Martin bekanntlich taufen: der Mensch gewordene Sohn Gottes macht - salopp formuliert - darin deutlich, dass Christ zu sein nichts für den "Schaukelstuhl" ist[1]. Aus der Anerkennung Gottes, dem Glauben an ihn, aus dem Eintauchen in Seine Wirklichkeit und der sich daraus ergebenden Nachfolge folgt, dass wir diese Beziehung auch mit unseren Mitmenschen zu teilen haben. - Und, nebenbei: diese Art zu teilen macht reicher!

Gerade im Heute wird deutlich, dass dieser Weg, für den Christen stehen und den sie zu beschreiten versuchen, bedeutsam ist: Glauben hat Hand und Fuß zu bekommen, ist als "geistvoll erneuerte Normalität"[2]. In meiner Verantwortung und damit in meinem Dienst muss dieser "Weg des Trostes" uns immer bewusst sein, da die Herausforderungen, die sich uns in der Kirche stellen, eben bedeutet, Nähe zu leben, auch wenn "Abstand" gefragt ist. Und daher gilt: wo nehmen wir jene wahr, die jetzt unter so mancher Last stöhnen oder sie still (er)tragen - Alleinerziehende, Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen, Armutsgefährdete, Pflegende, chronisch Kranke und Sterbende?[3] Wie können wir jene ernst- und wahrnehmen, die angesichts all dessen, was derzeit nicht nur bei uns so los ist mit der Pandemie, weder ein noch aus wissen oder auch all das ganze schon "satt" haben, wie jene, die sich mit allem Möglichen, etwa auch mit Arbeit, aus dieser Realität wegleben wollen und jene, die psychische und andere Belastungen verstärkt verspüren? Wo haben wir jene im Blick, die angesichts zeitgeistiger Vorgänge sich nicht zu Wort melden trauen oder auch nicht gehört werden, weil ihre Meinung nicht dem - veröffentlichten - mainstream entspricht? Wo sind uns all jene bewusst, die etwa jüngst - vor unserer Haustür gleichsam - von der Terrorattacke betroffen waren und sind, in der sich wieder einmal Abgründe menschlichen Seins geoffenbart haben? Wo sind uns alle anderen Situationen in der Welt Anliegen, die sprichwörtlich zum Himmel schreien: Flucht, Hunger, Krieg, Verfolgung und wie auch immer sie heißen mögen, die kleinen und großen Katastrophen? - Die Liste an Anfragen kann fortgeführt werden, davon bin ich mir sicher. - Und all das gilt es zu leben, um Hoffnung zu stiften mitten drin in den Regularien und Verordnungen ohne die ein Miteinander letztlich auch nicht möglich ist.

Ob all das, was praktiziert werden könnte, ob all das, was uns aufgegeben ist - und damit komme ich zum Schluss - dann auch das Mascherl "engagierte Christen" oder gar das von "Kirche" trägt, darf uns eigentlich nicht beunruhigen: Kirche ist eben mehr als das, was üblicher Weise in weiten Kreisen mit ihr verbunden wird. Papst Franziskus wird bekanntlich auch nicht müde, die Sendung der Getauften hinein in unsere Welt in den Blick zu nehmen und zu betonen: Leben ist gefragt!

[1] Vgl. zum Gedankengang "Christsein ist eine klar fassbare Praxis": Matthias Sellmann: Was fehlt, wenn Christen fehlen? Eine 'Kurzformel ' ihres Glaubens, Würzburg 2020.

[2] Vgl. Hirtenwort der österreichischen Bischöfe zum Pfingstfest 2020.

[3] Vgl. hierzu auch Hermann Glettler: Niemand lebt für sich allein. Versuch einer Tröstung zum Nationlafeiertag, in: https://www.feinschwarz.net/versuch-einer-troestung/ (27.10.2020).


Gebetsanliegen des Papstes

Papst Franziskus lädt im November ein darum zu beten, dass Robotik und künstliche Intelligenz im Dienst der Menschen stehen.


