Spiritualität und Glaube

„Wer glaubt ist nie allein.“ Das Motto des Papstbesuches von Benedikt XVI. 2006 in Bayern macht deutlich: als Glaubende sind wir gemeinsam unterwegs. Daher werden hier nicht nur persönliche blogs veröffentlicht, sondern auch Denkanstöße anderer veröffentlicht, mit denen ich mich unterwegs weiß.

Liturgie: Quelle und Höhepunkt

In einem 5-Minuten-Video versucht Christian Hennecke "Lust auf morgen" zu machen, indem er dem Sinn von Liturgie, dem Gottesdienst von Kirche nachspürt.

 

https://www.youtube.com/watch?v=nRCY5FVufvU


getrennt und dennoch vereint

Am 70. Jahrestag der sogenannen „Schumann-Erklärung“ vom 9. Mai 1950 – die Geburtsstunde dessen, was später zur Europäischen Union werden sollte und deswegen "Europatag" – gab es ein virtuelles Treffen der konfessionsübergreifenden Initiative „Miteinander für Europa“. In dieser sind seit nunmehr 20 Jahren verschiedene Erneuerungsbewegungen christlicher Kirchen – aus katholischer, evangelischer, orthodoxer und auch freikirchlicher Tradition – lose zusammengeschlossen, um gemeinsam zu überlegen, was denn nun Auftrag der Jüngerinnen und Jünger Christi auf diesem Kontinent sei. Eigentlich war mit dem steirischen „Ableger“ dieser Bewegung ein Treffen im Grazer Rathaus angesagt. Dies war nicht möglich, so wurden kurzerhand 1 Stunde lang Erfahrungen aus sechs europäischen Ländern miteinander geteilt: Slowakei, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Italien und Österreich. Knapp 100 Personen waren der Konferenz zugeschaltet.

Das, was berichtet wurde, waren einfachste Initiativen – nicht nur aus Corona-Zeiten – engagierter Menschen, denen das Miteinander der Völker und Nationen auf unserem europäischen Kontinent – gestaltet aus christlichem Geist – wichtig ist. Die Berichte waren alles andere als schlagzeilenträchtig. Und dennoch! Da hatte ein kleines Ding, ein Virus, Menschheitspläne durcheinander und Grenzen dicht gemacht. Das „Miteinander“ dieser Initiative – es ist für mich nach wie vor interessant, dass dieses Netzwerk von Erneuerungsbewegungen getragen wird, denen üblicher Weise nachgesagt wird, eher mit dem Blick nach innen in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften präsent zu sein – wurde durchkreuzt, denn leibliches Zusammenkommen war unmöglich. Dennoch war es mit Händen zu greifen: in jeder Erfahrung wurde deutlich, dass Menschen aus christlichem Geist heraus versuchen, nicht achtlos an den Nöten, Sorgen und Notwendigkeiten anderer vorüberzugehen. Das Miteinander wurde in diesem „Treffen“ daher nicht körperlich, sondern durch berichtetes Tun angreifbar. Einfach gerade deswegen nachhaltig, denke ich. Und damit wurde auch etwas deutlich, was uns schmerzlich derzeit auf europäischer Ebene abgeht: das Miteinander für Europa eben – so manches an Selbstisolation der einzelnen Staaten hat ja erneut fröhliche Urständ in dieser Krise gefeiert. Oder wurde darin nur etwas von dem sichtbar, was eigentlich ohnedies "unter der Bettdecke" auch bislang eher schon gelebt wurde?

Für meine Schlussworte am Ende dieser Stunde ist mir daher der Vergleich eingefallen, der im Bild der durchkreuzten Pläne deutlich wird. Da war also – die Umstände, wieso es dazu gekommen ist, sind nicht relevant in diesem Fall – praktisch alles an Planungen durchkreuzt worden: Statt Miteinander: getrennt sein; statt gemeinsames Bekenntnis: virtuelle Berichte, einer nach dem anderen. Durch das Kreuz also – eine neue Form von – Einheit. Natürlich: die Begegnung, die für einen Tag geplant gewesen ist, kann nicht durch eine Videokonferenz in 1 Stunde ersetzt werden. Das Wesentliche – und das getraue ich mir zu sagen – „Miteinander für Europa“ unterwegs zu sein wurde dennoch gelebt und deutlich – in einer ganz anderen Art und Weise und auf einer anderen Ebene als ursprünglich geplant und gedacht. Menschen aus unterschiedlichen Nationen, mit unterschiedlicher Sprache, aus unterschiedlichen kirchlichen Erfahrungen – „durchkreuztes“ Christsein, das sich in dieser Art Jesus mit seiner Bitte um die Einheit aller, die durch die Jünger an ihn glauben, wohl so auch nicht gedacht hat (vgl. Joh17,20f) – sind dennoch im Leben ihres Bekenntnisses gleichsam geeint. So blieb mir eigentlich nur zu sagen: durch das Kreuz sind wir bei aller Verschiedenheit und Getrenntheit untereinander vereint. Möge diese Initiative in Graz, die durch das „Kreuz Corona“ beinahe Schiffbruch erlitten hätte, mutig vorangetrieben werden. – Ehrlich: ich freue mich jetzt schon auf den hoffentlich dann in realer Begegnung stattfindenden Tag im Mai 2021!