Leben

Hier ein Wort zum Leben für November...


Francesco

Francesco - eine Dokumentation von Evgeny Afineevsky hatte in der vergangenen Woche in Rom Premiere und wurde gestern beim Savannah Film Festival für Nordamerika erstausgestrahlt. Ich habe mir ein Ticket gekauft und den Film gestreamt. Ich bin einfach berührt von den Bildern und dem Inhalt, der weit größer ist als das, was sofort und schnell in allen Medien in unseren Breiten kommuniziert wurde. War es bei Wim Wenders "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" in einer Art "Privataudienz", so wird in dieser Dokumentation sein "Gehen an die existentiellen Ränder" mit Originalbildern gezeichnet und auch von einigen "Weggefährten" gedeutet.

Schon die ersten Bilder, die am Ende "wiederkehren" sind eindrücklich: der leere Petersplatz und der allein dort die Stufen zum Baldachin hoch steigende Papst Ende März, "am Beginn" der Pandemie und des lockdowns, der mit einigen Bildern aus großen Städten der Welt und Teilen seiner damaligen Predigt unterlegt wird. Von "laudato si" beginnend und damit den großen Fragen der Ökologie - wie bei allen Themen sind auch hier Reisen, etwa auf die Philippinen, als "Erweis" seiner Botschaft dokumentiert - nimmt das Thema Flucht und Migration (Lampedusa) auch einigen Raum ein - im Begriffspaar "Brücken statt Mauern" wird es auch später einmal (Mexiko) aufgegriffen.

Gleich drei Mal wird das Thema Missbrauch aufgegriffen, um - so scheint es - die Persönlichkeit des Papstes zu unterstreichen - es geht dabei immer um Chile: zunächst sein vor Ort noch dokumentiertes "Unverständnis", dann sein "Lernen" [apostolische Visitation] und die Bitten um Verzeihung und schließlich die Konsequenzen [Treffen mit allen Bischöfen, Verschärfungen im Kirchenrecht, ...], die er aus den großen leidvollen Erfahrungen gezogen hat. "Begleitend interpretiert" werden diese Abschnitte immer vom selben Opfer, das Franziskus auch in Rom empfangen hat: der Weg, den dieser Mann auch in der "Beurteilung" des Papstes zurück gelegt hat, ist nicht nur bedeutsam, sondern auch sehr emotional.

Eingestreut in all die Ereignisse sind Lebensabschnitte des früheren Erzbischofs von Buenos Aires, "Lernorte" gleichsam für sein Wirken als Papst im Heute: seine Mitgliedschaft bei den Jesuiten, genauso wie seine Familie mit Fluchthintergrund. Alles macht deutlich: er setzt sich für die Geschwisterlichkeit ein, die er in seiner jüngsten Enzyklika als jenen Lebensstil propagiert, der uns in dieser Welt eigentlich auszeichnen sollte. Von daher werden sein Zugehen auf die "Frauenfrage", auf gleichgeschlechtliche Beziehungen, sein die Stimme erheben was den Genozid an den Armeniern anlangt, sein Besuch in Auschwitz, sein - auch diplomatisch geschicktes - Umgehen mit den Fluchtfragen der Rohingya, der Besuch auf Lesbos u.a.m. ins Bild gerückt. Dass in vielen Abschnitten Personen aus dem unmittelbaren Umfeld des Vatikans wie auch der Bewegung Sant'Egidio zu Wort kommen, darf da nicht verwundern. Es ist eben der Papst, der heute der richtige ist [so jedenfalls wird abschließend die Wahl zum Papst von den Kardinälen 2013 geistlich interpriert].

Schön, dass ich die Gelegenheit genutzt habe, mir an unserem Nationalfeiertag gerade diese Dokumentation anzusehen, um mir - wieder einmal - unsere Aufgabe in Erinnerung zu rufen, uns füreinander einzusetzen ...


Gemeinsam unterwegs