Nackte Fragen

Ich war ganz einfach von den Gedanken angetan, die Ermes Ronchi, ein Servit in Mailand, in der Fastenzeit vor Papst Franziskus und den leitenden Kurienmitarbeitern ausgebreitet hat. Gemeinsam mit Freunden habe ich in den vergangenen 14 Tagen die 10 Vorträge "portionenweise" genossen - im wahrsten Sinn des Wortes. Vor meinen Augen wurde eine Kirche sichtbar, die durch und durch geprägt ist von freien Menschen in der Nachfolge. Und gerade deshalb wurden die ungeschminkten, die "nackten" Fragen aus dem Evangelium, die freilassen, Angst nehmen, ja Lust machen sich auf den Weg der Nachfolge in den Fußspuren Jesu Christi einzulassen, zu einer großartigen Verinnerlichung dessen, was ich zu leben versuche.

Ich weiß: ich kann es vielfach nicht so ausdrücken;
ich weiß, dass ich vielfach danebenliege mit meinen Versuchen voranzukommen auf dem Weg zur Heiligkeit -
aber ich weiß auch: "Ich bin unendlich geliebt - von Gott".
Und das gibt mir immer wieder aufs Neue den Mut (neu) anzufangen, nicht aufzuhören weiterzugehen, den Nächsten und damit auch (nur?) den vielleicht nächsten Schritt in den Blick zu nehmen und nicht die großen Lösungen an- und durchzudenken, die wohl auch Gefahr laufen würden, gerade deswegen nicht umgesetzt zu werden ...

"Fragen ermöglichen (neues) Leben" ist mir deutlich geworden, und durch sie - Jesus lebt es uns beispielhaft vor - werden Prozesse angestoßen, die das einfache Leben so vieler, die ihm damals begegnet sind, auf eine neue Fährte gesetzt haben. In der persönlichen Auseinandersetzung mit den uns hier vorgelegten Gedanken kam mir einfach immer und immer wieder die Frage, nein die Gewissheit hoch: "Wenn dies damals der Fall war, dann ist dasselbe auch heute möglich?!" Das Büchlein ist voll von geistlichem Leben - weil es gesättigt ist mit Erfahrungen aus dem Alltag. Das eine ist ohne das Andere nicht zu denken, auch wenn wir, als "gelernte Kirchenleute" oft das eine vor das - und damit auch getrennt vom - Andere/n zu setzen versucht, Leben und Glauben (gefährlich?) auseinanderhalten.

Eine nicht ganz "lupenreine" Darstellung der Dreifaltigkeit als Fresko an der Außenseite des "Hospizes der Dreifaltigkeit" in der Via Roma in Valgrana (Piemont). - Die vergangenen Tage waren auch geprägt von so manchen Begegnungen.

Seinen Zuhörern damals und den Lesern heute bleiben aktuelle Fragestellungen nicht erspart, weil es im Evangelium um das Leben und das Heil geht und nicht um Fixierung, Buchstaben usw. -
Natürlich: gerade wir im Norden Europas "schaffen" es meist nicht, die Fragen nach den Grundlagen von Kirche zu stellen, weil diese "ohnedies klar strukturiert vor Augen steht" - und wir bleiben daher oft auch bei diesen jahrhundertalten und mit viel Segen für uns und unsere Gegend verbundenen Formen und Ausdrucksweisen von Kirche stecken, ja schaffen es auch nicht, die damit verbundenen Problemstellungen auszublenden, so geprägt sind wir von diesen (!).

Gerade deswegen lohnt sich das "Graben in die Tiefe" erst Recht, weil Kirche von Anfang an eine Gemeinschaft derer war, die ihren Anker nicht in dieser Welt ausgeworfen hatten, sondern ins Vertrauen.

Einfach schön! - Und gerade deswegen sind die geistlichen Gedanken - bei allem, was auch nicht behandelt wurde - eine sehr tiefe Gewissens- und Lebens-Erforschung, angetan dazu - und dazu möchte ich ermuntern! - dem entsprechend zu leben.

Wenn Kirche wirklich so gelebt werden würde - wobei es gilt damit bei sich selbst anzufangen - blüht sie unweigerlich.

Hier nun die bibliographischen Daten:
Ermes Ronchi: Die nackten Fragen des Evangeliums,
München-Zürich-Wien: Verlag Neue Stadt 2017,
192 Seiten (€ 19,50)
ISBN 978-3-7346-1112-4


Glauben ist was sehr Schönes

Bei der Barbarafeier in der Kirche von Bärnbach hatte ich folgende Worte für die Predigt gestern vorbereitet:

Welch großartiges Wort uns aus dem Römerbrief doch zum Fest der hl. Barbara geschenkt wird: "Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." Lassen wir uns die-se Zusicherung, die Paulus uns allen mitgibt, doch mal auf der Zunge zergehen – und damit auch deutlich machen: Nichts, nichts, absolut nichts gibt es, das uns aus der Zusage der Liebe Gottes, aus seiner Nähe wegbringen kann. – Wir, wenn wir uns selbst gegenüber ehrlich sind, lassen Gott des öfteren außen vor, entfernen uns von ihm. Er aber ist einer – und die ganze Bibel gibt Zeugnis davon – der immer und immer wieder neu sich auf den Weg macht zu den Menschen. Letztlich wird dies gerade in diesen Tagen und Wochen hin auf Weihnachten deutlich. Auch unser persönliches Dasein ist letztlich ein Ankommen des Herrn – so wie er bei jenen angekommen und damit auch ins Leben umgesetzt wurde, die wir "Heilige" nennen.
Barbara genießt bei uns als eine der 14 NothelferInnen nach wie vor – erst Recht unter denen, die dem Bergarbeiterge-werbe verbunden sind –, großes Ansehen. Von ihrem Leben ist zwar nicht viel bekannt, aber dass sie von ihrem eigenen Vater in einem Turm eingesperrt wurde, hat ihr wohl das bekannte Patrozinium eingebracht. Auch an diesem Ort, an dem sie eingesperrt war, durfte sich diese Frau, die dann den Martertod durch das Schwert starb, Seiner Nähe gewiss sein und wird damit zu einer Lichtgestalt für uns Christin im Advent, also für jene Zeit, in der wir die – endgültige – Ankunft des Herrn und Erlösers erwarten.
Daher: stehen wir ruhig auch zur Tatsache, dass Gott uns nahe ist! Ich glaube, dass wir uns da manchmal schwertun oder uns schamhaft zurückziehen. Ich frage mich eigentlich, wieso das bei uns so ist?! Denn: der Glaube an Gott ist ja was Schönes, was ganz und gar Schönes. Nichts Besseres kann mir passieren als um Gott wissen zu dürfen! – Natürlich: ich weiß auch, dass viele sofort sagen, dass dieses und jenes in der Kirche, bei jenen also die von sich aus sagen, dass sie Gott ernstnehmen, nicht passt, erst Recht, wenn dann alle möglichen und unmöglichen Dinge aus der Geschichte hervor-gekramt werden als Entschuldigung dafür, sich nicht mit dem Glauben auseinandersetzen zu müssen. Hören wir damit doch einfach auf! Lassen wir uns Gott nicht nehmen und entdecken wir die Kirche und das Leben in ihr doch als Mög-lichkeit, es mir selbst immer wieder zu gönnen, mich demjenigen zu verschreiben, der wirklich einzig und allein von sich sagen kann, dass ihm zu folgen sei. Wenn ich denke, wer nicht alles derzeit von sich behauptet, die Wahrheit gepachtet zu haben und wem wir nicht alles sofort glauben; mehr noch: was nicht alles an Abstrusem heute von Menschen ernst genommen wird. Weg mit diesen Versklavungen! Weg mit dem Hinterhergehen hinter Menschen und Dingen dieser Welt. Gott allein genügt! Die Geschichte der Kirche ist nämlich auch erfüllt von Menschen wie Barbara eine war, die deutlich machen, dass das Leben dann gelingt und wirklich eines eingeschrieben in die Weltgeschichte bleibt, wenn Gott ernst ge-nommen wird. Die Kirche, in der wir leben, möchte nichts anderes als uns immer wieder und aufs Neue das deutlich ma-chen: Mensch, du erlangst dann die Fülle des Daseins, wenn Du Dich auf mich einlässt, auf mich hörst und dem Wort entsprechend lebst, wenn du dich immer wieder stärken lässt von mir – denn angesichts der Welt und ihren Herausforde-rungen hast Du gerade heute (!) Stärkung bitter notwendig.
Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi! Also: machen wir ernst mit dem Glauben! Leben wir ihn!


Gott weint

Danke, Professor Niewadomski für die geistliche Auseinandersetzung in herausfordernder Zeit!


Gemeinsam unterwegs